Aiguilles du Tre-la-Tete, Cime Nord (3896 m) über die NW-Flanke


Publiziert von Sarmiento , 25. Dezember 2016 um 20:00.

Region: Welt » Frankreich » Massif du Mont Blanc
Tour Datum:30 Juli 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: F   I 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Unterkunftmöglichkeiten:Refuge Conscrits Bivaco Hess

Als Flachländer braucht es bekanntnlich ein bisschen Akklimatisation, wenn man auf den Mont Blanc will.
Mein Partner und ich wählten die ruhige Südseite des Mont-Blanc-Massiv - zum zweiten Mal bereits. Hier ist vergleichweise wenig los, vermutlich weil kein Gipfel die 4000-er Marke knackt. Zumindest einer kommt aber schon nah dran - die viergipflige Aiguilles du Tre-la-Tete.


Ausgangspunkt

Unsere Tour beginnt an der Hütte Refuge Conscrits auf 2602 m, aussichtsreich auf einem kleinen Plateau gelegen, das große Teile des Glaciers du Tre-la-Tete überblickt. In alten Karten findet sich übrigens noch die Höhenangabe 2730 m, das bezieht sich allerdings auf den alten Hüttenstandort. Die "neue" Hütte ist halbwegs modern, gemütlich, mit angenehm freundlichem Personal und extrem gutem, französischen Hüttenessen. Wir wussten das bereits vom letzten Besuch und haben uns hier daher gleich 3 Nächte eingemietet um einige umliegende Berge zu besteigen.

Aufstieg

Hier gibt's um 3:30 Uhr Frühstück. Wir starten gegen 4:30 Uhr mit etlichen anderen Gruppen, von denen allerdings ausnahmslos alle den Domes de Miage ansteuern. Direkt hinter der Hütte geht es erst ca. 50 HM genau in der Fallinie auf den Hausberg der Hütte, die Aiguilles du la Berangere, zu. Dann zweigt rechts - im Dunkeln kaum zu sehen - ein breites, plateauartiges Band Richtung NO ab, das nahezu waagrecht verläuft. Ober- und unterhalb davon sind die Felsen zwar auch noch machbar, aber man kommt deutlich langsamer vorwärts. Das Plateau verliert sich bald wieder, jedoch kommen jetzt von allen seiten Wegspuren dazu, sodass sich ein gut sichbtarer Weg vor einem abzeichnet, hin und wieder auch mit Steinmännchen. Bald kommen die ersten Schneefelder, spätestens hier sieht man die Spur, die sich von nun an in einem sehr langen Linksbogen um die SW-Flanke der Aiguilles du la Berangere herumszieht. Nach ca. 1 1/2 h hat man sich dann endlich dem Glacier du Tre-la-Tete angenähert. Auf den letzten "Felsinseln" im mitterweile komplett verschneiten Gelände ziehen wir Gurt, Steigeisen und Seil an, die Stirnlampe aus, und ein Blick auf den Höhenmesser sagt 2900 m - der bisherige Höhengewinn hält sich doch stark in Grenzen. Wir steigen von links auf den Gletscher ab und verlassen schnell die Spur, die sich eher linkshaltend aufs Col Infranchissable und später dann aufs Col du Domes hochzieht, nach rechts. Nach zwei Zwischenanstiegen und einer durchquerten Eissturz-Zone stehen wir endlich vorm Hauptanstieg des Tages. Wir wollen den steilen Gletscher auf der NW-Flanke der Aiguille du Tre-la-Tete hoch und sehen schnell, dass dafür nur dessen (von unten gesehen) linker Arm oder ein kompletter Durchstieg der Felsen daneben in Frage kommt. Da eine riesige Spalte die steilstufe des Gletschers durchzieht, bleibt uns genau eine begehbare Schneebrücke am linkesten Rand unter den Felsen als "Fenster". Oben merken wir schnell, dass die Felsen bereits jetzt etliches an Schutt und kleinen Steinen werfen, obgleich die Sonne noch gar nicht in der Flanke steht. Wir suchen unter 2 großen Felsen etwas Schutz, schnaufen kurz durch und "rennen" dann durch die 3 - 4 gut sichbaren Steinschlagrinnen, bis der Gletscher etwas abflacht und wir die Gefahrenzone hinter uns gelassen haben. Mittlerweile sagt der Höhenmesser 3500 m - immerhin. Vor uns tauchen wieder alte Spuren auf, die mir mindestens einige Tage alt erscheinen. Wir folgen ihnen, da sie schön gelegt sind und alle Spalten gut umgehen. Das Gipfeleisfeld entpuppt sich dabei mit jedem Schritt, dass wir darauf zukommen, als immer steiler - von weit unten sah es nur mäßig steil aus, direkt davor stehend ärgern wir uns etwas, die Eisgeräte in der Hütte gelassen zu haben. Es lässt sich auch nur bedingt gut klettern, immer wieder platzen große Stücke ab und rauschen die hier schon extrem steile NW-Flanke runter. Das bedeutet auch, dass an Sicherung über Eisschrauben hier nicht zu denken ist - da hilft nur höchste Konzentration. Für die letzten gut 150 HM benötigen wir so locker eine dreiviertel Stunde, da wir hier Vorsicht vor Geschwindigkeit walten lassen. Nur die letzten 50 Meter sind nochmals Gehgelände, eher man auf 3896 m ankommt. Das Gipfelpanorama oben entlohnt dann für beinahe alles - einen schöneren Blick in die S-Flanke des Mont Blanc bietet sicherlich kein anderer Berg, und auch in alle anderen Richtungen haben wir beste Fernsicht!

