Denti della Vecchia - Gras Couloir Direttissima


Publiziert von Resom , 20. März 2017 um 21:50.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Sottoceneri
Tour Datum:19 März 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo San Lucio-Monte Boglia 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 600 m
Abstieg: 600 m

Dieser Bericht eignet sich nicht als Tourenvorbereitung und dient lediglich der Dokumentation einer weiteren Route durch die Denti della Vecchia.

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Im Tessin sind bei schönstem Sonnenschein über 20 Grad gemeldet. Der Schnee ist bereits bis weit herunter weggeschmolzen. Diese Chance auf eine abenteuerliche Alpinwanderung wollten wir uns nicht nehmen lassen und fuhren kurzerhand von Zürich nach Lugano. Die Denti della Vecchia sollen erkundet werden. Mit dem Bus fahren wir von Lugano nach Villa Luganese und sind bei der Ankunft überwältigt von den Zähnen, die hoch über dem Dörfchen thronen. Die Rundtour, wie beispielsweise von Simone86 beschrieben, schien uns etwas wenig Action zu bieten. Wir beschlossen deshalb kurzerhand, direkt auf den ersten, mit 1310 M.ü.M. kotierten, Gipfel zu steigen. Von dort soll es dann auf der klassischen Route weiter auf den Sassso Grande gehen.

Die Tour startet gemächlich. Wir gehen auf dem perfekt präparierten Wanderweg in Richtung Bocchetta di Brumea. Als wir uns langsam dem ersten Zahn nähern, verlassen wir den Weg und gehen weglos im Wald in Richtung Wand. Schnell ragen die ersten Felsen vor uns hoch. Es präsentiert sich uns bestes Kraxelgelände. Rasch steigen wir auf den Felsrippen auf. Vom Dorf aus haben wir einige mit Gras bewachsene Rinnen ausgemacht, die sich durch die gesamte Wand zu ziehen schienen. Unser Plan war es, durch diese Couloirs aufzusteigen. Tatsächlich stossen wir beim Verlassen des Waldes auf eine solche Rinne. Die Steilheit schüchtert uns etwas ein, doch es het genügend Felstritte und -Griffe, so dass wir gut durch das erste Couloir kommen. Doch das war erst der Anfang. Schon stehen wir vor dem nächsten, nochmals steileren Couloir. Nochmals volle Konzentration. Die Route ist klar, einfach in der Rinne hoch. Jeden Griff prüfen, Fokus auf die nächste Handbewegung. Wo kann ich meinen Fuss hinstellen? Hält dieser Stein? Einige (Angst-)Schweisstropfen später stehen wir am oberen Ende. Wir haben die vermeintlich schwerste Stelle geschafft. Kurz genissen wir die prächtige Aussicht über Lugano, bevor uns die Entdeckung der nächsten Herausforderung wieder in die Realität zurückholt. Vor uns tut sich die höchste und bisher steilste Wand auf. Sie ist zwar bewachsten mit kleinen Bäumchen und Gras, sieht aber trotzdem ganz schön abweisend aus. Wir entscheiden uns einfach gerade hoch zu steigen. Eine mit Gras überzogene Linie gleich links neben einer massiven Felswand bietet sich für den Aufstieg an. Meter für Meter drücken, ziehen und spreizen wir uns hoch. Jeder Halt ist uns recht. Oben angekommen haben wir die grösste Schwierigkeit diesmal tatsächlich geschafft. Wir sehen den ersten Gipfel, der auf der Schweizerisch / Italienischen Grenze liegt. Er ist etwas höher als unserer. Wir müssen einige Höhenmeter absteigen und landen auf einer dürren, gelblichen Alpwiese. Im Zickzack nähern wir uns dem Gipfel. Die obersten 7 - 10 Meter sind nochmals herrliche Kraxelei in gutem Fels. Endlich geht es nicht mehr weiter rauf. Wir haben unseren Plan einer Direttissima in die Tat umgesetzt! Grund genug, um den Rucksack abzusetzten und bei herrlicher Fernsicht (Dom, Monte Rosa usw) ein Sandwich zu geniessen.

Unser eigentliches Tagesziel haben wir erreicht. Es reizt uns jedoch noch, den höchsten Punkt in den Denti della Vecchia zu erklimmen. Den Sasso Grande erreicht man via Passo Streccione. Von dort führt ein mit blauer Farbe markierter Pfad rauf auf den Gipfel. Nach 30 Minuten Mittagsschlaf auf dem Gipfel machen wir uns an den Abstieg. Wir nehmen den Weg, der sich durch den gesamten Gebirgszug bis hin zur Capanna Pairolo schlängelt. Von dort geht es dann durch den Wald zurück nach Villa Luganese. Gerade rechtzeitig erreichen wir um 18:00 Uhr Lugano und werden Zeugen eines herrlichen Sonnenuntergangs. So schmeckt die wohlverdiente Pizza doch gerade nochmals besser!

Tourengänger: Resom, jungens

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