Piz Tarantschun - Bruschghorn - Piz Beverin - 3 glückliche Tage im Val Schons


Publiziert von amphibol Pro , 13. März 2017 um 00:36.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Domleschg
Tour Datum:25 Februar 2017
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 4850 m
Abstieg: 4850 m
Strecke:d1: Wergenstein - Dumagns - Alp Tumpriv - Piz Tarantschun - d2: Wergenstein - Dumagns - Alp Tumpriv - Sur Tuf - Bruschghorn Ostgrat Sattel - Bruschghorn - Carnusatal - Carnusapass - Wergestenstein - d3) Wergenstein - Dumagns - Alp Nursin - Beverin Pintg - Piz Beverin - Ostcouloir - Alp Digl Oberst - Wergenstein
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Wergestein, Dorf
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Wergestein, Dorf
Unterkunftmöglichkeiten:Pensiun Muntanella, Hotel Capricorn
Kartennummer:257 S Safiental / 1:50'000

Muntogna da Schons


Das Val Schons (dt. Schamstal) bildet ein Hochtal mit Nordsüdausrichtung zwischen Thusis und dem Splügenpass. Letzterer verbindet das  Val Schons mit Italien, während weiter westsüdlich der San Bernardinopass die Verbindungsachse zwischen Mittelbünden und Misox bildet. Das Misox seinerseits ist mehr oder weniger zusammen mit dem Val Mustair das südlichste Tal des Bündnerlandes und liegt bereits südlich des Alpenhauptkammes. Das Val Schöns wird dem Inneralpinen Gebiet - präziser - der Alpenregion Mittelbünden zugeordnet. Das prägende Element des Val Schons ist der Rein Posteriur, was zu deutsch so viel heisst wie Hinterrhein. Der Rein Posteriur mündet nördlich von Thusis in den Vorderrhein. Wie dieser Namen schon teilweise zu erklären vermag, befindet sich das Schamstal im Entwässerungsberiech des Rheins. Allerdings ist es vielmehr eines von mehreren Rheinzuflusstäler und durch die fast undurchdringbare Schlucht oberhalb von Thusis ist das Tal - geographisch gesehen - eher ein unabhängiges Nebental des Rheins, dass man vom Hauptrheintal kaum erst wahrzunehmen vermag.
 
Die Viamalaschlucht, der Eingangsschlund ins Val Schons, ist eine enge und tiefe Talmündung südlich von Thusis. Ohne zu wissen, dass hierdurch heute eine Strasse führt, käme es einem Betrachter von Aussen her kaum in den Sinn, dass sich dahinter ein weit offeneres Tal befindet. Allerdings fanden Forscher einen Saumpfad, der mutmasslicherweise bereits zu Römerzeiten mit Wagen durchfahren wurde. Viel früher datiert die Möglichkeit zur Nutzung dieses Alpenübergangs via Splügen- oder San Bernardinopass, denn fand man nämlich in Schams Spuren und auf Felszeichnungen aus der Bronze- und Eisenzeit Hinweise auf die Durchdringung der Alpen an dieser Steller (also bereits ab dem 15Jh. vor Christus).
 
Die Hauptorte des Tales bilden Zilis und Andeer im unteren-, sowie Splügen im oberen Talbereich.
 
An den Ost- und Westflanken wird das Schamstal durch um die 3000m hohen Gebirgszüge eingegrenzt. Die höchsten Erhebungen sind im Westen die Pizzas d'Anarosa (3000 m) (auch Grauhörner), das Bruschghorn (3056 m) und der markante Piz Beverin (2998 m). Den östlichen Talabschnitt bildet an der Grenze zum Oberhalbstein der Piz Cuvér (2972 m). Auf der Westseite, d.h. in den Sonnhängen des Tals haben sich kleine Siedlungen etabliert, die bereits eine lange mehrheitlich landwirtschaftliche Tradition nachweisen. Diese, namentlich Lohn, Mathon und Wergenstein liegen alle auf einer Höhe von rund 1500m ü.M. und bilden heute vorwiegend Kleinsiedlungen mit spezialisierter Kleinlandwirtschaft sowie touristischem Gewerbe. Weil das Val Schons ein sehr naturverbundenes Tal blieb, kann man hier abschalten, wandern, die Sonne und die Aussicht geniessen. Die Landschaft ist wild und zerfurcht und das Ambiente lädt zum Verweilen ein.
 
