Piz Turba 3018 m - Durch den Nebel an die Sonne


Publiziert von Ivo66 Pro , 9. Oktober 2016 um 15:47.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum: 8 Oktober 2016
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1060 m
Abstieg: 1060 m
Strecke:Foppa - Cadval - Alp Tgavretga - Pass da Sett (Septimerpass) - Forcellina - Westgrat - Piz Turba - Forcellina - Leg Curegia - Alp Tgavretga - Foppa
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Unmittelbar nach der Dorfausfahrt in Bivio (Richtung Julierpass) kann man auf einem zunächst asphaltieren Strässchen - nach rechts abzweigend - bis ins Val Tgavretga hinauffahren. Vor einer Brücke bei P. 1953 m (ab dort Fahrverbot) befinden sich einige Parkplätze (kostenlos)
Kartennummer:1:25'000 Bivio + Val Bregaglia

Der Piz Turba wird zwar den Oberhalbsteiner Alpen zugeordnet, liegt aber auf der Grenze zwischen dem Avers und dem italienisch sprachigen Bergell. Diese Kombination deutet bereits an, in welch herrlicher und wilder Gegend dieser Gipfel zu finden ist. Erreicht man ihn im Winter von Bivio aus dank Skiliftunterstützung rasch und recht bequem, zieht sich der Zustieg aus dem Oberhalbstein in den Sommermonaten mehr in die Länge, da zunächst eine ziemlich flache Strecke zum historischen Septimerpass zu bewältigen ist. Der Gipfel bietet erwartungsgemäss einen tollen Überblick über eine ziemlich abgelegene Gegend der Schweiz.

Die Skitour auf den Piz Turba erfreut sich grosser Beliebtheit; im Sommer dagegen ist der Berg ziemlich einsam, denn von der Forcellina aus - einem markieren Passübergang zwischen dem Avers und dem Oberhalbstein - ist der Zustieg zwar nicht schwierig, aber aufgrund des Geröll- und Schuttgeländes eben nicht bequem, was praktisch alle Bergwanderer davon abhält, den mehr als lohnenden Abstecher unter die Füsse zu nehmen.

Der Blick auf die Webcams heute früh machte rasch klar, dass für die heutige Tour ein hoher Ausgangspunkt gewählt werden muss, will man nicht stundenlang unter einer graue Wolkendecke wandern, denn selbst das Oberengadin war in einem dicken Nebelmeer versunken, aus welchem nur die oberen Bereiche der Berge hervor schauten. Als wir deshalb oberhalb von Bivio die Tour im Nebel in Angriff nahmen, rechneten wir noch damit, bald an der Sonne unterwegs zu sein.

Mehr als eine Stunde später, als auch noch weit über dem im dichten Nebel liegenden Septimerpass die Sonne noch nicht einmal ansatzweise durchdrückte, hatten wir die Hoffnung auf etwas Sonnenschein bereits aufgegeben. Die eiskalte Bise schien die Nebelobergrenze stetig nach oben zu drücken. Auf der Forcellina begegneten wir den einzigen Menschen heute, welche allerdings zu viert einen Lärm für etwa zwanzig veranstalteten. Der Spuk war glücklicherweise bald vorbei und endlich erblickten wir am hellgrauen Himmel die Silhouette der Sonne.

Zusätzlich motiviert und zuversichtlich stiegen wir nun über die neuschneebedeckte Schuttflanke zum Gipfelgrat hoch und durchbrachen tatsächlich auf etwa 2900 m. ü. M. die Nebeldecke. Was für ein Schauspiel bot sich uns jetzt und welche Glücksmomente kamen nun auf! Wenn man nicht mehr damit gerechnet hat, sind solche Erlebnisse am eindrucksvollsten. Der Pizzo Badile im Bergell bot dabei im Kampf mit der Hochnebeldecke ein besonderes Spektakel.

Die herrliche Stimmung auf dem Gipfel machte auch die eiskalten Temperaturen vergessen, welche durch die Bise noch verstärkt zu spüren war. Gerade rechtzeitig löste sich dann der Nebel mehr und mehr auf, so dass wir dann im Abstieg durchwegs gute Sicht geniessen konnten. Dies veranlasste uns, dem wunderschönen Bergsee Leg Curegia einen Besuch abzustatten - von oben stach er uns von weitem in die Augen.

Weglos stiegen wir dann zum Fahrsträsschen ab, über welches wir den Ausgangspunkt wieder erreichten.

Routenbeschreibung:

Foppa - Septimerpass (Pass da Sett) T1
Man folgt dem Fahrsträsschen ohne Orientierungsschwierigkeiten bis zum Septimerpass.

Septimerpass - Forcellina (T2)
Man hält noch einige Meter die bisherige Richtung, bis ein Bergwanderweg nach rechts abzweigt (ausgeschildert u. a. nach Forcellina). Diesem folgt man (weiss-rot-weiss markiert) bis zum Passübergang Forcellina.

Forcellina - Piz Turba (T3+)
Vom Wegweiser am Pass wandert man nun weglos über Schutt und Geröll in südlicher Richtung weiter. Aufgrund der vielen Steinmänner ist die ideale Route auch bei Nebel recht gut zu finden. Man hält sich in Aufstiegsrichtung eher rechts - es sind allerdings verschiedene Varianten möglich - und geht, zunächst nur leicht ansteigend (je nach Routenwahl mit kurzen Gegenabstiegen) weiter bis man sich westlich unter dem Gipfel befindet. Von dort führen Pfadspuren im Schutt recht steil zum Gipfelgrat hinauf. Über diesen steigt man - praktisch ohne Schwierigkeiten - zum Gipfel auf.

Abstecher zum Leg Curegia (T2 - T3)
Sehr lohnend ist im Abstieg der Abstecher zum Leg Curegia, den man von der Forcellina aus ohne Probleme weglos erreicht (T2). Wir stiegen anschliessend südlich des Bachs über Alpweiden ab, wo wir nach Überquerung eines anderen Bachs das Fahrsträsschen erreichten (kurz T3).

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (2)


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Peter23 hat gesagt: den Wolken zum Trotz ...
Gesendet am 10. Oktober 2016 um 13:29
Hallo Ivo und Lena
Das war offensichtlich ein guter Entscheid, durch zu halten und dem wohlklingenden Gipfel einen Besuch abzustatten.
Bei uns war's umgekehrt, morgens leicht bewölkt, abends Schneefall (sogar die Ebenalp ist durchgehend weiss).

Beste Grüsse
Peter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:den Wolken zum Trotz ...
Gesendet am 16. Oktober 2016 um 15:55
Hallo Peter
Ja, hier haben wir mit der Sonne nicht mehr gerechnet... Umso schöner war es dann über dem Nebelmeer. Im Alpstein scheint der Schnee schon wieder weg zu sein; wir sind heute in grosser Höhe darüber geflogen...

Beste Grüsse
Ivo und Lena


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