Plaun la Greina mystica


Published by lorenzo , 6 November 2016, 17h30.

Region: World » Switzerland » Grisons » Surselva
Date of the hike:24 October 2016
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   Gruppo Pizzo Corói   Gruppo Piz Medel   Gruppo Pizzo di Cassimoi   Gruppo Piz Terri   Gruppo Cima di Pinadee 
Time: 5 days
Access to start point:cff logo Rabius-Surrein, während der Saison Bus alpin Greina bis Runcahez Val Sumvitg
Access to end point:Während der Saison Bus Autolinee Bleniesi ab Pian Geirett oder Diga di Luzzone (z.Z. wegen Erdrutschgefahr gesperrt), cff logo Campo Blenio, cff logo Olivone
Accommodation:Terrihütte SAC, Capanna Motterascio CAS, Capanna Scaletta SAT, Ristorante Albergo Genziana
Maps:LK 1213 Trun, 1233 Greina, 1253 Olivone; F. Lippuner, D. Coulin, Alpinwandern Graubünden Nord, SAC 2013, M. Kropac, D. Silbernagel, S. Wullschleger, Hochtouren Topoführer Bündner Alpen, topo.verlag 2015, G. Brenna, Clubführer Tessiner Alpen, SAC 1996

Wenn die Winde günstig sind, hissen die Seefahrer ihre Segel. So schnürte auch in der Annahme, bei Südföhn sei es im Norden und bei Nordföhn im Süden sonnig, meine Schuhe und machte mich von der Surselva auf Richtung Bleniotal. Dabei hatte ich zu wenig bedacht, dass beim meinem Aufbruch der Südföhn am Zusammenbrechen war und erste Niederschläge bald folgen würden, die Greina an der Grenze zwischen Norden und Süden liegt, und auch der Nordföhn auf dieser Höhe seine Tücken in Form von ruppigen Böen und eisiger Kälte haben kann. Aber sobald ich mich damit abgefunden hatte, merkte ich, dass Wind und Wetter der Greina nicht viel anhaben können, sondern umgekehrt ihre vielfältigen Stimmungen nur umso wirkungsvoller zur Geltung bringen:


Alles hat seinen Reiz
Sonne und Wärme
haben
 ihren Reiz
Licht  und Farben
haben ihren Reiz

der Wind hat seinen Reiz
Wolken und Nebel
haben ihren Reiz
Regen und Schnee
haben ihren Reiz
Kälte hat ihren Reiz
und Finsternis hat ihren Reiz.

(frei nach dem Prediger Salomo, Kapitel 3, "Alles hat seine Zeit", Thora oder AT)


So blies am ersten Tag im Val Sumvitg noch der Föhn und entlang dem Stausee von Runcahez zeigte sich sogar ein paar Mal die Sonne. Aber schon beim Aufstieg über Encardens fiel erster, von Böen gepeitschter Nieselregen, so dass ich ziemlich durchnässt in der Terrihütte ankam. Sofort holte ich Wasser am nahen Bach, sägte und spaltete Holz, heizte den Winterraum auf und trocknete die Kleider, bevor ich kochen und mich endlich hinlegen konnte.

Am Morgen des zweiten Tages hatte der Regen vorübergehend aufgehört, und ich wanderte bei geheimnisvoller Nebelstimmung zuversichtlich über die Greina. Im Val Canal begann es wieder zu nieseln und die Sicht verschlechterte sich zusehends. Alten Spuren folgend erreichte ich zwar noch den wunderschön gelegenen Lai Terri, verfehlte dann aber im dichten Nebel  und ohne weitere Spuren den Sattel 2745 NW vom Piz Terri und landete stattdessen im etwa gleich hohen zwischen dem Piz Ner und dem Pizzo di Güida, von wo ich nach W durch ein Couloir (nicht empfehlenswert) nach Motterascio und weiter zur Hütte abstieg: anderer Ort, gleiches Prozedere wie am Vortag.

Nach einer sternklaren Nacht begann der dritte Tag vielversprechend mit schöner Aussicht Richtung Tessin und zum Tagesziel Piz Terri. Im oberen Valle di Güida begann es dann wieder zu nieseln und noch weiter oben zu schneien. Dank guten Markierungen, genügender Sicht und relativ milden Temperaturen waren aber Auf- und Abstieg (mit Pickel und Steigeisen) trotz winterlichen Bedingungen problemlos. Zurück in der Motterasciohütte war jedoch natürlich trotzdem wieder alles nass: also gleicher Ort, gleiches Prozedere wie an den beiden Vortagen.