Als wir vor rund 3 Jahren mit dem Fahrrad nach einer langen Reise von Wien nach Hause nach Thun fuhren, führte uns unsere Route eben auch hier hin, ein Glücksfall, wie sich nun zum zweiten Mal herausstellte.
 

Anreise mit dem Öffentlichen Verkehr

[25.02.2017] Die Anreise von unserem Wohnort bis nach Wergenstein ist eine kleine Weltreise und auf vehementes Verlangen von berggiis, bereits die früheste mögliche Verbindung zu nehmen, „ man sei ja nicht allertage im Val Schons und können allenfalls noch am selben Tag in den Schnee!!“.. war für uns klar, lieber früher als später..
 
So fuhren wir denn mit dem erstmöglichen Bus nach Thun und reisten via Bern, Zürich, Chur, Thusis, Zillis nach Wergenstein. Wergenstein ist das südlichste der oben beschriebenen drei Dörfer an der Sonnseite. Das Dorf besteht lediglich aus einer Ansammlung von rund einem dutzend Häuser sowie einer kleinen Kirche.
 

Piz Tarantschun 2769m

von Wergestein  / WS+, Gipfelhang zwei mal über 30 Grad auf rund 100m
Route: Wergenstein – Dumans – Alp Tempi – Piz Tarantschun
Abfahrt: auf selber Route
Angaben zur Tour:6.5Km, 1320Hm, 3h (Aufstieg)
 
[25.02.2017] 10:20 Uhr waren wir in Wegenstein angelangt. Es war ein Prachtstag! Wir machten uns allerdings bei der Anreise etwas Gedanken über die spärliche Schneelage, denn bis Zillis war kaum Schnee in Sicht. Das Val Schons präsentierte sich vielmehr wie ein Tal in Frühlingspracht. In Wergenstein selbst minderten aber unsere Befürchtungen, den scheinbar hat's gerade so bis 1550m noch etwas Neuschnee gegeben und gegen oben hin schien's dann auch besser auszusehen.
 
So packten wir die sieben Sachen in der überaus herzlichen und hübschen Pensiun Muntanella (ein goldiges Fleckchen Erde). Nach einem Kaffee fellten wir nur etwa 20m neben der Pensiun an und "randonnierten" gegen die Erste Alp Dumagns auf. Die Piste war noch hart und einige Spuren führten uns ohne Umweg zur Alp mit einigen Maiensässen versehen. Dort angelangt sahen wir zum ersten mal den Piz Beverin wo sich heute Samstag schon einige Tourenfahrer am Versuchen waren. Über die Alp Tumpriv steilt das Gelände etwas an und folgend spurten wir selbst durch die wunderbare hügelige Landschaft dem nun sichtbaren Piz Tarantschun entgegen.
 
Kurz vor dem steilen Schlussaufstieg machten wir noch eine Verschnaufpause. In einigen Spitzkehren geht man zuerst westlich des Gipfels über einen ca. 100m hohes Steilstück und dreht dann in den Gipfelhang, der nur kurz über 30 Grad ist. Heute alles kein Problem, zumal bereits gut gespurt und auf Grund des Windes mit wenig und gut gepresstem Schnee versehen.
 
Nach ziemlich genau 3 Stunden waren wir schon oben, was für ein Tag. Heute Morgen noch um 04.00 Uhr aufgestanden und nun bei perfektem Wetter, angenehmen Temperaturen und perfekter Sicht, sowie Aussicht auf eine Abfahrt mit unverspurten Pulverhängen - was will man mehr? Wir genossen den Gipfel, nachdem die ca. 6 Elsässischen Skitourenfahrer von Dannen zogen für uns und schauten uns die Touren der kommenden Tagen an. Im Südwesten sahen wir einen grossen Teil des Aufstiegs, wie auch die Abfahrt uns Carnusatal vom Bruschghorn und im Nordosten den fast gesamten Zustieg zum wunderbaren Piz Beverin!
 
Die Abfahrt nach dem langen und genüsslichen Gipfelaufenthalt war dann wie wir uns das vorgestellt hatten - ein Traum!


