Skitourenüberschreitung des Hohen Atlas - Hauptkammes (Nord-Süd)


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 6. März 2017 um 21:12.

Region: Welt » Marokko » Hoher Atlas
Tour Datum:24 Februar 2017
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: MA 
Aufstieg: 946 m
Abstieg: 2435 m

Für den letzten Skitourentag war die Überschreitung des Hauptkammes des Hohen Atlas von Nord nach Süd geplant. Unser Gepäck sollte dafür (in einer unendlich langen Reise) von der Hütte zurück nach Aremd über Imlil, den Tichka-Pass nach Süden bis nach Amzouzart transportiert werden. Diese Überschreitung erscheint zwar auf den ersten Blick einfach, sind ja nur 500Hm bis zur Scharte zu überwinden, so darf man vor allem die Abfahrt keinesfalls unterschätzen: Die Scharte bricht nach Süden mehrere hundert Meter ziemlich steil und felsdurchsetzt ab. Eine höchst exponierte Querung durch einen extrem steilen Hang führt nach einigen hundert Metern zu einem guten Rastplatz. Ein Sturz oder eine Lawine in diesem Gelände hätten fatale Folgen. Vom Rastplatz führen nun extrem steile Rinnensysteme gerade hinab ins Haupttal. Auch hier ist die Tour noch nicht zu Ende: Das Tal ist sehr eng und die sonnenbeschienenen Hänge auf der linken Seite bieten Einflussbereiche sondergleichen, zu lange sollte man sich also nicht Zeit lassen. Wenn man, wie wir, ideale Verhältnisse vorfindet, so ist die Abfahrt bis zum Lago de Infi (2312m) möglich. Am See entlang steigt man nun wieder etwa 100Hm auf zum Sidi n'Infi, von wo wir jenseits über die Schotterstraße noch knapp 200Hm abfahren konnten. Von hier wurden unsere Ski mit Mulis weitertransportiert. Ein langer, aber sehr schöner Fußmarsch führte uns hinaus nach Amzouzart. 
Diese Tour sollte in keinem Fall unterschätzt werden, wer den Anforderungen des höchst anspruchsvollen Geländes gewachsen ist, der wird mit einer der eindrücklichsten Touren überhaupt belohnt!
Nach einem Besuch des Weltkulturerbes Ait Ben Haddou traten wir über Marrakesh wieder die Heimreise von dieser wunderschönen Skitourenwoche an.

AUFSTIEG: Von der Hütte im Haupttal bis 3400m aufsteigen (kurz bevor man den schmalen Kanal erreicht). Hier nun nach links durch den sehr steilen Hang aufwärts und ober einer kleinen Felswand nach rechts zu einigen Felsblöcken. Kurz nach rechts queren und dann gerade hinauf (40°) in die Scharte der Tizi Ouanoums.

ABFAHRT: Direkt aus der Scharte über ein schmales Felsband (aufgeschlichtete Steine manchmal sichtbar) nach Norden queren. Einige Meter abrutschen und so hoch wie möglich den gesamten dreiecksförmigen Hang nach Norden queren (extrem steil) bis zu einem flachen Rastplatz am Ende des Hanges. (Gesamtlänge der Querung etwa 250m-350m). Von hier nun nördlich in eine Rinne (rund 40°) einfahren und dieser nach rechts hinab folgen (die Einfahrt ist oft heikel und kann durch einen 40m-Schlenkerer im hintersten Teil des Dreieckshanges umfahren werden, ein leichtes Band führt dann in diese Rinne). Man erreicht so das Haupttal, welchem man ab hier folgt. Immer wieder sind steile und sehr steile Unterbrechungen zu überwinden. Die beste Spurwahl hängt von den Verhältnissen ab. Im untersten Teil hält man sich am besten links des Baches und erreicht so das flache Schwemmgebiet vor dem See. An dessen linkem Rand zum Seeufer (Steinbauten).
Hier nun nach links durch die Hütten hindurch und am Steig durch die Felsen am linken Seeufer entlang. Am östlichen Seeufer nun nach Süden zur Hütte beim großen spitzen Stein und darüber zum Beginn der Schotterstraße. Dieser folgt man nun bis ins erste Dorf und weiter auf der Straße stets talauswärts durch mehrere Dörfer bis Amzouzart. Bis hierher reicht eine gute Straße, welche von den meisten Agenturen angefahren wird.

LAWINENGEFAHR / SCHNEE: Über Nacht haben sich wieder neue Triebschneepakete gebildet. Wegen der Überlagerung mit Wüstensand sind Inhomogenitäten jedoch gut erkennbar und trotz schlechter Sicht handhabbar. In tieferen Lagen Firn und Nassschnee. Letzterer kann hier wegen der extremen Einflussbereiche rasch zu einer ernsten Gefahr werden! Die Abfahrt war bis 2250m möglich, die ist höchst selten der Fall.


WETTER: Anfangs dichter Schneefall, wegen dem Wüstensand jedoch durchaus kontrastreich. In der Scharte starker Sturm. Anschließende Wetterbesserung und Auflockerung während der Abfahrt. Ab der Abfahrtshälfte sonnig.

MIT WAR: Kathi, Jasmin, Sonja, Susi, Rainer, Richi, Karl, Reinhard, Konrad, Urban, Hans, Charly, Tanja

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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