Schrattenfluh: Hängst - Schibegütsch -- Kemmeriboden


Publiziert von amphibol Pro , 16. Februar 2017 um 22:17.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Emmental
Tour Datum:16 Februar 2017
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Schrattenflue-Gruppe   CH-LU   CH-BE 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1540 m
Abstieg: 1616 m
Strecke:16.8Km: Hirsegg (Flüehli, LU) - Stächelegg - Alp Schlund - Schratteflue - Heideloch - Hängst - Mattestall - Schibegütsch - Chlus - Oberimbergli - Unterimbergli - Schneebergli - Unterhirsch Wangiberg - Kemmeriboden
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Sörenberg, Hirsegg
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Kemmeriboden
Unterkunftmöglichkeiten:Kemmeribodenbad, einige in Sörenberg
Kartennummer:245 S Stans (1:50'000)

Der Schratte Aufstieg ist nicht im "Schatte"


Der Aufstieg auf die Schrattenflue ist landschaftlich sehr reizvoll und vielfältig. Durch die Ostausrichtung ist der ganztäglichen Sonneneinstrahlung hinsichtlich Kleidung und Schutz vor Sonne Rechnung zu tragen. Ich habe selten so geschwitzt auf einer Voralpenskitour, wie gestern auf der Schrattenfluh! Schön war's trotzdem, und wie! Schon nur der Aussicht wegen, lohnt sich ein Abstecher auf die "Schratte", sei's bei Sonne oder Schatte. 

Die Schrattenfluh - im Winter ist die Möglichkeit zur Betrachtung der "Schratten" natürlich eingeschränkt, andere Quellen dieser natürlichen Inspiration gibt es wohlwissend selbstverständlich auch. Beispielsweise sei hier die Silbere am hinersten Winkel des Muotitals oberhalb des Pragelpasses erwähnt oder auch die schönen Schratten unterhalb des Sigriswiler Rothorns aber auch im Diemtigtal eher im Bereich Niederhorn beim Seebergsee, daneben treten die "Schratten" auch am Stockhorn, im Diablerets-Gebiet und im Alpstein im Appenzeller Land auf.. Aber wie es der Name schon sagt, muss die Schrattenfluh ein eben ganz spezifischer und bedeutsamer Bergzug sein, denn sie gibt der Formation den Namen "Schrattenkalk". 

Nicht unbedingt des Kalkes und ihrer lustig mit der Gravitation arbeitenden, scharfen und ästhetischen  Konturen wegen, sondern vielmehr weil heute wieder einmal Mittwoch war und Mittwoch stets Freitag ist und v.a. weil berggiis seit nun bald Jahren von der mystischen Schrattenfluh spricht, haben wir uns kurzerhand gegen einen anderen schönen Bergzug in der Region, dafür für die "Schratte" entschieden... Weil die Schratte aber gar nicht "im Schatte" sonder vor allem in der Sonne bestiegen wird, haben wir uns eher für wenig Kleider, dafür mehr Proviant entschieden. :-)

Frühmorgens, nach verhältnismässig langem ÖV-Getuckere durchs fast ganze Emmental erreichten wir doch noch die Hirsegg, gefühltermassen die hundertste Haltestelle in der Gemeinde Flühli (LU). Ich wusste bis gestern nicht, dass eine Gemeinde so viele Postautohaltestellen haben kann..

Von dort stiegen wir ganz alleine und vollkommen ungestört auf Richtung Alp Schlund, dort dreht die Route in eine Waldschneise, das Gelände wird wilder mit vielen kurzen auf und ab in schönem leichten Wald. Bald erreichten wir auf Grund der ändernden geologischen Grundlage offene Gefilde und in leicht steilerem aber angenehmen Gelände den Gipfel des Hängsts! Die Aussicht ist wunderbar! 

berggiis zauberte aus dem Rucksack als Überraschung den neuen Gipfelkaifikocher hervor, ein echter Bialetti geschmiedet durch den Tüftler Alfonso Bialetti. Herrlich, Kaffee, Sonnenschein, Gipfelglück und Aussicht bis zum Alpstein einerseits, und weit westlich bis zum östlichen Jurazug, sowie in die Berner Hochalpen! 

Weil es so schön war, blieben wir mehr als eine Stunde oben und warteten bis vereinzelte Schitüreler nachkamen. Danach machten wir uns auf den Weg zum Schibegütsch. Das Gelände ist wild, auf und abwärtsgerichtet, doch wir erreichten in der Abfahrt rund Pkt 1925 nordöstlich des Türstehhäuptlis. Dort fellten wir einmal an und zogen hoch Richtung Anhöhe und wieder etwas runter bis Pkt 1926 wo wir dann wieder abfuhren bis quer in den unteren steileren Hang des Schibegütsch bei Höhenlinie 1840. Von dort der Skitourenroute in rund 20-30 Minuten folgend hatten wir den zweiten Gipfel des Tages erreicht und konnten ihn wiederum alleine geniessen! Herrlich! Nach ein paar Yoga-Übungen waren wir dann bereit für die Abfahrt..

Der Aufstieg zum Schibegütsch muss unter gegebenen Umständen hinsichtlich Lawinensituation kritisch beurteilt werden (kurz rund 35 Grad). 

Die Abfahrt nach Kemmeriboden war im oberen Bereich zwar, was die Schneequalität anbelangt, etwas mangelhaft, trotzdem fanden wir ein paar ansprechende Hänge mit aufgesulztem Schnee, die richtig Spass machten, bei Pulver ist die Abfahrt ein Traum! Unterhalb des Unterimbärgli mussten wir ein paar Meter zu Fuss gehen, danach auf dem Wanderweg ab Unterhirschwängiberg* (Südseite des Schibegütsch) kann mehrheitlich bis Kemmeriboden abgefahren werden, allem voran mit der Aussicht auf eine Kemmeribodenmerängge, "ke Seich" wie wir zu sagen pflegen! :-)

Wie habe wir's genossen auf der Schratte, gerne kommen wir wieder! Auf Wiedersehen.. 

Wegzeiten und Distanzen/Auf-Aufbstieg
Schrattenfluh - Hengst (von der Haltestelle Hirsegg): 1220m / 6.7Km (2.35h), Gipfelhalt: 1.25h
Schrattenfluh - Schibegütsch (von Hengst): 416 runter, 320 hoch, 3.7Km (1.30h), Gipfelhalt: 1h 

Abfahrt nach Kemmeriboden: Abfahrt 1200m / 6.4Km (Achtung: Kaum mehr Schnee unterhalb Unterimbärgli)


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* solche Namen können nur im Emmentaler entstehen..... ;-)

Literatur: Emmental & Entlebuch; Im Reich der Hubel und Chnubel; 52 Skitouren zwischen Bern und Luzern, topo.verlag, 1. Auflage; Dez. 2015

Tourengänger: amphibol, berggiis

Galerie


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