Laguna Humantay 4150m in der Regenzeit


Publiziert von alpensucht , 2. Januar 2017 um 00:07. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Peru
Tour Datum:25 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 400 m
Strecke:Pampa Soray - Laguna Humantay - retour ca. 6km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auf der Panamericana Abzweig n. Norden Richtung Mollepata, danach über schlechte Straße mit geländetauglichen Fahrzeug bis zur Lodge.
Unterkunftmöglichkeiten:in Mollepata, Salkantay Lodge
Kartennummer:O.E. Busch: Peru, S.179 (Rother-Verlag)

Langsam haben wir uns an die permanente Höhenlage über 2500m gewöhnt, können besser schlafen und haben bei normalen Aktivitäten entsprechend normalen Puls. So trifft es sich gut an diesem Weihnachtsfeiersonntag einen Ausflug in größere Höhen zu unternehmen. Durch einen Freund unserer Familie können wir ein sehr altes und robustes Auto ausleihen und damit von Curahuasi über Mollepata bis zur Salcantay-Lodge auf 3850m herauf fahren (Lüftung, Fensterheber, Tacho uvm. funktionieren nicht, aber es fährt!). Wir wollen primär den Gletschersee am Humantay sehen und danach eventuell noch über den Salcantay-Pass zum Incachiriasca (Pass) auf über 5000m aufsteigen.


Ein kurzer Tag in luftigen Höhen   T3, 5h
Schon die Anfahrt wird ab Mollepata sehr abenteuerlich. Die unbefestigte Fahrstraße besteht erst seit wenigen Jahren und wird regelmäßig durch Geröll und Regenwasser unpassierbar. Nach ca. 3h Fahrt und einigen Motorausfällen und Fotopausen erreichen wir die für den Salcantay-Trek so wichtige Basis der Salcantay Lodge in der Soray Pampa (Pampa=Grassteppe) gegen 10 Uhr. Nach einigem Durchatmen essen wir noch ein kleines Frühstück und gehen langsam mit Badekleidung im Tagesgepäck hinauf zur Lodge.

An dieser vorbei halten wir uns links (nordwestl.) einer geführten Gruppe folgend auf die gut sichtbare Moräne zu. Einige aus unserer Gruppe waren bereits hier und kennen sich daher etwas aus. A_Thorne erreicht in Kürze das erste Mal in seinem Leben eine Höhe von über 4000m, was ihn nicht sonderlich beeindruckt. By fair means, oder nicht, interessiert ihn ebensowenig. Die landschaftliche Schönheit dieses Ortes ist ohnehin viel wichtiger. Wir kommen der anderen Gruppe näher und überholen sie, als sie eine Pause einlegt. Nach kaum 2h erreichen wir den Moränensee, hinter dem sich die gewaltige Südwand des Humantay in den Himmel türmt.

Guter Dinge suchen wir uns einen Uferstreifen weiter hinten und legen unsere Badekleidung an. Als ich nach zwei kurzen Eisbadeeinheiten schon wieder bestens gelaunt meine trockenen Sachen anziehe, erwischt es die anderen genau im Hagelschauer. A_Thorne wartet am längsten von uns - ihm sei etwas kalt. Nachdem auch er seine "Beweisfotos" des Eisbads bekommt, erkunde ich das Moränengelände oberhalb. Es existiert ein wenig begangener Pfad vom See aus mit kaum Höhenverlust direkt zum Salkantaypass.

Doch da es einer Freundin mit der Zeit schlechter geht, teilen wir nach zwei Stunden Aufenthalt die Gruppe. Wir drei Männer versuchen uns an dem wenig schwierig erscheinenden direkten Zugang zum Pass. Kaum sind wir 500m vorangekommen, zieht es vor uns zu und donnert. Ich weise die anderen von weiter vorn an, die Route abzubrechen und auf den einfachen Moränenweg zu den anderen zurück zu kehren.

Ich bewege mich auch abwärts, doch habe ich noch Hoffnung, besser ausgerüstet, allein den Weiterweg erkunden zu können und biege bei jedem Trampelpfad wieder in die Südostflanke vor mir ab. Dabei entferne ich mich von den anderen. Mehrmals, als es wieder einmal donnert, gehe ich weglos weiter hinab zur nächsten "Rindertrasse". Wie durch direkte übernatürliche Weisung "von oben" donnert es, wenn ich auf einer Höhe einem Grasband länger um den Rücken links herum folge!

Als das Gewitter schließlich sehr nahe kommt und es zu regnen beginnt, falle ich in Laufschritt und steige direkt steil das Gelände zur Lodge ab.
Dem Gewitter ist schließlich schnuppe, ob ich mit steigeisenfähigen Alpinstiefeln, Eispickel und Hardshelljacke oder Barfuß und nackt unterwegs bin!
Knapp oberhalb davon erreiche ich den Talboden. Die anderen sind auch erst an der Lodge. Gemeinsam gehen wir durch ströhmenden Regen zu unserem treuen, alten und klapprigen Leihwagen und sind froh, uns richtig entschieden zu haben.

Als touristischen Zusatz schauen wir uns noch die Heißen Quellen im Apurimactal an. Wer dazu nähere Infos möchte, schreibe mich per PN an. Dann kann ich das in Absprache mit Bekannten vor Ort genauer beschreiben.

Der Blick zum Hauptgipfel der Cord. Vilcabamba blieb uns verwehrt. Dennoch haben wir einen großartigen Ort im heuer viel seltener besuchten Teil der Gebirgsgruppe kennen lernen dürfen. Die vergletscherten Südabstürze des Humantay bleiben für mich die stärksten Eindrücke an diesem Tag.

Um einen höheren Gipfel besteigen zu können werde ich nun wohl zu etwas abenteurlichen Methoden greifen müssen. So plane ich für die nächsten beiden Tage eine Solotour auf einen 4000er mit wilder Zeltübernachtung und zu einem See südlich von Curahuasi. Bericht folgt.


Tourengänger: alpensucht, A_Thorne

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