Pulver gut am Piz Ela


Publiziert von tricky Pro , 7. Oktober 2016 um 17:38.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Albulatal
Tour Datum: 5 Oktober 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Strecke:Preda - Val Tschitta - SO Grat - Piz Ela - Westflanke - Ela Hütte -> (Bergün)

Längere ÖV Tages-Bergtour mit Bergbuddy. Überschreitung vom Piz Ela via SE-Grat. Runter via "Normalweg" Westflanke im dunkeln, Schnee, Eis und Schotter. "Not"-Übernachtung in der Chamonas d'Ela

Mit dem ersten Zug ging es nach Preda. Noch in der Dunkelheit stiegen wir in der klaren und kühlen Morgenluft um 7:00 Uhr los via Val Tschitta. Vorbei an brünftigen Hirschen zum Fuorcla da Tschitta. Um 9:30 standen wir kurz vor dem Einstieg in die mächtig wirkende SüdOst Wand vom Piz Ela. Guter Routenbeschreib von Delta oder im Silberführer. Nach dem umgehen vom Fels-Ausläufer kommt bald die erste richtige Kletterstelle mit 4b. Dem linken Riss hoch eher links haltend zum Stand mit einer Reepschnur von einem Vorgänger gesichert. Danach gingen wir Seilfrei über Bänder und viel Schutt zum Vorgipfel. Viele stellen im ll bis lll Grat. Bohrhaken haben wir keine gefunden, ist aber mit Mobilen Sicherungen gut zu machen. Kurz vor dem Grat wird es nochmals steiler und schon sieht man den sehr zerissenen und langen Grat zum Gipfel. Am Grat wurde es nicht einfacher aber spannend. Über viele Türme, Kanten, Scharten und Platten. Mit Schnee ist das ganze ein ziemlicher Zeitfresser. Gerade die Platten, die bei Trockenheit einfach zu begehen sind, ist bei dem rutschigen Pulverschnee mehr als heikel. Immer wieder gingen wir am Seil. Teils am langen, teils sichernden Seil.
Das Ela-Loch sahen wir nicht, da der Schneemenge immer mehr wurde im Schattenteil. Die Kletterstelle gemäss Führer 5a, sahen wir eher als 4c und gut Abgesichert. Gemäss Führer sollte es nun "leicht" zum Gipfel führen, das empfanden wir definitiv nicht. Viel sehr loses und grosses Gestein musste vorsichtig umklettert werden. Auf dem Gipfel kamen wir um 16:30 an.

Es war uns schon beim Grat klar, dass der Abstieg über die geplante Mittelrippe nicht machbar war. Somit runter via Westflanke, die etwas weniger Schnee enthielt. Nach zwei Steinmänner sieht man die erste Abseilstelle, die zweite 8m gleich darunter und schon sieht man den dritten einzelnen Bohrhaken mit Abseilring. Immer wieder sehr gut vorausschauend zur nächsten Abseilpiste. Nach 5x Abseilen dann Schluss. Wo nun durch? Mein Bergbuddy fand eine sehr moderne Abseilstelle mit zwei Bolts, Kette und Abseilring in der rechten Rinne von oben gesehen. Es ist nun 18.40, die letzten Sonnenstrahlen verschwinden im Nebel der immer dichter wurde. Nach dem zweimaligen Abseilen wieder ein wechseln in die linke Rinne über alte einzelne Bolts, die aber gut befestigt sind am Fels. Unsere Stirnlampen vermochten den dichten Nebel kaum zu durchdringen. Der Schutt unter dem Schnee, zusammen mit der Dunkelheit machte das Suchen nach dem Weg sehr mühsam. Wir waren immer wieder sehr froh manchmal Steinmänner zu sehen. Über viele Bänder, die mit Eis bedeckt sind, stiegen wir vorsichtig ab. Der Abstieg wollte nicht enden. Ein Glück war es nicht so kalt, auch war kaum Wind vorhanden. Dank dem GPS fanden wir bald mal die grosse Schuttrinne Futschella. Sehr viel einfacher wurde es aber nicht. Immer auf der Suche nach dem Weg über rutschigen Schotter der, unter dem Pulverschnee oder Eis lag, zum P.2723 und durch die Schneise Richtung Hütte über Steinblöcke und... natürlich viel Schotter und Pulverschnee. 

Um 23:30 waren wir in der Hütte. Bewirtet wurden wir von einem Gast, danke dafür. Nach Tee und Suppe gingen wir Schlafen. Ich musste nicht früh raus, wie mein Kollege. So versuchte ich auszuschlafen, meine Erkältung ist nun definitiv ausgebrochen. Um 8:00 Uhr machte ich mich auf nach Bergün. Da ich keine Eile hatte, nahm ich nicht die Abkürzung, sondern den Höhenweg via d'Uglix runter nach Bergün und zurück mit der Bahn.

Fazit: So schnell kann ein Bergtour heikel werden. Schnee, Eis und Dunkelheit und schon heisst es vorsichtig und besonnen agieren. Meine Erkältung gehörte wohl dazu, wie auch der helmgrosse Stein, der auf meinen Kopf fiel. Zum Glück hat mein Helm das Gröbste aufgefangen..
Mit dabei hatten wir mein Einfachseil mit 60m. 50m wäre auch gegangen. Mein Seil ist nicht mehr von der neusten Generation. Im Schnee quilte es auf und das Handling wurde extrem mühsam. Mit dabei Schlingen und mittlere Friends. Unbedingt dabei gehört ein Helm! je nach Verhältnis auch Steigeisen.
Ich komme gerne wieder mal, aber dann zum Biken.

Tourengänger: tricky

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Geodaten
 32418.gpx Aufstieg von Preda zum SO-Gipfel

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Kommentare (2)


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Delta Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2016 um 17:59
Gratulation zu dieser schönen Tour - im Vorwinter tatsächlich nicht ohne.
Gruss Delta

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2016 um 19:47
puh, eigentlich nicht gerade die typische "1-Tages-ÖV-Tour" ...
Noch dazu bei Schnee & Dunkelheit ...
Gratuliere jedenfalls zu diesem schönen Gipfel!


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