Bruschghorn 3056m

von Wergenstein / ZS-; Route: Aufstieg über gleiche Route wie auf Piz Tarantschun, allerdings „nur“ bis rund Punkt 2404 oder noch etwas weiter und westlich des Piz Tarantschun, danach Richtung Piz Tuf, nicht zu stark auf den Südostrücken eben diesen aufstiegen. Aufstieg auf Pass zwischen Piz Tuf und Bruschghorn (anhaltend um die 30 Grad). Traverse nördlich des Bruschghorns in abwärtsgerichtetem Hang und  relativ steil auf den Gipfel.  Abfahrt via Carnusatal (ZS) bis Pkt 2407, Aufstieg auf den Carnusapass (2605m), Traverse in steilem Hang gegen Osten wie Wanderweg im Sommer (kann heikel sein), Abfahrt von Carnusapass 2605m nach Wergenstein (WS).
 
Angaben zur Tour:9.1Km, 4.15h, 1798m Aufstieg (inkl. Aufstieg zum Carnusapass (200Hm).
 
[26.02.107] Heute war das Wetter schlechter als die Prognose. Dennoch mussten und wollten wir nicht kuschen. Den Sonntag hatten wir nicht für den Piz Beverin reserviert, denn am Sonntag wollten sicher mancherlei auf den Modeberg der Region. Wir verköstigten uns in der Pension Muntanella wie Könige und Königinnen und liefen dadurch erst etwas nach 09.00 Uhr ab. Der Weg aufs Bruschghorn ist eine lange Tour, doch wir hatten Zeit und konnten uns am Tag zuvor bereits gute Voraussetzungen schaffen, indem wir spritzig und relativ rasch vorwärtskamen und vor allem all die Routen bereits rekognoszieren konnten.
 
Bis fast unter den Piz Tarantschun bedienten wir uns der selben Route wie tags zuvor. Etwas vor dem Piz Tarantschun machten wir die erste Pause. Heute war der Boden etwa gleichfarben wie der Himmel. Das Wetter blieb allerdings durch harmlose Hochwolken geprägt, die aber Persistenz zeigte und dadurch anhaltend in ihre Erscheinung traten. Zeitenweise war es dann ziemlich "blind" beim Aufstieg, was die Routenfindung nicht vereinfachte. Wir avisierten nach der Pause mal den sichtbaren Piz Tuf an, der einen gut sichtbaren Rücken mit Felsbänder Richtung Südosten entsendet. Weit vor uns war eine SAC-Truppe unterwegs und ein Solotourer zog seine eigene Linie etwas weiter südlich unter dem Piz Tuf durch. Der Solotourer sollte danach Recht behalten, denn wir waren zu hoch gegen den Piz Tuf aufgestiegen. Dies manifestierte sich aber erst, als wir auf dem Südostrücken standen und in die Tiefe schauten. Letztere war abfahrtsmässig nicht unüberwindbar und die SAC Truppe zog ihre Linie hochbleibend entlang des steilen Ausläufers des Piz Tufs entgegen des Passes zwischen Piz Tuf und Bruschghorn.
 
Etwas besorgt, wegen der steilen Traverse, worin sich doch auch ziemlich Schnee angesammelt hatte, entschieden wir uns halt zur Abfahrt, wo der Solotourer gerade seinen Tee auspackte und Pause machte. Unten angekommen, meinten wir zu ihm, dass wir im hätten folgen sollen. Es stellte sich heraus, dass er aus der Region war. Wenn wir das gewusst hätten! ;-)
 
Nun konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Wir gelangten in den steilen Hang zum Pass und machten deren etwa 6  Spitzkehren, die über weitlaufende Strecken führten, ehe wir oben auf dem Pass standen und die SAC Truppe danach in der Traverse entgegen des Gipfels überholten. Nach knapp 4.5 Stunden standen wir auf dem Bruschghorn und freuten uns jetzt schon auf die Abfahrt, die viele unbefahrene Hänge darbieten würde. Vom Bruschghorn sieht man wunderbar ins dahinter liegende Safiental, sicherlich auch mal eine paar Skitourentage wert.