Der vierte Tag brachte mit böigem und eiskaltem Nordföhn, der zuerst noch dichte Nebelschwaden über die Greina trieb, endlich das ersehnte schöne Wetter. Mein Weg führte über den Pizzo Corói zur Greina und über Gaglianera auf die beiden nördlich davon gelegenen Gipfel Piz Greina und Piz Vial. Die frisch verschneiten Gipfel über der in allen Herbstfarben leuchtenden Greina waren dank Trittschnee bis weit hinauf relativ problemlos zu besteigen. Auf Scaletta angekommen, wo für den Winter nur die alte Hütte geöffnet war, die wohl nicht so leicht aufzuheizen ist, entschied ich mich angesichts des weiterhin bissig kalt wehenden Nordföhns weiter nach Campo Blenio abzusteigen, im Hotel Genziana zu übernachten und am nächsten Tag den bereits vom Pizzo Corói aus bewunderten Sosto zu besteigen.

Über Nacht war schliesslich auch dem Nordföhn die Luft ausgegangen, mir aber zum Glück noch nicht. So brachte der letzte Tag schönes und mildes "Tessiner Wetter", das einen stimmigen Ausklang über den Lago di Luzzone und den Sosto nach Olivone - eine klassische Wanderung zum nicht zu unterschätzenden "Cerviniolino" des Valle di Blenio - ermöglichte.

 

Rabius-Surrein - Camona da Terri (24.10.2016)
Von der Staziun Rabius-Surrein weiss-roten Markierungen folgend auf dem Wanderweg und der Strasse nach Surrein und weiter auf der Strasse und dem Bergweg (mehrere Möglichkeiten) über Val (1208m), das heruntergekommene Tenigerbad, Runcahez, die Alp Val Tenigia, Encardens und Cresta la Greina zur Terrihütte, 5h 30min, T3, 1375Hm Auf- und 100Hm Abstieg.

Camona da Terri - Lai Terri - Capanna Motterascio (25.10.2016)
Von der Terrihütte wr nach Camona und auf Pfadspuren über die Greinaebene zum Eingang des Val Canal, auf dessen NE-Seite in den Geröllkessel von Canal und W ausholend (Steinmänner) hinauf zum Lai Terri (ohne Namen auf der LK, Steinmänner), 2h-2h 30min, T3 (von hier könnte nach SE über das Geröll- und Gletscherfeld des Glatscher dil Terri zur Sella 2745 und von dort über die Normalroute auf den Piz Terri aufgestiegen werden, siehe unten). Nach S über Geröll, ev. Firn und leichte Felsen zum Sattel ca. 2740m zwischen Piz Ner und Pizzo di Güida, 30min-1h, T4. Abstieg durch das eingezeichnete W-Couloir (ca. 35 Grad) auf Geröll und Firn (Vorsicht wegen Steinschlag) bis ca. 2500m, auf einem Band nach S, über steile Grashänge hinunter auf die Alpe di Motterascio und wr zur Capanna Motterascio, 45min-1h 15min, T5. Insgesamt 3h 15min bis 4h 45min, 670Hm Auf- und Abstieg.

Capanna Motterascio - Piz Terri - retour (26.10.2016)
Auf dem weiss-blau (u.a. mit Stangen) markierten Bergweg zum oberen Valle di Güida und durch dieses hinauf zur Sella 2745, 1h 15min, T3. Auf dem eingezeichneten Pfad E in die NW-Flanke ausholend zu einem Steinmann und zurück nach SSW  zu einer Stange und ausgesetzt unter einen Kamin. Durch diesen an guten Griffen und Tritten (I-II) hinauf zu P. 2898 und über den W-Grat (I-II) bzw. auf Pfadspuren S davon auf den Gipfel, 1h bis 1h 45min, T4+. Abstieg auf der gleichen Route, 2h. Insgesamt 4h 15min bis 5h, 980Hm Auf- und Abstieg.

