Die Alpelwand (1085 m): ein schöner Kreuzfelsen über Lenggries und der Isar


Publiziert von Vielhygler Pro , 19. Dezember 2016 um 21:14.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Bayrische Voralpen
Tour Datum:18 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Im Lenggrieser Ortsteil "Fleck" etwa 1 km nach Osten fahren. Dort der kleine private P. am Almbach. (2 €)
Kartennummer:DAV Mangfallgebirge West

Die Adventszeit ist bei aller Hektik ja auch die sogenannte „stade Zeit“ und so haben wir uns heute, am 4. Advent, für ein ganz und gar stilles Ziel fernab von Glühwein, Bratwürsten und Brühpunsch entschieden. Es soll auf  den Felsen der Alpelwand (1085 m) gehen, der uns schon seit langem vom Isartal aus als blockiger Vorposten des Seekarkreuzgbiets positiv aufgefallen ist. Oben waren wir aber noch nie, wir haben einfach immer abgewartet. Und jetzt, im Advent, hieße es eigentlich erst recht: weiterwarten... Aber uns ist das egal, heute soll es für die Vielhyglerin und mich mit der Alpelwand eben eine vorgezogene Bescherung geben...      

Die Alpelwand (1058 m) und unsere Anstiegsidee:

Die Alpelwand ist, wenn man es etwas genauer nimmt, der letzte westliche Felsklotz der breiten abfallenden Westgratschulter einer kleinen, weiter oben liegenden Felsformation mit dem hübschen Namen „Im Marie“ (1563 m), dem einzigen nennenswerten Zwischengipfelchen des Übergangs vom Schönberg zum Seekarkreuz.
An diesem breiten Westgrat, einer durch Bachgräben etwas zerklüfteten Gratschulter, befindet sich eine Hütte, das Alpel (1202 m). Vom Alpel aus, zu dem auf der AV-Karte eine Straße eingetragen ist, wollen wir heute die Alpelwand auf einem auf der Karte vielversprechend und einfach aussehendem kleinen Grat, bequem etwa 150 Hm absteigend, erreichen.

Ein alter Weg zur Tegernseer und / oder Lengrrieser Hütte?

Ich möchte der eigentlichen Wegbeschreibung eines vorausschicken: wir hatten uns heute im Anstieg einen Mix zurechtgelegt aus Straßen und in der Karte verzeichneten gestrichelten Pfadspuren, um zum Alpel (1202 m) zu gelangen.
Wir sind aber überraschender- und auch zunächst verwirrenderweise von Beginn an immer wieder alten, blechernen Wegschildern "Maria Eck", "Tegernseer Hütte" oder "Lenggrieser Hütte" begegnet, die offenbar einen nicht mehr bewarteten bzw. unterstützten Weg bezeichnen, der vom P. Almbach über das in der AV-Karte mit "ND" verzeichnetes Baum-Naturdenkmal "Bauernrast" schließlich, wie wir heute feststellen konnten, mindestens das Alpel (1202 m) erreicht.
Diese alten, teilweise von der Baumrinde verschluckten, Beschilderungen sind für den An- oder Abstieg nicht wirklich sinnvoll angebracht, es gibt keinerlei "Ausschilderungskontinuität". Markierungen gibt es nur an einer einzigen Stelle. Die Pfadpassagen sind aber durchweg gut aufzufinden und einfach zu gehen, eine letzte Karrenwegpassage dieses Wegs bis zum Alpel ist in der Karte (dünner schwarzer Strich) verzeichnet.
Ob und wie der beim Alpel urplötzlich gelb markierte und ausgeschilderte Weg dann wirklich auch zur Lenggrieser Hütte weitergeht, haben wir heute nicht ausprobiert. Ob nach dem Alpel noch ein Pfad nach Maria Eck und zur Tegernseer Hütte abzweigt, natürlich ebensowenig.

Die Wegbeschreibung:

Los geht es am P. beschildert mit: "Lenggrieser Hütte", "Seekarkreuz" usw. Zunächst auf Teer- und dann auf Forststraße geht es an einer Kreuzung vorbei den Almbach entlang bis zu dieser Kreuzung. Wir nehmen, um sicher zu gehen, hier den gelb ausgeschilderten Weg nach links, der in einer weit ausholenden Kurve zum Naturdenkmal "Bauernrast führt. (Wie wir beim Abstieg festgestellt haben, hätten wir dorthin auch kürzer und hübscher nach rechts, dem alten Blechschild folgend, gehen können.)
Kurz vor der "Bauernrast" können wir die Alpelwand zum ersten Mal sehen. Das mit wenigen Schritten von der Straße nach rechts zu erreichende Naturdenkmal Bauernrast ist eine alte Tanne, die sich trotz ihres hohen Alters von fast 400 Jahren mittels eines Schildes etwas kindlich ("Ich bin eine Tanne...") an den Betrachter wendet.
Von der Bauernrast folgen wir einem Pfad, der in zwei Minuten ansteigend wieder zu unserer Straße zurückführt.
Direkt gegenüber beginnt ein Karrenweg, in südöstlicher Richtung anzusteigen. Gleich zu Beginn weist ein altes Blechschild vom Weg nach rechts über einen Bach. Dort ist auch etwas linkerhalb das einzige Markierungsblechschild. Wir freuen uns, weil der Pfad der gestrichelten Eintragung auf der Karte entspricht und wir folgen der Beschilderung dieses mittlerweile offenbar aufgegebenen alten Wegs.
Der Steig hält sich nun immer südlich des obersten Ausläufers des Almbachs und ist überall gut aufzufinden, doch er deckt sich nicht mit den gestrichelten Eintragungen der AV-Karte, weil er etwas östlich des auf der Karte verzeichneten P. 1003 gleich in den von dort nach Norden ausgehenden Karrenweg zum Alpel einmündet. Für uns umso besser.
Der Karrenweg nun führt in kleinen, steilen Kurven bis vor das Alpel mit Hütte. Dort befindet sich ein letztes Schild: "Lenggrieser Hütte" mit ein paar gelben Markierungen, aber uns interessiert ein deutlicher, vom Alpel nach Westen hinabziehender Grat viel mehr.

Der schöne Grat zur Alpelwand und der weglose Abstieg zur Bauernrast: ganz klar das Gustostückerl der heutigen Tour!

Zur Alpelwand müssen wir nun etwa 150 Hm absteigen. Zunächst geht es hübsch auf dem Grat über einen kleinen Hubbel, dann wird der Grat immer breiter. Wir halten uns absteigend immer an die deutliche linke, südliche, Gratkante. Als der Grat in einer breiten Senke immer mehr ausflacht, denken wir schon, wir hätten die Alpelwand verpasst und steigen wieder ein Stück zurück und schauen dabei nach Süden. Fehlanzeige. Pause und "Kriegsrat".
Wir entscheiden uns dafür, weglos weiter abzusteigen, mit oder eben ohne... Alpelwand. Wie gut, denn nach nur wenigen Minuten ist es schon soweit und es tauchen schöne, große Felsen auf. Eine tolle, urweltliche Stimmung kommt auf und plötzlich ruft die Vielhyglerin: "ein Kreuz!". Tatsächlich! Gut sieht es aus und stabil steht es da, das Alpelwandkreuz. Wir schauen uns um und uns g' fällts mit freien Blicken nach Südwesten und Westen. Sogar die Zugspitze könnten wir sehen, wenn die Wolken ihr nicht den Gipfel abgeschnitten hätten...

Für den weiteren Abstieg halten wir uns in nördlicher Richtung direkt links von großen, sperrenden Felsen. Das vereiste Laub ist etwas rutschig und steil ist es obendrein, aber es geht ganz gut. Nach dieser landschaftlich sehr schönen Passage schwenken wir nach links und gehen viel gemütlicher in westlicher Rchtung den breiten Hang hinunter. Wir finden einen Karrenweg und gehen ihn hinab- und tatsächlich führt er uns direkt an diesem Schild unseres Anstiegs vorbei zur Bauernrast hinab. Nun gehen wir den Pfad abkürzend zur Straße und zum P. zurück.

Fazit?

Die Alpelwand ist nicht bloß ein "Grasleitenstein für Arme", sondern ein schönes einsames Felsgipfelchen, das wir leicht und ohne jeglichen "Felskontakt" erreicht haben. Sehr schöne Ausblicke in die Jachenau und in das Isartal. Im Sommer? Wunderbar, da sind wir uns sicher. Nach Westen bestimmt auch schöne Abendstimmungen.


Wenn man unseren Abstiegsweg hinaufgeht, ist es eine schöne, schnelle, kleine Tour.  So, wie wir heute gegangen sind, war es eine abwechslungsreiche und etwas längere Runde.

Schwierigkeiten?
Bis zum Alpel T2. Der Gratabstieg von dort zum Kreuz ist an keiner Stelle ausgesetzt, aber weglos. T3, würde ich sagen. Den weglosen, in der ersten Passage recht steilen Abstieg würde ich mit T3+ bewerten und nur denjenigen empfehlen, die wirklich Erfahrung mit sowas haben!

Tourengänger: Vielhygler


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