Piz Beverin 2998m

von Wergenstein / ZS-; Route: Aufstieg zu den Alpen Damagns, danach derselben Route zum Piz Tarantschun oder Bruschghorn bis rund Höhe 2000m folgen. Richtung Norden abbiegen, den Bach überqueren und zur Alp Nursin aufstiegen. Über den steiler werdenden Rücken, oben in Spitzkehren bis zum Beverin Pintg (dt. kleiner Beverin) auf 2591m. Oft müssen Skier auf dem letzten Stück getragen werden. Dem Rücken folgen bis zur Leiter, dieser entlang rund 8m absteigen. Danach eine weitere halbe Stunde bis zum Gipfel (Gipfelhang nochmals kurz über 30 Grad bis er gegen oben hin wieder abflacht).  Abfahrt: Gipfelhang bis zur Leiter, danach Abfahrt (35-40 Grad erste 200Hm, danach flacher (30 Grad auf 400m)) Richtung Alp Digl Oberst. Nördlich von Berverin Pintg gegen Süden drehen, um den Beverin Pintg, bei Höhe 2240 wieder anfellen und bis Punkt 2442 hochsteigen. Danach Richtung Punkt 2114 runterfahren (2x Bachbett!) und auf Aufstiegsroute wieder nach Wergenstein (Schwierigkeit gem. SAC Führer, Skitouren Graubünden Nord: S). Unsere Schwierigkeit: ZS.
 
Angaben zur Tour:6.47Km, 4.15h Wergenstein – Piz Beverin. 1735m (inkl. Aufstieg unterhalb Beverin Pintg auf der Abfahrt) bis Piz Beverin (von Wergenstein 1535m bis Gipfel).
 
[27.02.2017] Nun war Montag und das Wetter wieder wunderbar. Der Schnee schmolz immer noch vor sich dahin, denn auch heute war es im unteren Teil wieder ähnlich warm wie anderntags. Doch das sollte sich bald ändern, denn für die kommenden Tage war der Wintereinbruch angesagt. Dies manifestierte sich nun bereits heute, weil der kalte Wind uns nach der Überschreitung des Baches der das Val da Lyrisch bildet nun zügig um die Ohren blies! Wir zogen gemütlich hoch gegen die Alp Nursin wo wir in Spitzkehren den Punkt 2442 erreichten. Da hat es eine kleine Hütte, die wir links passierten um in den Steilhang zum Beverin Pintg hochzusteigen. Unten wurde die Spur gegen oben hin dann immer eisiger und wir montierten dadurch die Harscheisen bis wir ca. 100m unter dem Beverin Pintg die Skier an den Rucksack banden. Denn dort war kein durchgehender Schnee mehr vorhanden. Oben durchstiegen wir ein kleines Felsband und gelangten auf den Beverin Pintg (dem kleinen Beverin). 
 
Der Beverin Pingt ist gegen den grossen Beverin zu eine Art Felsgrat der aber genügend breit ist, dass man mit den Skiern ohne sie zu tragen hochtouren kann. Am oberen Ende dieses Felsgrats senkt dieser sich drastisch um 8-10m senkrecht, weswegen da eine Metallleiter montiert ist. Diese verwendeten wir danach um auf den Zwischenboden zu gelangen. Von da steigt es nochmals an und in einigen Spitzkehren erreichten wir bei wunderbarer Aussicht den wieder abflachenden Rücken zum Gipfel. Welch Freude übermannte uns, drei Tage drei wunderbare Touren! Der Beverin hat einen grossen Gipfelsteinmann mit ausziehbarer Schublade, die das Gipfelbuch beherbergt, auch mal etwas Besonderes!
 
Wir blieben etwa eine halbe Stunde oben und bestaunten die wunderbare Berglandschaft, auch wenn es durch den Wind bitter kalt war! Den Beverin  hatten wir für uns und das ist doch auch was!
 
Bei der Abfahrt entschieden wir uns für den schönen aber doch steilen Osthang, das war auch die Option für nochmals eine wunderschöne Abfahrt in mehrheitlich (ausser dem oberen Bereich) unverspurte Abfahrt zu haben. Dieser Hang ist bei gegebener Lawinengefahr sicher mit Vorsicht zu geniessen.
 
Unterhalb des in südöstlicher Richtung ausgerichteten Felsbands des Beverin Pintg, fellten wir nochmals an um gegen Pkt 2442 hoch zu gelangen. Die Abfahrt von da in bestem Sulz war ein grosses Vergnügen. Gegen Mitte Nachmittag erreichten wir sehr zufrieden wieder Wergenstein wo wir gar die Sonne noch etwas geniessen konnten. Was für drei Tourentage, die wir am daraufkommenden Tag bei Schneeregen im Mineralbad Andeer vor unserer Rückreise noch abschlossen! Val Schons, wir kommen wieder!
 
Ps. sehr zu empfehlen ist die Pensiun Muntanella www.pension-muntanella.ch/!
 

Tourengänger: amphibol, berggiis


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Geodaten
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 34266.gpx Piz Beverin
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