Tschima da Flix 3301 m - Eine Skitour mit Ecken und Kanten


Publiziert von Ivo66 Pro , 19. Februar 2017 um 16:27.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:19 Februar 2017
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 1320 m
Abstieg: 1320 m
Strecke:Julierpassstrasse - Val d'Agnel - Fuorcla d'Agnel - Fuorcla da Flix - Tschima da Flix P. 3301 m
Kartennummer:S 1:50'000 Julierpass

Die Tschima da Flix ist ein Doppelgipfel auf der Gratschneide, die das Oberhalbstein vom Engadin trennt. Sie bietet eine tolle Aussicht bis zu den Walliser Alpen, welche aus der Gipfelperspektive den Piz Platta flankieren.

Sowohl im Sommer als auch im Winter ist der Westgipfel ohne jegliche technischen Schwierigkeiten erreichbar, wobei der Zustieg im Winter in der Regel etwas weitläufiger ist als die direkteste Sommerroute von der Alp Flix aus. Der einfachste Winterzustieg führt nämlich in einem weiten Bogen von der Julierpassstrasse über die Fuorcla d'Agnel, wo nach einer kurzen Gegenabfahrt mit Fellen die Fuorcla da Flix von Osten erreicht wird. Der anschliessende Gipfelaufstieg über den meistens vom Wind zerzausten Geröllrücken ist vor allem für die anschliessende Abfahrt selten ein Genuss. 

Der Winter 2016/17 wird wohl nicht mehr als Skitourentraum in die Geschichtsbücher eingehen. Im Oberhalbstein liegt vielleicht ein Drittel der durchschnittlich zu erwartenden Schneemenge. Immerhin ist die Lawinengefahrenstufe endlich von 3 auf 2 gesunken, so dass auch ich mich wieder mal abseits der Skipisten herumzutreiben traute. Wer allerdings zur Zeit Abfahrtsspass sucht, der ist immer noch gut beraten, sich an die Skigebiete mit den gewalzten Autobahnen zu halten.

Aber zu einer Skitour gehört bekanntlich auch das Besteigen eines Bergs, weshalb man durchaus auch mal etwas mässige Abfahrtsverhältnisse in Kauf nehmen darf. Nicht so richtig anfreunden vermochte ich mich heute mit den eiskalten Temperaturen, verbunden mit einem fast ständig wehenden giftigen Wind. Ich brauchte etwas Zeit, bis ich das warme Auto an der Julierpassstrasse verliess und mich noch im Dunkeln mit Stirnlampe einsam aufmachte, das eisschrankähnliche Val d'Agnel aufzusteigen.

Allmählich leuchteten die ersten Gipfel im morgendlichen Sonnenlicht, bis ich aber erstmals richtig an der Sonne stand, brauchte es heute doch einiges an Aufstieg; durch den frühen Aufbruch wollte ich einfach den Berg für mich ganz alleine haben, was dann auch gelang.

Lockte immerhin etwas Pulverschnee auf dem Vadret d'Agnel unterhalb der Fuorcla da Flix zum Geniessen, präsentierte sich der windgepresste Südrücken der Tschima da Flix erwartungsgemäss völlig ausladend: Zwischenzeitlich überwogen hier die aperen Geröllbereiche. Im mittleren Bereich musste ich die ohnehin sehr ruppige Abfahrt dort kurzzeitig unterbrechen und die Skier auf den Rucksack schnallen. Der oberste Teil schien einigermassen passabel zu fahren, doch versteckten sich unter der dünnen Schneeschicht immer wieder tückische Steine. 

Der Gipfelaufenthalt fiel kurz aus - schade, denn das Panorama war wieder einmal überwältigend, doch der unangenehme Wind machte schon das Abziehen der Felle bereits zum Abgewöhnen. Die Szenerie konnte ich dann aber auf der Fuorcla da Flix richtig geniessen, zumal der schlimmste Teil der Abfahrt dort bereits hinter mir lag.

Einige Pulverschneeschwünge gab es dann auf dem allerdings kurzen Bereich auf dem Vadret d'Agnel. Die Abfahrt von der Fuorcla d'Agnel - mit vielen Flachstücken - wartete dann mit ständigen Wechseln der Verhältnisse auf; der Bruchharsch verbarg sich dort immer wieder unter einer feinen Neuschneeschicht und war schwer zu erkennen.

Der Winter scheint dieses Jahr nicht so richtig in die Gänge zu kommen. Nun muss auch gar kein Schnee mehr fallen - von mir aus kann der Frühling kommen.   

Routenbeschreibung:

Parkplatz Julierpassstrasse 2200 m - Fuorcla d'Agnel (2983 m)

In der Regel ist diese Route gut gespurt, handelt es sich doch um den viel begangenen Hüttenzustieg zur Chamanna Jenatsch. Es ist zu beachten, dass an den sehr steilen Osthängen unter dem Piz Bardella bei Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf mit Nassschneelawinen zu rechnen ist. Nach der Hochebene bei P. 2530 m führte heute die Spur zunächst etwas linksausholend den Hang hinauf, was prompt einen kurzen Gegenabstieg mit sich brachte.

Fuorcla d'Agnel - Fuorcla da Flix (3065 m)

Ich fuhr knapp 100 Höhenmeter (mit Fellen) den recht steilen, Nordhang ab, wobei ich automatisch (ich hielt mich links) eine gute Spur erreichte, welche die Höhe von 2900 m. ü. M. nie unterschritt, und unter den Trabanten des Piz d'Agnel und diesem selbst durchquerte. Der Schlussaufstieg zur Fuorcla da Flix verläuft in sehr angenehm zu begehenden, wenig steilen Gelände.

Fuorcla da Flix - Tschima da Flix P. 3301 m

Das Gelände ist hier vom stark vom Wind geprägt. Die Routenführung ist logisch und folgt zu Beginn einem Grat (zwei etwas felsige Absätze, können zur Zeit gerade noch mit Skiern im Aufstieg bewältigt werden. Die Abfahrt musste ich einmal unterbrechen und wo es gar nicht mehr anders ging, die Skier auf den Rucksach schnallen.

Abfahrt:
Auf gleicher Route, wobei im Gegenaufstieg zur Fuorcla d'Agnel nochmals angefellt werden muss. Ich fuhr etwas weiter ab, als zuvor auf dem Hinweg.

Tourengänger: Ivo66


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