Rundtour über Diestaler Siwellen, Fätschenhorn und Schönau


Publiziert von Bergamotte Pro , 10. Dezember 2016 um 15:27.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 6 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Chärpfgruppe 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:15km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Betschwanden, Schulhaus oder PW bis P. 624 oder ins Alpeli (mit Fahrbewilligung)
Unterkunftmöglichkeiten:Leglerhütte
Kartennummer:1173 Linthal

Als "Diestaler Siwellen" bezeichnen die Einheimischen den Gratrücken, welcher sich aus dem Diestal (Betschwanden) bis fast zur Leglerhütte hochzieht. Eigentlich anerböte sich der meist gutmütige Grat für einen abwechslungsreichen, einsamen Hüttenzustieg. Aber wer will schon ganz unten im Grosstal loslaufen? Eben. Da erhält der breite Rücken der Schönau schon deutlich mehr Besuch, beispielsweise im Abstieg von der Hütte zurück ins Chies. Trotz der für lokale Verhältnisse bescheidenen Höhe geniesst man hier - eingeklemmt zwischen Gross- und Kleintal - einen herrlichen, unverstellten Blick ins Glarner Unterland und zum Glärnisch.

Mässig motiviert fahre ich heute Richtung Glarnerland. Denn es wollte mir vortags nicht gelingen, eine Fahrbewilligung fürs Diestal zu organisieren. Das bedeutet wohl Start in Betschwanden, sprich ganz unten im Grosstal. Aber vor Ort zeigt sich, dass die Zugangsbarriere für den Winter jeweils demontiert wird. So kann ich bis ins Alpeli hochfahren, was alleine im Aufstieg eine knappe Stunde spart. Ich klemme eine Zehnernote unter den Scheibenwischer und folge dem Diesbach talaufwärts. Es ist eisig kalt, kaum ein Sonnenstrahlen findet um diese Jahreszeit den Weg ins enge Tal; schon gar nicht morgens. Doch im steilen Aufstieg via Bodmen (1370m) zum Gratrücken sind die Glieder schnell aufgewärmt. Hier beginnt die lohnende Gratwanderung über die Diestaler Siwellen bzw. deren fünf Koten.

Bis zur ersten Kote, der unauffälligen Kuppe P. 1764, verläuft das harmlos über Weidegelände. Wegspuren sind teilweise vorhanden, meist auf oder wenig unterhalb der Krete. Ich bin froh um die hart gefrorenen Böden, in einem feuchten Frühling wär das kein Vergnügen. Nun ändert das Terrain schlagartig: Ein Steilhang verengt sich zu einem engen Grat, welcher immer wieder durch Felsaufschwünge unterbrochen wird. Die zweite Kote, P. 1882 mit Steinmann, lässt sich noch vergleichsweise einfach begehen (T4). Wie man auf der LK erkennt, liegt sie dem Hauptgrat einige Meter westlich vorgelagert. Hier erreiche ich endlich die Sonne.

Anschliessend über die Südflanke zurück zum Hauptgrat, wo kurz darauf die Schlüsselstelle folgt: Den markanten Felsgürtel überwindet man in kurzer Kraxelei durch einen Riss auf der Nordseite (T5/II). Wo genau, ist vor Ort offensichtlich. Nun folgt eine anregende Gratwanderung über Wiesen, Stock und Stein. Umgehungen über die Flanken sind teilweise möglich, aber nirgends zwingend. Und oben ist es sowieso am schönsten. Das bleibt alles im Bereich T3 bis T5 und ist nirgends übermässig ausgesetzt. Die dritte Kote, P. 2095, befindet sich bereits wieder auf harmlosem Weidegelände. Man könnte von hier schnell zum Wanderweg absteigen.

Aber natürlich möchte ich die gesamten Siwellen überschreiten, also kurzer Aufstieg zu P. 2111 und weiter zu P. 2154 (einfachstes Gehgelände). Der Führer erwähnt einen heiklen Abstieg vom abschliessenden Gratturm und empfiehlt die südliche Umgehung. Das stimmt so nicht. Tatsächlich kann man die wilde Felsformation recht einfach überschreiten und so direkt zum Leglerhüttenweg gelangen (T5). Zur Hütte verbleiben hier ca. 15 Minuten; diesen Abstecher lasse ich heute natürlich sein. Stattdessen angenehmer Abstieg über eine geschlossene Schneedecke zu den Ängiseen und in recht direkt Linie aufs unauffällige Fätschenhorn (1978m). Auch hier sind die gefrorenen Böden ein Segen.

Dank PStraubs kürzlicher Begehung wusste ich, dass der wilde Verbindungsgrat zum Steinstossfurggeli (1806m) begehbar ist. Wobei, begehbar ist er schon, angenehm aber keineswegs. Trotz regelmässigen Gamsspuren gilt es allerhand Hindernisse - vor allem botanischer Art - zu überwinden. Die Schneereste kommen mir hier sehr gelegen. Wem das zu blöd ist, kann vom Fätschenhorn auch unschwierig nach Westen zum Wanderweg absteigen. Ab Furggeli dann meditative, genussreiche Überschreitung des Schönau-Rückens mit kurzem Abstecher zum Etzelstock (1825m). Für meine Mittagsrast wähle ich den vordersten (und höchsten) Punkt der Schönau (1850m), weil man von hier einen herrlichen Ausblick übers ganze Glarner Unterland geniesst. Dieser Punkt wurde übrigens seit 2005 auf der Landeskarte "Rüfihorn" genannt, was in der neusten Ausgabe wieder gestrichen wurde.

Der Schlussabstieg zurück ins Diestal könnte angenehmer kaum sein. Hat man den Einstieg vom Schönau-Plateau in den Weg erstmal gefunden (nicht markiert), schwebt man dank unzähligen Spitzkehren in sanftem Gefälle talwärts. Abkürzungen sind bei Bedarf vielerorts möglich. Der federweiche Laubteppich schont die Gelenke zurzeit zusätzlich. Zum Abschluss über die Alpstrasse zurück ins Alpeli - das Zehnernötli unberührt.


Zeiten
1:15  Diestaler Siwellen (P. 1764)
1:15  Diestaler Siwellen (P. 2154)
1:15  Etzelstock
1:15  Alpeli

Tourengänger: Bergamotte


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