Allein am Gornergrat


Publiziert von GetHigh , 28. September 2016 um 20:00.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:26 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 50 m
Abstieg: 1150 m
Strecke:Gornergrat - Riffelsee - Gagenhaupt -

Am dritten Tag unserer Zermatt-Ferien war der Gornergrat an der Reihe. Wenn man sein Geld in Zermatt für eine der teuren Bergbahnen verschleudern will, dann am besten für die Gornergratbahn. Die Aussicht lohnt sich absolut, mir persönlich gefällt der Blick auf die Viertausender und Gletscher der Zermatter Bergwelt von dort oben am besten. 

Die Fahrt mit der Gornergratbahn ab Zermatt dauert ca. 1h, wir waren ca. um 12:00 oben. Die Aussichtterasse oberhalb der Bergstation war natürlich Pflicht, erstens hatten wir wieder Bilderbuchwetter und zweitens kann man mit einem Fernglas überall Alpinisten auf den Gipfeln und auf dem Monte-Rosa-Hüttenweg erspähen. An diesem Tag schienen Breithorn, Allalinhorn und Dufourspitze besonders beliebt zu sein, wen wundert's. Nach ca. 30min und gefühlten 100 Fotos liefen wir dann los. Auf 3100m Höhe war noch gemütliches T-Shirt-Wetter angesagt. 

Der Wanderweg hinab zum Riffelsee ist ausgesprochen langweilig, weil Skipiste und/oder Versorgungsstrasse. Zudem war er völlig überfüllt. Daher nahmen wir nach wenigen Metern links eine Abzweigung die zu einem meines Wissens namenlosen Hügel führt. Dabei waren ca. 30 Höhenmeter zu überwinden. Zuoberst gab es keinen Weg hinunter zum Riffelsee, aber da das Terrain nicht steil war, suchten wir unseren eigenen Weg, sodass wir zu ca. 20min T3+-Spass kamen. Unsere Hoffnung nach irgendeiner Gämse o.Ä. erfüllte sich leider nicht, dafür war es mucksmäuschenstill. Dies änderte sich rasch wieder, als wir dem Riffelsee näher kamen.

Der Riffelsee ist wegen der Matterhornreflexion ein beliebtes Fotosujet und auch wegen seiner Nähe zu den Stationen Gornergrat und Rotenboden tummelten sich hier Touristen aus aller Herren Länder. Ca. 5min unterhalb des Riffelsees existiert ein kleinerer, namensloser, aber photographisch weitaus schönerer See. Der weitere Weg zum Gagenhaupt war bis auf sechs Schwarzhalsziegen und ein paar Blumen uninteressant. Der Weg selbst ist bis auf ein kleines Stück gut ausgebaut und breit genug, obwohl der Hang zur Gornerschlucht z.T. doch recht abschüssig ist. Aber selbst Chinesen in Turnschuhen schafften das. Dasselbe gilt auch für den weiteren Verlauf bis Dristelen, wo sozusagen die Direttissima zur Gornerbach abzweigt. 

Das Teilstück zw. Dristelen und dem Gornerbach war das mit Abstand schönste Stück dieser Wanderung. Wir waren KOMPLETT alleine und folgten dem Weg, der zuerst flach, dann zunehmend in Serpentinen zur Waldgrenze abzweigt, wo wir eine knappe Stunde Pause machten. Der Schatten des herrlich duftenden Lärchenwald war genau das Richtige zur Mittagspause. Danach schwingt sich der Weg in engen Kurven den Wald hinunter, sodass man schnell Höhe verliert. Der Weg ist z.T. recht eng und von grossen Steinen (inkl. Stufen von bis zu 50cm) durchsetzt ist, sodass gutes Schuhwerk und trainierte Knies von Vorteil sind. Im untersten Teil wandert man durch das Gletschervorfeld des Gornergletschers, der mit der Zunge noch um 1840 praktisch bis zum Furi zu liegen kam. Eine traurige Tatsache, wenn man bedenkt, dass man den Gletscher unten vom Gornerbach aus heute gar nicht mehr sehen kann. Das gilt nicht für die Seitenmoränen, wo man die maximale Mächtigkeit des Gletschers noch gut erahnen kann.

Dem Gornerbach entlang führt eine Kiesstrasse, die vom Furi bis zum Gletschertor reicht. Da es von hier aus selbst ein blinder Esel mit Gleichgewichtsstörungen zum Furi schafft, schliesse ich hier meinen Bericht und erwähne nur noch die Hängebrücke, die sich oberhalb der Station über die Gornerschlucht spannt. Der Weg über diese Brücke ist entsprechend ausgeschildert, sie kann aber auch umgangen werden, falls man nicht schwindelfrei ist und dennoch aufs Gondeli muss!

Cheers,
GetHigh

P.S.: Fotos folgen.
P.S.S.: Kann mir jemand erklären, inwiefern eine Matterhornbesteigung um 14:30 Uhr noch Sinn macht? Habe mit dem Feldstecher eine Dreierseilschaft knapp oberhalb der Solvayhütte gesehen, die definitiv noch auf den Gipfel wollten...



Tourengänger: GetHigh



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