Alpstein #2: Wagenlückenspitz - Marwees - Freiheit - Hundstein - Widderalpstöck


Publiziert von Bergamotte Pro , 5. Oktober 2016 um 12:08.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:29 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1275 m
Abstieg: 2275 m
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Bollenwees
Kartennummer:1115 Säntis

Der gestrige *Auftakt hatte mir über 2200 Aufstiegsmeter beschert. Das wird heute nicht nötig sein, starte ich meinen Streifzug durch die mittlere Alpstein-Kette doch bequem vom Berggasthaus Alter Säntis. So wartet zum Auftakt erstmal ein längerer Abstieg zur Meglisalp, gewürzt mit dem Abstecher zum Wagenlückenspitz. Nachher geht's Schlag auf Schlag im wilden Zentrum des Alpsteins: Freiheit, Hundstein und Widderalpstöck. 

Für einmal konnte ich den Sonnenaufgang ganz bequem und ohne Friererei geniessen, denn mein Zimmer im Alten Säntis war nach Osten gerichtet. Auch braucht man sich um diese Jahreszeit für das Erlebnis nicht um fünf Uhr aus den Federn zu pellen. Kurzum, ein ganz entspannter Start in meinen zweiten Alpstein-Tag. Wobei, nach dem Abstieg zur Wagenlücke wartet bald schon der erste Adrenalinschub. Kurz nach der Lücke steige ich über Schrofengelände zum Rossmad-Rücken hoch (T5). Ehrensache, dass ich bei dieser Gelegenheit auch beim Wagenlückenspitz (2130m) vorbeischaue. Das ist schnell erledigt, wenn man denn den luftigen Verbindungsgrat nicht scheut (knapp T6). Dritter Bucheintrag in diesem Jahr. Natürlich geniesst man hier einen vorzüglichen Blick über den (gestern begangenen) Säntis-Ostgrat.

Die Überschreitung der Rossmad nach Nordosten bereitet keine Schwierigkeiten. Die zahlreichen Felsaufschwünge können angenehm über eine breite, durchgehende Grashalde auf der Südseite umgangen werden. Bei der Ageteplatte (1896m) treffe ich wieder auf den Bergwanderweg und folge ihm runter zur Meglisalp und gleich wieder hoch zum "Bötzel" (1865m). Der gleichnamige Kopf lässt sich von hier in wenigen Minuten erreichen und bietet schöne Blicke runter zur Meglisalp und zur gegenüberliegenden Marwees. Da ich früh dran bin, statte ich dem Hauptgipfel ebendieser Marwees (2056m) ebenfalls einen Besuch ab. Ab Widderalpsattel geht das ganz zügig. Gerne denke ich bei dieser Gelegenheit an meine Skibegehung diesen Winter zurück (*klick).

Zurück im Sattel und beim deponierten Gepäck beginnt der spannende Hauptteil der Tour. Bereits der wbw-markierte Aufstieg durch die Schlucht Richtung Hundstein ist ein Erlebnis. Die Schwierigkeiten bewegen sich im Bereich T5/II, etwas problematisch ist bei viel Verkehr die Steinschlaggefahr. Möchte man wie ich zuerst auf die Freiheit, steigt man ganz hoch in die Scharte. Ab hier kletternd durch eine Rinne zu einem unauffälligen Sättelchen. Der Normalweg weicht nun in die Nordflanke aus (schwache Trittspuren, rote Markierungen), was ich im Abstieg mache. Im Aufstieg überklettere ich den Felsgrat direkt, das ist eine ausgesetzte II. Im Anschluss treffe ich wieder auf den Normalweg und folge ihm über den kurzen Schlussaufschwung zum grosszügigen Gipfelplateau der Freiheit (2140m). Mittagsrast.

Zurück in der Scharte klettere ich direkt Richtung Hundstein (2157m) hoch (kurz T6-), das dauert nur wenige Minuten. Pausiert habe ich bereits zuvor, als geht's gleich weiter Richtung Widderalpstöck. Die westlichen drei lassen sich ab dem Alpinwanderweg relativ zügig erreichen. Kurz vor der Scharte vom "Hauptgipfel" (2066m) mache ich eine äusserst erfreuliche Begegnung mit einem vorwitzigen Rudel Steinböcke. Die Tiere stehen keine fünf Meter von mir entfernt und zeigen keine Scheu; im Gegenteil, neugierig recken sie ihre Hälse in meine Richtung. Den Gipfel gewinn ich durch die kurze, prägnante Felsrinne, was ein paar kräftige Züge erfordert (III-). Im Abstieg halte ich mich an die einfachere Normalvariante, sprich folge einem Grasband auf der Nordseite, welches wenige Meter unterhalb der Scharte endet. Ein direkter Abstieg nach Osten ist leider nicht möglich.

Der "Mittelgipfel" (2058m) bildet den eindrücklichsten aller Widderalpstöcke. Man gewinnt ihn durch die gut gestufte Südwestflanke, bei vernünftiger Routenwahl kommt man mit einer moderaten T5 durch. Oben folge ich dem Grat noch etwas nach Osten (teils ausgesetzt), was sich angesichts des Tiefblicks Richtung Sämtisersee durchaus lohnt. Zuvor hatte ich übrigens noch den "Namenlosen Turm" (ca. 2020m) besucht, was einem winzigen Abstecher über Steilgras entspricht. Den Fähnligipfel behalt ich mir für eine andere Gelegenheit auf, denn er erfordert einen beträchtlichen Wiederaufstieg. Stattdessen geniesse ich auf der Terrasse vom Berggasthaus Bollenwees - aussen rustikal, innen topmodern - die letzten Sonnenstrahlen.


Zeiten
1:00  Rossmad
1:00  Meglisalp
1:30  Marwees
1:00  Freiheit
1:15  Widderalpstock Hauptgipfel
0:40  Bollenwees

Und so geht's weiter: *Alpstein #3: Kreuzberge - Mutschen - Gätterifirst - Chreialpfirst

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (2)


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carpintero Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2016 um 14:41
Da hast Du ein weiterer beneidenswerter Tag im Alpstein verbracht! Bei den Tieren mit dem vorwitzigen Kitz handelt es sich um Steinböcke (Geissen mit ihren Kitzen) - nicht etwa um Gämsen, die sind in der Regel sehr viel scheuer und sehen anders aus. ;-)

Gruss Simon

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Oktober 2016 um 16:07
Ich hab da irgendwie ne Lernschwäche in diesem Bereich... ;-)


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