Eine harte Sache - aus dem Kurzen Grund auf den Schafsiedel


Publiziert von maxl , 25. Dezember 2016 um 15:01. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Tour Datum:16 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:In die Kelchsau fahren; an der Mautstelle (Schranke, 4€) links in den Kurzen Grund abbiegen (Achtung, keine Streuung im Winter!)

Als vorbehaltlose Entspannungstour kann man diese Unternehmung wirklich nicht bezeichnen, obgleich der Schafsiedel an sich ein relativ braver Zeitgenosse unter seinen Mit-Bergen ist. Bei den derzeitigen Bedingungen freilich kann sich das ganz schnell ändern - in eine üble Wühlerei durch metertiefe Pulverschnee-Löcher nämlich, die die gesamte Gipfelflanke durchziehen und den Aufstieg zu einer schier endlosen Tortour werden lassen. Als Belohnung gibt's dafür aber ein zu dieser Zeit kaum bestiegenes Gipfelziel mit veritabler Aussicht. Aber ein bisschen masochistisch veranlagt sein, das muss man schon....!

Los geht's am schattigen Gasthof Wegscheid am Ende des Kurzen Grundes, und zwar zunächst ein gutes Stück dahin auf breitem Wanderweg, der heute natürlich sauber glatt und phasenweise tief vereist ist. Dieser Weg mündet schließlich in einen Fahrweg, den man über weite Strecken abkürzen kann - so richtig lohnt sich das aufgrund Wegsuche und Vereisung heute aber nicht. Auf dem Fahrweg gibt es Spuren eines Zeitgenossen, der sich offenbar von seinen Skiern trennen will, oder zumindest nicht so sehr an ihnen hängt.... Die Schneeauflage wird schließlich richtig mager, und wir gelangen auf langer recht flacher Strecke endlich zu einem kleinen Kessel, an dessen Rand die Neue Bamberger Hütte liegt. Sonnenanbeter waren's wohl nicht, die sie da hin gebaut haben. Anderthalb eisige Stunden bis hier.

Jetzt wird's interessant. Wir folgen dem Sommerweg richtung Schafsiedel - ob das die beste Entscheidung war, darf bezweifelt werden. Zunächst ist's noch genussvoll - auf dünner Schneeauflage schlendern wir in der Sonne einen Aufschwung hinauf zum Unteren Wildalmsee, der im Moment lediglich eine sehr glatte Schneefläche ist. Der nächste Aufschwung zum Mittleren Wildalmsee ist auch noch kein Ding, hier wird indes so langsam der Schnee mehr. Die folgende Steilstufe ist schon deutlich unangenehmer, da schattig. Nun wird's richtig mühsam, wir weichen phasenweise in steile, aber schneefreie Flanken aus, was auch ziemlich anstrengend ist. Einen kurzen knackigen Aufschwung zum sich langsam ausprägenden Ostgrat müssen wir uns durch min. hüfttiefen Pulver sackrisch steil hochwühlen - da kommt Freude auf! Danach geht's wieder angenehm auf dem Gratrücken zum Oberen Wildalmsee.

Ja, und hier, hier treffe ich die dümmste Entscheidung des Tages, die nämlich, dem Ostgrat weiter zu folgen. Er schnürt sich schnell ziemlich eng zusammen, mit den unzuverlässigen Schneebrücken zwischen ausgesetzten Felsen wird's richtig heiß. Andrea kehrt auch aus Erschöpfung vernünftigerweise schnell um und wartet am See - Maxl muss natürlich weiter, turnt eine Weile den Grat hoch, weicht schließlich in die gemein steile Südflanke aus und kämpft sich - heikle Querungen incl. - in flacheres Gelände voran. Dieses hat jedoch den Nachteil, dass es aus großen Blöcken besteht, zwischen denen zumeist ohne Unterlage tiefster Pulverschnee liegt. So ist der Weg zum Gipfel sauber anstrengend und lang, dreieinhalb Stunden ab Hütte hat's für mich zum Schafsiedel gebraucht. Und nicht mal mehr eine Gipfelrast ist mir vergönnt, denn es ist saukalt und wird bald dunkel!

Also nix wie zurück. Im Abstieg treffe ich den Normalweg, der die meist zahme Gipfelflanke verfolgt. Nur eine Steilstufe wird auf einer Rampe überwunden, hier ist der Weg mit bockhartem Schnee überdeckt, was anstrengendes Stufenschlagen bedeutet. Es bleibt einem auch nichts erspart. Schließlich komme ich aber doch wieder bei Andrea an, die mir gottseidank den Rückweg spurt und meinen etwas angeschlagenen Zustand so gut es geht pflegt. Jetzt bleiben wir auf der Wegtrasse, was zwar gelegentlich etwas mehr Schnee bedeutet, aber zumindest keine allzu fiesen Stellen mehr. Als wir zurück an der Hütte sind, dämmert's schon gewaltig, aber den Rückweg kennen wir ja, nicht so schlimm. Auf dem Fahrweg läuft sich's dann ganz gut aus, zum Auto, das einem wieder Wärme liefern kann - bitter nötig, nach dieser etwas rustikalen Tour in den Kitzbüheler Alpen....!

Tourengänger: andl, maxl


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