Über den Ostgrat auf den Daniel (2340 m) - die einsame Route auf das Dach der Ammergauer Alpen


Publiziert von mabon , 7. November 2016 um 00:04.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum: 1 November 2016
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 1 Tage 8:30
Aufstieg: 1550 m
Abstieg: 1550 m
Strecke:Parkplatz Loisachbrücke - Häselgehralpe - Häselgehrbach - Danielostgrat - Daniel - Upsspitze - Büchsental - Meirtljoch - Hochwanner - und retour
Kartennummer:DAV 4/1

Wenn ich mich recht entsinne, zählte der Daniel zu den allerersten Bergen überhaupt, die ich jemals erstieg. Weiland - es fuhren noch Pferdekutschen auf den Straßen und das Automobil war noch nicht erfunden - gelangte ich über den klassischen Südanstieg von Lermoos aus auf den Gipfel.

Äonen später folgte der zweite Besuch auf das Dach der Ammergauer Alpen. Und zwar über eine ungleich einsamere, weglose Route: den Ostgrat. Zu besagter Variante inspirierte mich kardirk, der ebendiese *hier bereits vorgestellt hat.

Im Wesentlichen sind wir kardirks Route gefolgt; jedoch mit dem Unterschied, dass wir 150 Höhenmeter weiter unten den Wanderweg verließen, um zum Ostgrat hinüber zu queren. Dabei haben wir uns mal wieder auf unseren Routeninstinkt verlassen und tatsächlich bereits nach zehn Minuten eine ausgesägte Latschengasse entdeckt. Man muss sich eben immer vorstellen, welchen logischen Weg ein imaginärer Erstbegeher wählen würde.

Allerdings verliert sich der Weg gelegentlich, was aber wenig stört, da es immer wieder lichte Flächen zwischen den Latschenfeldern oder sogar Gamspfade gibt. Zwar sind die Latschen auch mal sperrend dicht; meist findet sich aber ein passabler Durchschlupf und es wird schnell wieder licht.  Wir kommen demnach leichter durch das Dickicht voran als angenommen.

Die Orientierung ist selbsterklärend: Immer den Ostgrat im Auge behalten und eben diesen anpeilen. Als sich das Gelände öffnet, lässt sich bereits erahnen, dass der Grat gutmütig ist und es obsolet ist, weiter nach Süden in die Ostwand zu queren. Ergo bleiben wir hart an der Kante, die weniger ausgesetzt als gedacht ist. Auch ist der Fels fest und schön gestuft. Ab und an muss ein wenig geklettert werden, wobei maximal eine -II erreicht wird. Alles nicht sonderlich schwer.

Demzufolge ist alles im grünen Bereich - was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn die Felsstufen sind mit festen Graspolstern durchsetzt. Schon bald zeigt sich das Gipfelkreuz und nach gut vier Stunden ist der Gipfel erstaunlich schnell und recht einfach erreicht.

Der Abstieg erfolgt über die Upsspitze und das Büchsental. Am Meirtljoch angekommen entscheiden wir uns spontan zu einem Abstecher zum Hochwanner, der in gerade mal zwanzig Minuten gewonnen ist. Viel los ist hier nicht, wie die 21 Gipfelbucheinträge anno 2016 beurkunden.

Auf dem Weg zurück taucht der Sonnenuntergang den Waxensteinkamm und das Zugspitzmassiv in goldorangenes Licht. Großes Wettersteinkino zum Abschluss also und ein wunderschöner Showdown einer reizvollen Runde.

Tourengänger: mabon

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Kommentare (10)


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Bergpunk hat gesagt: Latschensäge
Gesendet am 7. November 2016 um 13:18
Ward ihr das mit der Latschensäge? Fanden wir ziemlich lustig (wir trafen uns am Gipfel). Leider hatten wir den Weg durch die Latschen nicht gefunden. Kannst du evtl. die Höhenangabe in absoluten Zahlen angeben. 150 Meter unterhalb von Kardirk hilft mir nicht so viel, weil ich nicht weiß auf welcher Höhe Kardirk gequert ist.

Ansonsten: Respekt!

Bergpunk hat gesagt: RE:Latschensäge
Gesendet am 7. November 2016 um 13:45
Mist, erst kieken dann meckern, wie wir Norddeutschen sagen. 1550, steht ja beim vierten Foto dabei. Sorry...

mabon hat gesagt: RE:Latschensäge
Gesendet am 7. November 2016 um 18:28
Hi!

Genau, wir haben uns am Gipfel getroffen. Auf Bild #27 bist Du sogar zu sehen. Du bist uns ein Stück entgegengekommen.

Bei Fragen zum Routenverlauf kannst Du Dich gerne melden.

Schöne Grüße nach München

kanon

Vielhygler Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. November 2016 um 21:02
Schöne Tour!

Und: danke für das Wort: "weiland", das Du nun schon zum zweiten Mal in Berichten verwendet hast! (ich selbst suche noch nach einer passenden Gelegenheit).

Ich meine das ganz ernst: So oft heißt es bei den bildlichen Eindrücken der Berichte: "tolles Foto" etc, aber was ist mit dem sprachlichen Ausdruck der Berichte, sagt da irgendwer etwa: "tolle Wortwahl"? Schert sich keiner drum, wie falsch!

"Weiland": ***

VG Andreas

mabon hat gesagt: RE:Lieben Dank...
Gesendet am 7. November 2016 um 21:56
...Andreas!

Lustig, meine Wortwahl war mir gar nicht bewusst.

Wenn ich so drüber nachdenke, mag das wohl an den Schriftstellern liegen, die ich gerne lese: Eichendorff, Novalis und Friedrich Schlegel haben weiland wohl öfter dieses Wort verwendet. :-)

Schöne Grüße

mabon

Vielhygler Pro hat gesagt: RE:Lieben Dank...
Gesendet am 8. November 2016 um 15:05
Ich seh ihn fast als Bild, den Bergromantiker, der mit wehenden Rockschößen in der Krummholzzone vorwärtsdrängt. Novalis auf den Lippen und die Latschensäge in der ungestümen Faust, genau wie weiland...schade, jetzt fällt mir keiner ein, das ist eben (umso besser) dein Alleinstellungsmerkmal ;-)

Schöne Grüße zurück!

Andreas

mabon hat gesagt: RE:Lieben Dank...
Gesendet am 12. November 2016 um 09:22
Woher wusstest Du, dass ich beim Wandern stets mit Gehrock unterwegs bin? :-)

Nik Brückner hat gesagt:
Gesendet am 11. November 2016 um 08:39
Heyyy! Wunderbare Idee - den Grat hab' ich mir auch schon mal genauer angesehen. Schön, dass das jetzt mal jemand gemacht hat! Gratu!

Nik

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. November 2016 um 09:25
Danke Dir!

War allerdings kardirks Idee. Es gäbe übrigens noch den direkten Südgrat. Wäre mal was für eine gemeinsame Tour.

Greets

mabon

Nik Brückner hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. November 2016 um 09:07
Den einen rauf, den anderen runter.... Klingt gut!

Grüßle,

Nik


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