Lagginhorn


Publiziert von Frangge , 2. Oktober 2016 um 16:39.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:29 September 2016
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 1600 m

Der Spätsommer (oder der frühe Herbst?) 2016 zeigt sich von der besten Seite und so kann der späte September für eine letzte Hochtour der Saison genutzt werden. Der Hüttenwart der Weissmieshütten bestätigt, dass die Bedingungen am Lagginhorn noch gut sind und so machen wir uns auf nach Saas Balen.

Wir möchten beide Tage zu Fuss auskosten und dabei dem Lagginhorn 'ehrlich' zu Leibe rücken. Eine Nachmittagswanderung statt einer Gondelfahrt steht also auf dem Programm. Das hat auch den Vorteil, dass wir das Skigebiet für die meiste Zeit des Hüttenaufstiegs nicht zu Gesicht bekommen. Auf dem Weg von Saas Balen über Matt und Heimischgartu bekommen wir eine immer umfassender werdende Sicht auf die Mischabelgruppe und die 4000er um Saas Fee. Wolkenfreier Himmel und eigentlich noch sommerliche Temperaturen lassen die Vorfreude auf den Gipfeltage steigen.

Wir queren zur Bergstation Kreuzboden und nehmen die letzten 300 Höhenmeter zu den Weissmieshütten unter die Füsse, das dann leider mitten im Skigebiet. Dort machen wir es uns im Winterraum gemütlich und entscheiden uns, gegen sechs Uhr loszulaufen und statt über den kompletten WSW-Grat, den Normalweg über den Lagginhorngletscher zu gehen. (Hüttenzustieg ab Saas-Balen T3)

Dank des späten Zeitpunkts in der Saison und der Tatsache, das wir Do/Fr unterwegs sind, werden am folgenden Tag nur sechs Personen (uns eingeschlossen) zum Lagginhorn gehen.

Am nächsten morgen geht es im Schein der Stirnlampen los. Es hätte durchaus Sinn gemacht, am Abend zuvor kurz zu schauen, wo genau der Weg entlang führt, es gibt durchaus einige Pfade und Fahrwege, da man sich noch im Skigebiet befindet. So haben wir am Anfang im Dunkeln und bei Neumond noch einen kleinen Umweg gemacht. Die erste Zweierseilschaft ist uns bereits weit voraus und auch durchaus zügiger unterwegs.

Am geschicktesten hält man sich am südlichen Rand des Gletscherbaches und steigt zur Moräne hinauf. Hier werden wir dann noch im Dunkeln von zwei weiteren 'Glühwürmchen' überholt. Der Pfad zum Lagginhorngletscher ist dann kaum zu verfehlen. Auf dem Gletscher sind wir dann der deutlichen Spur zum nördlichen Ende des Gletschers gefolgt. Hier war es dann hell genug, um erkennen zu können, dass die beiden 'Glühwürmchen' ohne jegliches Material unterwegs waren. Später stellt sich heraus, dass die beiden in Turnschuhen das Lagginhorn bestiegen haben.

Nach dem Gletscher sind wir in den Geröllhang, der zum WSW-Grat führt, gestiegen. Hier findet man Wegspuren, Steinmänner, ab und an verblassende rote Punkte am Fels und Steigeisenkratzer zuhauf, die einem die Route weisen. Oft gibt es verschiedene Möglichkeiten, teils kraxelnd bergauf zu kommen, wirklich geklettert wird nicht. Wer ein wenig die Augen offen hält, sollte bei der Routenfindung kein Problem haben, das Lagginhorn ist ja alles andere als ein Geheimtipp und dementsprechend deutliche Wegspuren findet man.

Auf dem Grat haben wir uns ab einer Höhe von ca 3500MüM mehrheitlich auf Schnee fortbewegt. Der war schön fest und eine deutliche Spur hat dafür gesorgt, dass wir angenehm haben gehen können. Die in anderen Berichten erwähnte Schlüsselstelle (Platte, Kletterstelle 2b) war eingeschneit und mit Pickel und Steigeisen einfach und ohne zu klettern zu bewältigen. Nichtsdestotrotz ist die Stelle recht abschüssig und wer ausrutscht, kann weit und tief rutschen. Hier ist es sicher noch heikler, wenn vereist. Ich hätte hier auf gar keinen Fall auf Pickel und Steigeisen verzichten wollen! Die letzten knapp 400 Höhenmeter waren dann fast durchwegs Gehgelände in schönem Trittfirn, wobei ich zum Schluss hin dann doch recht ins Schnaufen gekommen bin.

Nach intensivem Gipfelschauen und einigen Photos verlassen wir den frischen und windigen Gipfel wieder und steigen zügig auf gleichem Weg wieder ab, was zunächst recht flott geht. Im Block- und Kraxelgelände etwas tiefer am Grat geht es dann leider etwas langsamer... Kurz vor dem Gletscher tauschen wir dann die Mützen gegen die Helme aus. Vorsicht Steinschlag! Der Abstieg über den Gletscher ist wieder eine flotte Sache und die restlichen Höhenmeter zu den Weissmieshütten ebenso - jetzt sehen wir auch, wo wir uns in der Dunkelheit etwas verhauen haben. Wir erreichen die Seilbahnstation Kreuzboden und lassen uns nach Saas Grund gondeln. So sehr ich über das Skigebiet schimpfe, so sehr freuen sich meine Blasen an den Füssen, dass sie nicht noch 800 Höhenmeter absteigen müssen.

Auf diesem Weg dann nochmals ein dickes Dankeschön die schnelle Lagginhorn-Seilschaft für das Mitnehmen nach Visp. Viel Erfolg und Freude am Projekt 48 x 4000!

Die nun sicher letzte Hochtour 2016 war ein wunderschönes Bergerlebnis, beide Tage haben sehr viel Freude bereitet, ich bin zuversichtlich, dass es meinem Berggspänli da genauso geht. Besonders an der Tour waren für mich der schöne Abend im kaum belegten Winterraum, zwei Tage bei wolkenlos warmen Wetter umgeben von 4000ern verbringen zu dürfen und die ganz besondere Stimmung am Gipfel. Einzig die beiden 'Glühwürmchen' haben mich ein wenig nachdenklich gestimmt. Sie waren doch eher unbedarft unterwegs und ich würde es sogar als leichtsinnig einschätzen. 

Tourengänger: Frangge


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