Abstieg

Nach langer Pause mit viel Gefuttere machen wir uns auf den Abstieg - wir wussten ja bereits vom Aufstieg was auf uns wartet. Das Gipfeleisfeld abzuklettern verlangte uns alles an Konzentration! Wir brauchten hier beinahe 1 1/2 h, für 150 HM! Bilder gibt's hier auch keine, dafür hatte ich in dieser angespannten Situation keinen Nerv - wir waren einfach nur froh, als wir wieder im Sattel zum Vorgipfel standen. Ich schätze die Steilheit dieser Stelle auf maximal 70 °, im Schnitt 60 ° - eigentlich perfektes Gefilde für Eisäxte und einen Helm, aber das lag bei uns im Doppelpack auf der Hütte. Also, kurz aufatmen, schütteln und weiter runter bis zum Steinschlagfeld. Hier nochmals kurz pausieren, wieder "durchjoggen" bis an die Felsen, schnell über die randkluftartige Spalte hüpfen und runter aus dem Steileis. Erst hier unten haben wir uns dann eine lange Pause mit Sonnenbad und Umarmung gegönnt - denn wir waren uns einig: So etwas wie da oben (Steinschlag und Steileis ohne Eisäxte) brauchen wir nie wieder - und wir waren erst jetzt so etwas wie zufrieden mit unsrem Gipfelerfolg. Der weitere Abstieg ist nun wieder unspektakulär und folgt der flachen Aufstiegsspur.
Unser Gesamtfazit ist entsprechend: Schöner Berg, die Flanke sei jedoch nur mit Steileisausrüstung empfohlen. Und auch nur im Aufstieg, als Abstieg empfiehlt sich viel eher die Traverse aller 4 Tre-la-Tete Gipfel hin zum Hess-Biwak auf der S-Seite der Aiguilles des Glaciers. Und den Helm nicht vergessen - kleinteiliger Steinschlag scheint hier normal zu sein.

Tourengänger: Sarmiento


Galerie


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Kommentare (4)


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Gelöschter Kommentar

Sarmiento hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Dezember 2016 um 13:59
Danke dir!
Zum Domes de Miage fällt mir noch ein: Bei meinem ersten Hüttenbesuch vor 6 Jahren sind alle (inkl. uns) über die "Vorderseite" via Aiguille du la Berangere hoch, dieses mal sind alle "hintenherum" über das Col du Domes gegangen. Einen wirklichen Grund dafür konnte mir keiner sagen. Ich würde euch empfehlen: Nehmt die "Vorderseite" - da kommen die schwierigen und steilen Stellen recht früh am Tag, außerdem im Aufstieg. Der Abstieg zieht sich dann zwar, aber benötigt nicht mehr so viel Kraft und Konzentration.

Gelöschter Kommentar

Sarmiento hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Dezember 2016 um 17:05
Euer Bergführer wird dann schon wissen, was er tut. :-) Wenn ihr es ruhiger angehen lassen wollte, empfehle ich euch definitv eine zweite Übernachtung auf der Conscrits - die abendliche Stimmung bzw. Aussicht dort oben und das Hüttenessen sind es m.M. nach wert! Im übrigen hat sich der Hüttenzustieg vor ein paar Jahren geändert - es geht nicht mehr über den Gletscher, sondern ausschließlich am Berg entlang, mit permanentem Auf und Ab und über eine eindrückliche Hängebrücke. Das war wohl eine Reaktion auf den Gletscherrückgang. Die neue Route braucht definitiv mehr Zeit als zuvor der Weg über den Gletscher!


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