Über Stöck, Lückä, Hublä, Gletscher und Hörner - Räterichsbode - Rosaloui - einfach


Publiziert von amphibol Pro , 17. April 2017 um 15:57.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 8 April 2017
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 4173 m
Abstieg: 4573 m
Strecke:Räterichsbodesee - Juchlistock - Bächlitalhütte SAC - Oberi Bächlilicke - Nordlücke Hienderstock - Hubelhorn - Gaulisee - Gaulihütte SAC - Gauligletscher - Ränfehorn - Rosalauigletscher - Rosalaui
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Guttannen, Breitwald
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Rosenlaui, Hotel
Unterkunftmöglichkeiten:Bächlitalhütte SAC und Gaulihütte
Kartennummer:255S Sustepass / 254S Interlaken (1'50'000)

Bächlital - Gauli -  Rosalaui


Die Grimselwelt übt auf mich seit meiner Kindheit eine grosse Faszination aus. Leider, so muss ich gestehen, war ich nach meiner Kindheit nicht mehr viel oben. Vor ein paar Jahren kamen wir übers Oberaarjoch und einige Besuche in der Gauli gehören für uns nun seit einiger Zeit dazu. Mein Grossvater fuhr mit uns oft zu den Grimselseen. Leider war er zu Fuss nicht mehr so gut unterwegs, doch vermochte er uns trotzdem in diese seine schöne Bergwelt mit den wahnsinnigen geschliffenen Granitlandschaften einzuführen. Für mich war die Grimsel immer ein Ort, sei es in Gedanken oder auch beim Besuch, um an meinen Grossvater zu denken. 

[08.04.2017] Früh und noch im Schatten standen wir oben an den Bergstation der Handegg-Gärstenegg Seilbahn der KWO unterhalb des Räterichsbodensees angefellt und bereit für den schönen Tag. Der Toureneinstieg in die vierttägige Skihochtour konnte nicht besser verlaufen. Die Schneelage war optimal, die Sonne strahlte aus tiefblauem Himmel, es gab kein halten mehr. Der Tag wollte ausgekostet werden, so entschieden wir nicht direkt zur Bächlitalhütte SAC zu laufen um von dort aus ein Tourenziel zu suchen.

Weil die Südhänge des Alplistocks bereits stark besonnt waren, entschieden wir uns unter Absprache zum Juchlistock hochzusteigen. "Bei dieser Exposition würden wir sicher noch Pulverschnee finden - das war die Devise.."

Bald mal waren wir östlich des steilen Couloirs, dass zum Juchlistockgipfel führt, angelangt. Einige von uns waren äusserts motiviert bereits am ersten Tag auf einen Gipfel zu steigen, andere wollten lieber unten das Ambiente und die Sonne geniessen. Der Bergführer und Tourenleiter bewaffnet mit Schaufel, Pickel und Seil stieg hoch und bereitete den steilen Aufstieg vor. Danach stieg etwa die Hälfte der Truppe hoch und gelangte im oberen Bereich über leichte Felsen zum Gipfel des Juchlistocks (2593m), welcher ein wunderbares Panorama ins Bächlital und zum Oberaarsee offenbarte. beggiis und ich freuten uns auf die schöne Aussicht und den wunderbaren Gipfel. Dessen wunderbares Panorama konnten wir so richtig auskosten.

Bei der Abfahrt zurück auf den Bächlsiboden wurden wir dann nicht enttäuscht! Pulver gut und erst noch unverspurt. Die Tourenwoche begann nach unserem Geschmack. Unten entnahmen wir unser vorher deponiertes Material unter dem Stein wieder hervor und zogen über den schönen Bächlisboden hoch gegen die Bächlitalhütte. Im Übrigen ist diese Hütte absolut der Hit, wunderbar gelegen, super bewartet und sehr angenehm zum erholen.

Schwierigkeiten: Juchlistock (WS+ II), Bächlitalhütte WS-

Bächlitalhütte - Obri Bächlilicke - Hienterstocklücke (LK: unbenannt) - Hubelhorn - Gaulisee - Gaulihütte

[09.04.2017] Am nächsten Morgen nach erholsamer Nacht in der angenehmen Bächlitalhütte fuhren wir zuerst steil und äusserst exponiert den eisigen Hang runter zum Gletscher. Erst noch in Dunkelheit stiegen wir mit den Harscheisen den zuerst steilen Bächligletscher hoch und wurden mit einem wunderbaren Sonnenaufgang an den leuchtenden Gipfel des Diamantstocks und Bächlistocks belohnt, bevor wir die interessante oberi Bächlilicke mit den drei aufeinanderfolgenden Leitern erreichten. Mit Höhenschwindel war es für die einen eine Herausforderung, für die anderen das nötige "gehörtdazu", doch alle erreichten wir die Lücke und den Hindertelltigletscher dahinter nach dem exponierten aber gut abgesicherten Abstieg von der oberi Bächlilicke.

