Tagesskitour Wildhorn


Publiziert von CSchmitter , 3. März 2017 um 19:08.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:26 Februar 2017
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 1 Tage 10:00
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Lenk, Hubelmatte - Iffigenalp - Alp Goppi - Iffigsee - Wildhornhütte - Tungelgletscher - Glacier de Téné - Wildhorn - gleicher Weg zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zufahrt von Lenk zum Parkplatz Hubelmatte mit PKW möglich. Alternativ Postauto oder Taxi.
Kartennummer:1266 Lenk, 1286 St-Léonard

2000 Höhenmeter an einem Tag. Klingt viel. Ist auch viel. Aber machbar. Und der Berg ist es wert.

Morgens um 7 Uhr entscheiden wir (2 Skitourengeher, 2 Snowboarder mit Schneeschuhen) spontan, heute doch das Wildhorn zu machen. Wir sind spät dran und die Tour ist eigentlich lang genug für 2 Tage - doch da wir ja jederzeit umkehren können, wollen wir mal schauen, was heute geht.

Parkplatz Hubelmatte - Iffigenalp (1 h)
Um 7:45 Uhr brechen wir am kleinen Parkplatz Hubelmatte (1270 m) auf. Wir hatten erwartet, bis zu Iffigenalp fahren zu können, doch ein großes Hinweisschild weist uns unmissverständlich darauf hin, dass die Durchfahrt nicht gestattet ist. Das bedeutet 300 weitere Höhenmeter und 1 Stunde mehr als erhofft. Ein weiterer Skitourengeher bricht mit uns auf und legt ein solches Tempo vor, dass wir ihn an diesem Tag nicht mehr oft zu Gesicht bekommen werden. Immerhin macht es Hoffnung, dass wir nicht die einzigen sind, die das Wildhorn heute an einem Tag versuchen wollen. Es liegt genug Schnee, um direkt am Parkplatz auffellen bzw. die Schneeschuhe montieren zu können. Gleich zu Beginn werden die ersten drei Kehren über die Grashänge ansteigend abgekürzt. Dann weitgehend der Straße folgend (zwei mal kürzt die Spur durch den Wald ab) bis zur Iffigenalp (1584 m). Hier würde die Holzveranda einer schönen Alphütte zu einer kurzen Rast einladen - aber uns scheint: wir haben keine Zeit.

Iffigenalp - Iffigsee (1:45 h)
Eine gute Spur folgt hinter der letzten Hütte kaum ansteigend dem Iffigtal, das um diese Uhrzeit noch komplett im Schatten liegt. Nachdem der Iffigbach überquert ist, steigt das Gelände leicht an. Hier zweigt die Aufstiegspur links von der Abfahrtsspur ab, die rechts weiter dem Talgrund folgt. Langsam ansteigend lässt sie die Alp Groppi schließlich rechts unter sich liegen. Auf etwa 1820 m kann man entscheiden, ob man weiter dem südwestlich verlaufenden Talgrund (Richtung Seeschnide) folgt oder im Zickzack dem Sommerwanderweg über den Rücken der Eage folgt. Diesen Weg wählen wir. Diese Variante ist landschaftlich schöner, wenn auch im unteren Teil recht steil. Wer die Spur selbst anlegt, sollte die ein oder andere Kehre mehr machen. Der Punkt 2086 wird schließlich links umgangen und nach ein paar weiteren Metern blickt man runter auf die zugefrohrene Fläche des Iffigsees. Die schönere Route bezahlt man nun mit 20 Metern "Abfahrt", die man - im Vergleich zur Variante durchs Tal - zuviel angestiegen ist.

Iffigsee - Wildhornhütte (0:45 h)
Die Wildhornhütte war vor wenigen Minuten schon gut zu sehen. Die Spur quert den See und steigt dann mehr oder weniger der Luftlinie folgend bis zur Hütte auf 2303 m an. Um diese Zeit kommen uns die ersten Skifahrer entgegen, die bereits auf der Abfahrt vom Gipfel sind. An der Hütte laden ein paar schneefreie Bänke zur ersten richtigen Pause ein. Die Hälfte des Tagespensums ist geschafft und wir spüren die 1000 Höhenmeter schon so ziemlich in den Beinen. Es ist 11:15 Uhr. Die Tourengeher, die hier übernachtet haben (Ende Februar noch im Winterraum, ab März wird die Hütte bewartet sein), sind hier wohl schon vor 3-4 Stunden zum Gipfel aufgebrochen.

