Muntanitz 3232 m


Publiziert von Cubemaster , 20. Februar 2017 um 18:26.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Granatspitzgruppe
Tour Datum:25 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m

Schon lange hatte ich eine Tour auf den Muntanitz geplant, aber entweder gab ich anderen Touren den Vorzug, oder es lag zuviel Schnee, oder es war Gewitter angesagt, was mir bei der Länge der Tour und der recht exponierten Stelle mit dem Stahlseil eher ungünstig erschien... Kurz gesagt: Es wollte nicht recht passen mit dem Berg.

Im Urlaub in Terenten in Südtirol erinnerte ich mich an das Projekt und als ich auf der Karte sah, dass es von dort aus (zumindest theoretisch) als Tagestour drin wäre, entschloss ich mich, es jetzt "durchzuziehen". Das Wetter war eigentlich ziemlich schlecht angesagt, aber zumindest sollte es weder schneien noch gewittern, und außerdem wollte ich dem Wetterbericht eh nicht so richtig glauben.

Also ging es entsprechend früh morgens gegen halb 6 los. Erfreulicherweise erwischte ich (obwohl ich mir vorher darüber gar keine Gedanken gemacht hatte) perfekt die Ampel an der Straße zum Staller-Sattel: Sie sprang wirklich genau dann auf grün, als ich gerade angefahren kam. Auf der Osttiroler Seite hielt ich um 1 Minute vor 7 an einem Supermarkt und siehe da: Er machte um 7 Uhr auf. So konnte ich mich noch mit Lebensmitteln versorgen. Der Tag begann gut!

Ich startete um kurz vor 8 am Parkplatz oberhalb von Glanz und folgte (im noch dichten Nebel) dem Wanderweg Richtung Äußere Steiner Alm. Nach etwa 400 Höhenmetern folgt eine lange Querung über die sogenannten Edelweißwiesen oder "Begunitzen". Dort rissen dann auch die Wolken auf und ich konnte eine tolle Aussicht auf Matrei und Umgebung genießen. (Dieses Stück der Tour hat mir außergewöhnlich gut gefallen: ein echter Geheimtipp auch für Wanderer ohne Gipfelambitionen.)

Nach einer kurzen Pause auf der Alm folgte ich dem Weg Richtung Sudetendeutsche Hütte. Hier geht es lange über Grashänge hinauf, die von Bächen durchzogen sind. Das war auch anfangs sehr schön, zog sich aber mit 700 Höhenmetern doch etwas in die Länge. Hinter der Hütte geht es Richtung Norden weiter, zuerst noch über die letzten steinigen Wiesen, dann über einen unfassbar sandigen Untergrund an den Ausläufern der Wellachköpfe, der jedem Strand ernsthafte Konkurrenz gemacht hätte, und schließlich über ein paar sehr matschige und schlammige Altschneefelder.

Jetzt zog es wieder zu, so dass ich den Grat im dichten Nebel erreichte. Und die Tour ist noch lange nicht zu Ende: Man folgt jetzt geradezu endlos dem mal mehr mal weniger breiten Grat immer Richtung Norden. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte vor mir ein Abbruch aus dem Nebel auf: Der kleine Muntanitz war erreicht. Ein Stahlseil leitet nach unten durch die Schwachstelle der Wand: Ein steiler, etwa 6 bis 8 Meter hoher Kamin mit einigermaßen guten Griffen und Tritten, welche aber mit viel Sand bedeckt sind.

Da es trocken war, kletterte ich vorsichtig ohne Hilfe des Stahlseils hinunter. (Vielleicht etwa im Bereich II+ bis III-, also durchaus anspruchsvoll! Auch wenn man sich am Seil festhält, ist wegen der Sandauflage erhöhte Vorsicht geboten! Als Klettersteig bewertet wäre die Stelle etwa C. Ungesichert ist hier Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und eine ausreichende Armkraft zwingende Voraussetzung, für Schwächere wäre ein Klettersteigset sinnvoll.) Nach unten hin wird es immer einfacher (ist aber auch noch mit Stahlseil gesichert) und man erreicht die Scharte zwischen dem kleinen und großen Muntanitz, das sogenannte Kampl.

Ich hatte jetzt freien Blick auf den Gipfel, die Wolken zogen wieder auf, perfektes Timing! Hier muss man jetzt aber nochmal etwas aufpassen: Die Steigspur läuft an der rechten, höheren Seite des breiten Grates entlang. Ich entdeckte aber einige verdächtige, große Risse im Boden in der Nähe der rechten Abbruchkante, teilweise gingen diese durch die Spur. Der sehr weiche und erdige Boden scheint dort extrem instabil zu sein, vermutlich als Folge des Gletscherrückgangs am Gradötzkees. Etwa am tiefsten Punkt steht auch ein Schild mit der Aufschrift "Kein Abstieg möglich", was meine Theorie untermauerte.

Mit genügend Sicherheitsabstand ging ich etwas links unterhalb der Spur durchs Gelände, es ist massig Platz da. Mit letzter Kraft schleppte ich mich die breite Gipfelflanke hinauf und erreichte bei recht guten Sichtbedingungen den Gipfel. Da auch angenehme Temperaturen herrschten blieb ich ca. 45 Minuten oben, wäre ich doch bloß 5 Minuten früher wieder aufgebrochen... Auf dem Rückweg verschlechterte sich das Wetter nämlich ziemlich schnell und als ich gerade den Beginn des Stahlseils erreichte, fing es an zu Schütten wie aus Kübeln.

Ich kraxelte zum Kamin hinauf, durch den das Wasser sturzbachartig hinunterfloß. So schnell, wie es die Vorsicht zuließ, kletterte ich hinauf, doch ich konnte nicht verhindern, komplett bis auf die Haut durchnässt zu werden. (So eine Sch...) Der Rückweg zur Hütte war also ziemlich ätzend. Trotzdem traf ich noch auf halbem Weg einen einzelnen Wanderer, der mir im strömenden Regen entgegenkam und noch auf den Gipfel wollte. Eine ganz harte Sau...

Glücklicherweise konnte ich mich in der Hütte aufwärmen und etwas trocknen, so war der restliche Weg nach unten einigermaßen in Ordnung. Auf der Rückfahrt hatte ich nicht soviel Glück mit dem Staller-Sattel, so erreichte ich Terenten erst um 11 Uhr abends. Ein langer, aber großteils sehr schöner Tag in Osttirol.

Bemerkungen: Die Tour auf den großen Muntanitz ist eine sehr abwechslungsreiche, aber lange Bergtour (die natürlich mit einer Hüttenübernachtung auch gut auf zwei Tage aufgeteilt werden könnte, mein kurzer Eindruck von der Sudetendeutschen Hütte war sehr positiv). Die Schlüsselstelle ist natürlich der Abstieg vom kleinen Muntanitz. Das Stahlseil entschärft die Stelle aber deutlich, so dass geübte Bergwanderer auch ohne Sicherung auskommen werden.

Tourengänger: Cubemaster


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