Tristencholben 2160m


Publiziert von Bergamotte Pro , 14. Dezember 2016 um 22:49.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:13 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Churfirsten   CH-SG 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:18km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Lüsis
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Lüsis
Kartennummer:1134 Walensee / 1135 Buchs

Vor ziemlich genau einem Monat stand ich bereits mit Skiern auf dem Hinterrugg. Das ist Geschichte. Heute steige ich problemlos mit Wanderschuhen durchs Valsloch auf. Und selbst die Zustiege vom Toggenburg wären machbar. Im Mittelpunkt stehen heute aber nicht die Churfirsten selber, sondern der Tristencholben. Der markante Felsturm schliesst das Chäserrugg-Massiv gegen Osten ab und erfordert kurze, aber recht anspruchsvolle Steilgraskraxelei. Eigentlich ist das kein Ziel für die Nebensaison, aber ich konnte die Schneesituation dank der Roundshoot-Webcam gut einschätzen.

Bereits die Fahrt nach Lüsis (1275m) hat es in sich, die Strasse meist recht wild und schmal. Ich parkiere vor dem geschlossenen Berggasthaus, ansonsten sind Parkplätze hier oben Mangelware. Die Rundtour beginnt so, wie ich es am liebsten mag: mit sanftem, kurzem Einlaufen über den Höhenweg Richtung Alp Tschingla. Ab dem Abzweiger kurz vor Hinterbüls ist aber fertig getrödelt: Ab sofort verläuft die Routenführung durchgehend steil bis hoch zum Chäserrugg. Und ohne Wind mag auch die Dezembersonne ganz ordentlich wärmen. Mal abgesehen von der Steilheit bietet der Bergwanderweg keine wirklichen Schwierigkeiten, auch nicht beim felsigen Durchschlupf in den Valsloch-Kessel. Hier drin liegen doch noch grössere Schneefelder. Wer früh dran ist, könnte froh sein um einen Pickel. Oben verlässt man den Kessel nach Westen. In der etwas ausgesetzten Querung liegt ebenfalls noch Schnee, dank Trittspuren und mässiger Steilheit für Habitués aber gut machbar. Da ich schneller oben bin als erwartet, quere ich noch kurz zum Hinterrugg (2306m) rüber, um einen Blick auf die aufgereihten Churfirsten zu werfen. Anschliessend unschwierig über Schneefelder zum verwaisten Gipfelhaus auf dem Chäserrugg (2262m).

Der Zugang zum Tristencholben erfolgt über den Rundweg über die Rosenböden (2207m), welcher - zu Recht - sommers wie winters sehr beliebt ist. Wie von allen Churfirsten geniesst man auch hier äusserst lohnende Tiefblicke auf Walensee und Seeztal. Und überall warten Bänklein auf aussichtshungrige Spaziergänger. Vom höchsten Punkt der Rosenböden ist der NW-Fuss des Tristencholbens in drei Minuten erreicht. Von hier verbleiben ca. 50Hm über die sehr steile Flanke zum Gipfel. Der Schlussaufstieg beginnt mit kurzer IIer Kletterei. Befände sich die Stelle weiter oben, wäre das recht brenzlig. Anschliessend über meist gut gestuftes Steilgras in beliebiger Linie zum Tristencholben (2160m) hoch. Stellt man sich vernünftig an, kommt man mit einer T6- durch, sonst schnell mehr. Bei Nässe würde ich von einer Begehung dringend abraten und in jedem Fall zur Sicherheit den Pickel einpacken. Wie bei der Vorbereitung auf der Webcam gesehen, liegen zurzeit nur kleinere Schneereste in der Flanke, die zudem recht griffig sind. 

Nach meiner wie meist ausgiebigen Gipfelrast geht's zurück über die NW-Flanke. Offenbar wähle ich nicht die ideale Linie (das Gelände ist von oben eher schlecht einsehbar) und gerate unnötig ins Schwitzen. Auch die IIer Abkletterei ist nicht ganz ohne, hier könnte man bei Bedarf aber eine fix installierte Schlinge verwenden. Als Rundtourenfreak wähle ich für den Rückweg die Variante via Nideri. Das ist recht umständlich und mit einem Gegenanstieg verbunden. Auf der Nordseite vom Chäserrugg-Massiv liegt bis zum Sattel (1948m) zudem eine fast geschlossene Schneedecke, die nicht überall gut trägt. Entsprechend anstrengend gestaltet sich der Übergang. Mein Gegenanstieg zum Gamser Rugg (2076m) ist hingegen freiwillig und kostet auch nicht allzu viel Zeit. Der höchste Punkt ist ohne GPS nur mit genauem Hinsehen identifizierbar. Das weitläufige Plateau lässt sich übrigens - als Alternative zum weit nach Osten querenden Wanderweg - auch direkter über die West- oder die Südflanke erreichen.

Zurück im Sattel folgt der teils etwas rauhe Abstieg in den Kessel von Ischlawiz. In diesem Schattenloch liegen bis weit hinab noch Schneereste. Ein letzter Wiederanstieg über gut 100Hm bringt mich in den Nideri (1839m) Sattel. Ursprünglich wollte ich noch den Höchst anhängen, aber die Tour ist länger geworden als erwartet. Dafür sind die Tage mittlerweile verflixt kurz. Deshalb direkter Abstieg durch die furztrockene Flanke zurück nach Lüsis; das geht schnell und schmerzlos.


Zeiten
2:00  Hinterrugg
0:45  Tristencholben
1:10  Gamser Rugg
1:25  Lüsis

Tourengänger: Bergamotte


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