Wildhornhütte - Tungelgletscher - Glacier de Téné (1:45 h)
Nach einer halben Stunden Rast gehen wir weiter. Ab etwa 2400 Meter wärmt uns endlich die Sonne und die Spur folgt wunderschön dem Grat der Gletschermoräne und dann einen Bogen schlagend in den Sattel östlich des Chilchli. Hier beginnt der Gletscher (genau genommen ist es der Chilchligletscher), der nach Auskunft diverser Bergführer und Ortskundiger im Winter komplett spaltenfrei ist, so dass auf ein Seil mit guten Gründen verzichtet werden kann. Mehrmals kommen uns Gruppen vom Gipfel entgegen - ob alle den Aufstieg aus eigener Kraft überwanden oder einige Unterstützung vom Heli hatten, bleibt uns verborgen. Wir queren in exakt südlicher Richtung und verlassen den Tunelgletscher östlich von Punkt 2915, in dem wir rechts ausholend die Flanke queren. Als wir dann oben am Rand des Glacier de Téné stehen, ist es 13:30 Uhr.

Glacier de Téné - Wildhorn (1:45 h)
Hier treffen wir auf den Tourengeher, der in der Frühe mit uns den Parkplatz verlassen hat. Er hat den Gipfel offensichtlich in rund 5 Stunden bestiegen - wir werden gut 2,5 h länger brauchen. Nach ein paar Worten Konverstation machen wir uns auf zur letzten Etappe, die uns für die nächste Stunde zunächst eine eintönige Autobahn über den Gletscher beschert. Die Aussicht auf die Walliser 4000er wäre ein Traum, aber wir sind mittlerweile doch deutlich damit beschäftigt, uns den Rest der Kraft so einzuteilen, dass wir heute wirklich noch auf dem Gipfel ankommen. Als Zeitlimit haben wir uns 15:30 Uhr gesetzt. Dann spätestes werden wir abfahren, um noch vor Einbruch der Dunkelheit sicher wieder am Auto zu sein. Diese Etappe wäre wesentlich schneller zu schaffen, müssten wir nicht alle 5 Minuten wieder anhalten, durchschnaufen und die Flasche aus dem Rucksack holen. Schließlich bringt uns die Spur um 15:15 Uhr in einem letzten Steilaufschwung zum südwestlichen der beiden Doppelgipfel (3248 m) und belohnt uns mit einem Ausblick, der seinesgleichen sucht. Vom Eiger bis zum Mont Blanc liegt ein Panorama vor uns, dass fast alles beinhaltet, was die Westalpen an Berühmtheiten zu bieten haben. Wir waren mit Pausen 7:45 h unterwegs - das ginge aufgeteilt in zwei Tagesetappen sicher auch in insgesamt 6 Stunden und deutlich weniger kräftezehrend.

Abfahrt (2 h)
Pünktlich um 15:30 verlassen wir den Gipfel. Der Wind macht uns den Abschied auch leicht. Die Abfahrt folgt der Aufstiegsspur und ist ein Traum. Auf den Gletschern feinster Pulver im Licht der langsam sinkenden Sonne. Am Gletscherrand genießen wir für 15 Minuten ein weiteres Mal die Aussicht und eine Belohnungszigarette. Dann fahren wir endgültig ab. Nur ab und an müssen die Boarder auf Flachstücken abschnallen und ein paar Meter laufen. Nach dem Iffigsee gilt das für ein paar Meter auch für die Skifahrer. Unterhalb der Alp Goppi wird der Schnee schwerer und die Strecke von der Iffigenalp zum Parkplatz über die Bergstraße strapaziert dann mit ein paar Eisplatten und aperen Stellen die Oberschenkel, sowie Kanten und Beläge von Ski und Boards. Nach 2 h Abfahrt sind wir gegen 17:30 glücklich - aber knitterhagelkaputt - wieder am Auto.

Fazit: 2000 Höhenmeter sind für durchschnittlich fitte Leute wie uns eigentlich zu viel für einen Tag. Da die Tour aber technisch ohne Schwierigkeiten ist und man jederzeit umdrehen kann, und weil die Tage Ende Februar schon recht lang sind, kann man das trotzdem mal wagen. Zu empfehlen wäre dafür sicherlich ein früherer Start, der dann längere Pausen erlaubt. Der Vorteil vom spät dran sein: Man hat den Berg am Nachmittag für sich allein.

Auf jeden Fall ist diese Skitour ein Traum. Einfach. Abwechslungsreich. Mit einem Hauch von Hochgebirge. Genießer sollten sich zwei Tage und eine Übernachtung in der schönen Wildhornhütte dafür gönnen.




Tourengänger: CSchmitter


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