Der Weg der Weißen Schlange - Abbruch am Norwestgrat der Westlichen Marienbergspitze (2535 m)


Publiziert von mabon , 21. Oktober 2016 um 00:02.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Tour Datum:16 Oktober 2016
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 1 Tage 8:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Talstation Marienbergbahn - Knappensteig - Knappenweg - Schachtkopf - Schwärzekar und retour
Kartennummer:DVA 4/1

Manchmal soll es einfach nicht sein. Zweimal innerhalb von 14 Tagen bin ich am Nordwestgrat der Westlichen Marienbergspitze gescheitert. Bereits am 3. Oktober sorgte tief hängender Nebel dafür, den richtigen Einstieg zu verpassen. Mangels Sicht gerieten wir neulich zu weit südlich und fanden uns etwas später in einem Schneesturm wieder, der uns zum Rückzug zwang. 

Wieder am Bergfuß zurück war der Gipfel plötzlich wolkenfrei und in warmes Sonnenlicht getaucht und wir erkannten die Route "Weg der Weißen Schlange". Erstbegeher Richard Goedeke taufte 1985 den Nordwestgrat so, weil eben dieser aus besonders hellen Kalk besteht und sich kontrastreich rechts neben dem extrem dunklen Kar namens "Schwärze" emporschlängelt.

Da wir nun den von Goedeke beschriebenen Einstieg erkannten und aus der Ferne den Routenverlauf erahnten, beschlossen wir, es nochmal zu versuchen. Zwei Wochen später war dann das Wetter ideal, wir waren bestens vorbereitet und führten allerlei Sicherungsmaterial mit. Jeder von uns hatte die Topo von Goedeke zur Hand. Acht Augen sehen mehr - so möchte man meinen. Trotzdem funktionierte es nicht.

Woran lag es? Summa summarum am ziemlich schwierigen Gelände und am mehrfachen Suchen nach dem richtigen Ausstieg aus der braunschwarzen Rinne in Verbindung mit dem Faktor Zeit. In einer Rinne muss man nicht viel suchen, mag sich so mancher denken. Unser Quartett fand jedoch trotz enormer bergsteigerischer Erfahrung und Topo nicht den Grateinstieg.

Nimmt man den Schachtkopf auf dem Weg mit, benötigt man gute drei Stunden bis zum Rinnenanfang. Allein dies deutet schon an, dass einem die Zeit davonrennt. Gleich der Einstieg wartet mit rutschigem Mergel auf, der gerade während des Querens in der breiten, von Verwerfungen durchsetzten und mehrgliedrigen Rinne stets heikler Untergrund ist.

Wie Goedeke schon sagt geht man "in und knapp rechts von der gewöhnlich munter bewässerten Rinne." Und in der Tat: Glitschig, rutschig und nass ist das Klettern. Alles im II. bis III. Schwierigkeitsgrad. Sichern lässt sich nirgends, da das Gestein wankelmütig und instabil ist. Und so brechen ständig Griffe und Tritte aus. Aber es geht auch so.

Nur langsam kommen wir voran. Immer wieder versuchen wir uns rechts im festeren Kalk - in der Hoffnung, den Einstieg in den Grat zu finden. Hier ist der Fels stabiler, aber es lässt sich nicht sichern. Zu plattig und glatt das Ganze und zudem ausgesetzt wie gegen IV tendierend. Einfach zu gefährlich.

Manchmal hat man ja Glück und findet in solch einem Gelände irgendwo einen Schlingenrest oder einen verrosteten Haken, der Dir einen Hinweis gibt, wo es entlang gehen könnte. Hier fand sich hingegen rein gar nichts. Weiter oben nahm der Schnee immer mehr zu, was auch nicht unbedingt hilfreich war.

So verging die Zeit im Fluge. Als wir schon gut sechs Stunden unterwegs waren und die Mittagszeit bereits überschritten war, merkten wir: Das wird nichts mehr. Noch immer hatten wir den Grateinstieg nicht gefunden und oben am Ende der Rinne steilte eine Querwand massiv auf. Wir hätten wieder suchen müssen, um sehen zu können, ob der Riegel links oder rechts zu knacken ist.

Allerdings versperrte ein vorgelagerter Mergelwulst den Zugang. Keine Tritte, keine Griffe; ein Schlaghaken hätte nicht gehalten. Zwar wäre es irgendwie auf Reibung gegangen, nur durfte hier ungesichert kein Fehler passieren, da ein Abrutschen ziemlich wahrscheinlich mit einem tiefen Abgleiten auf dem Steilschnee geendet hätte.

Auch wären es  schätzungsweise noch drei Stunden bis zum Gipfel gewesen; aber nur dann, wenn wir gleich die ideale Route gefunden hätten. Im Hochsommer kein Thema, Mitte Oktober aber schon, wenn zusätzlich noch gut drei Stunden Abstieg bevorstehen und es recht bald dunkel wird. Stirnlampen hatten wir zwar dabei, aber in der Dämmerung in solch einem Gelände zu klettern muss nicht sein.

Deshalb: Abbruch auf 2200 Meter Höhe.

Im Abstieg merkten wir erst, wie steil das Ganze war. Gerade die Schneepassagen gingen wir ganz sachte runter. Fast schon wie auf Hochtour - nur ohne Steigeisen. Dann immer wieder kleingriffige, feuchte und angeeiste Reibungspassagen im III. Grat. Da war der ganze Bergsteiger gefordert.

Als wir uns endlich wieder auf dem Wanderweg fanden, genossen wir die Sonne, die uns wegen der schattigen Exposition bisher verwehrt war. War schon schön und ein dritter Versuch wird folgen. :-)

Tourengänger: mabon, Lura

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Kommentare (3)


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Creativist hat gesagt:
Gesendet am 21. Oktober 2016 um 02:17
Oha. Gut dass ihr da alle aus dem Mergel-Reibungsplatten-Mix wieder gut runtergekommen seid. Im Topo sieht es aus als ob man früh rechts raus muss, aber wenn mit Deiner Erfahrung und sogar zu viert nix zu finden ist, dann ist vielleicht eher das Topo "suboptimal"...

Gelöschter Kommentar

mabon hat gesagt: RE:Danke Dir...
Gesendet am 21. Oktober 2016 um 06:23
...für Deine Einschätzung. Genau das vermuten wir auch: Man muss wahrscheinlich viel früher aus der Rinne raus, oder aber ganz am Schluss eben dieser. Man müsste es halt nochmal versuchen.

Schöne Grüße

mabon


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