Capanna Motterascio - Pizzo Corói - Pizzo Marumo - Piz Greina -Piz Vial - Rifugio Scaletta - Campo Blenio (27.10.2016)
Von der Capanna Motterascio wr über die Alpe di Motterascio bis vor P. 2272. Über den Ri di Motterascio nach W auf den gegenüber liegenden Rücken und über P. 2329, P. 2528 und P. 2643 (Alpe Corói) sowie zuletzt über den NE-Grat auf den Pizzo Corói, 2h, T3. Auf dem Verbindungsgrat einfach zur Kuppe von P. 2732, 15min, T2, Depot. Abstecher über den Sattel 2684  zum Pizzo Marumo und zurück, 30min, T3. Abstieg nach NNE auf Firn- und Geröllfeldern E am See bei P. 2633 vorbei hinunter zur Weggabelung 2344 und wr nach ENE zum Eingang des Tälchens von Gaglianera, 30min, T3. NE vom Hauptbach auf Pfadspuren über Gras und Geröll (wenige Steinmänner) zu einer Stufe auf ca. 2600m (I-II) und weiter nach N über Geröll und Firn bis ca. 2760m. Nach NE über Geröll zum Firnfeld unter dem Piz Greina, auf diesem zum SE-Grat NW von P. 3067 und über diesen (I) auf den Gipfel, 2h, L. Über den blockigen WNW-Grat zu einer Gendarmengruppe, die überklettert wird (II-III), und über den SE-Grat (I) auf den Piz Vial, 30-45min, WS. Abstieg über den oberen SW-Grat, z.T. in die NW-Flanke ausweichend (II, mixed), bis dieser nach W abknickt. Durch die S-Flanke auf Felsen (I) und Firn bis ca. 3000m, dann nach SSW auf Geröll und Firn hinunter zu den Seen um P. 2748, 1h, WS. Nach SW über coupiertes Gelände, den Graben E Valdraus auf ca. 2660m querend, nach Cogn dei Lavaz und N von P. 2464 zum Bergweg, der von der Fuorcla Sura da Lavaz herunter kommt, und auf diesem wb hinunter zur Piano della Greina. Weiter wb dem Brenno della Greina entlang (Vorsicht auf Hangrutsche, Stein- und ev. Eisschlag) und zuletzt wr zum Rifugio Scaletta, 2h, T3. Auf dem steilen Pfad unter der Hütte direkt hinunter zu P. 1976, nach der Brücke wr durch das Val Camadra auf dem Bergweg und der Strasse nach Campo Blenio und weiter zum Ristorante Albergo Genziana beim Ponte Semina, 2h, T3-1. Insgesamt 10h 45min bis 11h, 1590Hm Auf- und 2160Hm Abstieg.

Campo Blenio - Sosto - Olivone (28.10.2016)
Vom Ponte Semina wr über Aquilesco-Ghirone und Scalvéid (1390m) zur Diga Lago di Luzzone, an deren S Ende auf der Betontreppe hinunter auf die Strasse von Sasgiüch, auf dieser zum Tunnel bei P. 1673 und durch diesen zum Passo Muazz, 1h 30min, T2, Depot. Nach SW zum eingezeichneten Pfad und auf diesem rechts dem markanten Couloir entlang bis ca. 2060m. In gleicher Richtung weiter auf P. 2103 und Abstieg nach S (Gras, Felsen) zurück auf den Pfad beim Sattel ca. 2080m. Weiter auf dem Pfad entlang dem NE-Grat durch Gras bis ca. 2120m, dann auf Pfadspuren links vom Grat über plattige und brüchige Felsen (Stellen I-II, z.T. heikel, v.a. bei Vereisung) auf den Gipfelgrat und über diesen nach S zum Gipfel und weiter zum Kreuz, 1h 15min, T5. Zurück zum Depot, 45min. Wr entlang der Strasse nach Compietto und auf dem Bergweg über Garnàira und Zett nach Olivone, 1h 30min, T3. Insgesamt 5-6h, 1055Hm Auf- und 1355Hm Abstieg.

Material: übliche Alpinwanderausrüstung, Leichtpickel und -steigeisen (für den Piz Terri, den Piz Greina und den Piz Vial) und Proviant für 4-5 Tage.

Hike partners: lorenzo


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Comments (2)


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Sent 7 November 2016, 10h49
Wow, Du hast Durchstehvermögen. T5, wie 5 Tage.

lorenzo says: RE:
Sent 7 November 2016, 15h51
Hallo Edu

So kann man es natürlich auch sehen, aber wenn man einmal dort oben ist, "läuft es" wie von selbst...villeicht weil die Greina als Kraftort gilt?

Schönen Herbst und Grüsse

lorenzo


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