Nach einer Abfahrt auf hartem Untergrund stiegen wir nochmals auf gegen die unbenannte Lücke nördlich des Hienderstocks auf rund 3100m. Fast wie im Backofen fühlten wir uns, als wir die Lücke erreichten. Nach einer weiteren knappen halben Stunde erreichten wir gemeinsam, ökonomisch am Nordhang des Hienderstocks traversierend zuerst die Hubelhornlücke und danach das Hubelhorn 3243m und genossen die wunderbare Aussicht auf Finsteraar-, Lauteraar- und Schreckhorn, sowie in den Gaulikessel. Die Abfahrt zum über die Jahre hinweg immer grösser werdenden Gaulisee liess mancheiner einen bis mehrer Juchzer von sich geben, es war ein Traum in bestem Pulver und gar bis tief runter. Über den Gaulisee, eine lustige Fellabfahrt über eine breite Rinne, die wir pravourös meisterten sowie einen steilen Gegenanstieg erreichten wir die Gaulihütte SAC und gönnten uns Moscht und Genepi in immer noch euphorisiertem Zustand!

Schwierigkeit: WS (Obri Bächlilicke Lücke im Aufstieg Leitern, im Abstieg alpin aber mit Ketten gesichert). 

Gaulihütte - Gauligletscher - Ränfenhorn - Rosalauigletscher - Rosalaui

[10.04.2017] Am nächsten Morgen stand das Rosenhorn auf dem Programm. Doch irgendwie war etwas der Wurm drin. Das Rosenhorn war umhüllt von dichten Wolken und es blies ein sehr kühler Wind von der westlichen Wetterlimi runter. Zudem schien auch der Wurm in einzelne unserer Körper gekrochen zu sein (Erkältungen/Fieber etc.). Doch tapfer schlugen sich alle als Alternative dem Ränfenhorn entgegen. So stiegen wir vor der westlichen Wetterlimi etwa auf Höhenline 3000 gegen Norden (rechts) dem Ränfenhorn 3259m entgegen.

Die von den Krankheiten nicht befallenen durften gar eine zusätzliche Sulzabfahrt in ihr Abfahrtspalmares hinzufügen, die allen Vieren ein verzaubertes Lächeln ins Gesicht zauberte, bevor wir nach dem schnellen Wiederaufstieg wieder alle gemeinsam auf das Ränfenhorn stiegen.

Danach kam das Highlight der Tour: Die Abfahrt über den zerfurchten und wilden Rosalauigletscher! Der Tourenleiter und Bergführer leitete uns gekonnt durch den sogenannten Korridor, der - so sagt man - nicht alle Jahre durchfahren werden kann. Dieses Jahr gings!

Die Abfahrt über das Rosaloui, gespickt mit einigen steilen Couloirs die man abrutschen muss, ist eine ebenso imposante wie wunderschöne Erfahrung, die aber auch nur bei guter Sicht- und Schneelage gemacht werden sollte. Zufrieden -  wegen dem nicht rosig progonostizierten Wettereinbruch für Dienstag leider einen Tag früher als geplant - erreichten wir das Rosaloui durch ein kleines Abseilmanöver und nur ca. 10 Minuten Fussmarsch entlang der Gletscherschlucht.

Schwierigkeit: Ränfenhorn: WS, Rosalaui ZS+ (sehr bedingungsabhängig)

..nach Skitouren Berner Alpen Ost, Schnegg/Anker, 3. Aufl. 2004)

Es waren grandiose Tourentage. Tour mit SAC Sektion Blüemlisalp.

Tourengänger: amphibol, berggiis


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Kommentare (2)


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Zaza hat gesagt:
Gesendet am 17. April 2017 um 17:29
Schöne Sache! Euren Trupp habe ich wohl beim Taxi in Meiringen gesehen, als ich auf den Bus nach Innertkirchen wartete (mit Ziel Golegghorn) - an dem Tag waren die Verhältnisse wirklich prächtig!

Lg zaza

amphibol Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 18. April 2017 um 07:19
Hallo Zaza,
danke für deinen Kommentar. Ja, das waren dann wohl wir! Das Golegghorn, bzw. dessen Aufstieg hab ich von der anderen Seite (Gauli) aus am Tag nach deiner Tour betrachtet. In der untersten Hangtraverse hatte es einen relativ grossen Nassschneerutsch drin, der die Spur durchdrang. Bei so warmen Bedingungen muss man nicht zu spät starten. Golegg wäre sicher auch mal eine Tour wert! Sehr schöner Berg & Tour (insbesondere wie du sagst, dank des ÖV!)..

LG Raphael



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