Surenenwanderung mit Abstechern (Eggenmanndli 2448 m)


Publiziert von Fico , 18. Oktober 2016 um 22:21.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-OW 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1000 m
Strecke:Brüstli (Bergstation) - Angistock (2073 m) - Surenenpass - Eggenmanndli (2448 m) - Hobiel - Fürenalp (Bergstation) - Engelberg (ca. 22.5 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Attinghausen Seilbahn, Luftseilbahn Attinghausen-Brüstli
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Engelberg Luftseilbahn Fürenalp
Unterkunftmöglichkeiten:Alp Hobiel alp-hobiel-surenen.ch/
Kartennummer:1191 Engelberg

Der Surenenpass als Übergang zwischen dem Reusstal und Engelberg ist ein beliebtes Wanderziel. Die Seilbahn von Attinghausen aufs Brüstli verkürzt die Tour um 3 ½ Stunden und rund 1000 Höhenmeter Aufstieg. Es sind auch so noch gut 7 Stunden Wanderzeit und etwas mehr als 20 km, die unter die Füsse genommen werden wollen. Schmückt man die Passwanderung zudem mit ein paar Abstechern, die sich längs des Weges geradezu anbieten, dauert es nochmals ein wenig länger. Man kann sich dafür 700 Höhenmeter Abstieg sparen, indem man von der Fürenalp bequem ins Tal gondelt. Von dort hätte es ausserdem – sofern man vor 17.22 Uhr ankommt – eine Busverbindung nach Engelberg. Kurzum, es gibt viele Möglichkeiten, die Surenenwanderung nach eigenem Gutdünken zu gestalten.
 
An einem schönen Herbstsonntag ist man in den Bergen selten allein. Das gut gefüllte Postauto von Altdorf nach Attinghausen macht klar, dass andere die gleiche Idee gehabt haben wie ich. Eine Menschentraube staut sich vor der Seilbahn. Da eine Kabine nur vier Personen aufnehmen kann, braucht es einige Zeit, bis sich der Stau aufgelöst hat. Wer drängelt, ist kaum wesentlich schneller oben. Die Fahrt bis zur Mittelstation ist nur kurz. Dort stehen die Leute ein zweites Mal an, bis sie in der nur wenig grösseren Kabine für die obere, gut dreimal so lange Seilbahnsektion einen Platz ergattern. Im dichten Menschengedränge zu stehen, zumal am Ausgangspunkt einer Wanderung, ist für mich fast unerträglich. Da lasse ich lieber den andern den Vortritt und benötige dafür eine satte Stunde, bis ich endlich oben ankomme und losmarschieren kann.
 
Die kleinen Seilbahnkabinen haben wie eine Art Tropfenzähler gewirkt, um die stattliche Wanderschar mit dem Ziel Surenenpass wohldosiert der freien Natur zu übergeben. Nicht auszudenken, wenn alle, die vorher im Postauto sassen, sich zur gleichen Zeit in Einerkolonne auf den Weg gemacht hätten! Im Weiteren sorgt das individuelle Marschtempo dafür, dass die Leute bald einmal gut verteilt sind. Der Weg über den Grat Richtung Angistock ist eine schöne Höhenwanderung. Die schroffen Felswände von Blackenstock und Brunnistock vor Augen, gegenüber die Kette zwischen Schlossberg und Hoch Geissberg, nach Osten der weite Blick ins Schächental und auf den Urnersee. Im kleinen Weiher, aus dem der Angibach entspringt, spiegeln sich die Berge und der blaue Himmel.
 
Nach fast anderthalb Stunden verlasse ich den Wanderweg für meinen ersten Abstecher. Der Angistock (2073 m) hat auf seiner östlichen und südlichen Seite steil abfallende Wände. Gegen Nordwesten ist er ein flacher Hügel, dessen höchster Punkt vom Wegweiser auf 2060 m Höhe weglos in wenigen Minuten erreicht werden kann. Nichts markiert den eigentlichen Gipfel, der darum nur schlecht zu erkennen ist. Ich lege mich ins trockene Gras. Mein zweites Gipfelziel vor Augen mache ich Mittagsrast. Kein Mensch mehr weit und breit! In der Ferne grüssen aus ungewohnter Perspektive bekannte Gipfel: Schärhorn, Chammliberg, Clariden und weiter hinten der Tödi.
 
Von der Anhöhe des Angistock aus sieht man gut die beiden Varianten, die sich für die Fortsetzung der Tour anbieten: Unten der markierte Wanderweg, weiter oben im Geröllfeld ein zweiter Weg, der sich kurz vor dem Surenenpass wieder mit dem ersten vereinigt. Ich wähle den oberen Weg, vermeide so einen kurzen Zwischenabstieg und bin erwartungsgemäss allein hier. Obwohl ohne Markierungen ist es ein richtiger Weg, der gut zu begehen ist. Auch die Streckenabschnitte im Geröll sind schön planiert. Wieder auf dem offiziellen Wanderweg geht es noch ein Stück etwas steiler hinauf, dann ist der Surenenpass (2291 m) erreicht.
 
Von der Passhöhe führen ausgeprägte Wegspuren hinauf zum Eggenmanndli (2448 m), meinem zweiten Abstecher. Ein grosses Steinmannli steht auf dem Gipfel, der auch sonst gut zu erkennen wäre. Denn hier ist der Weg zu Ende, die Fortsetzung Richtung Altisfurggi und Breitstock sieht wenig einladend aus. Obwohl das Eggenmanndli vom Surenenpass aus in weniger als einer halben Stunde bestiegen ist und eine lohnende Rundsicht bietet, scheint es nicht viel Besuch zu bekommen. Während meiner Gipfelrast kommt bloss noch ein anderer Wanderer, während unten auf dem Pass ganze Karawanen vorbeziehen. Eine grössere Gruppe Mountainbiker macht sich bereit zur Abfahrt. Wehe denen, die noch im Aufstieg zur Passhöhe sind!
 
Vom Eggenmanndli aus entdecke ich ein weiteres Gipfelziel, das ich auf der Karte als Turm (2367 m) zu identifizieren glaube. Es sieht machbar aus und wenn ich Wegspuren fände, die ohne grossen Höhenverlust hinleiten, wäre ich bald einmal dort. Keine gute Idee, wie sich bald einmal herausstellen sollte. Zumal so ganz spontan und ohne jegliche Vorbereitung. Zurück auf dem Pass bin ich zwar schnell wieder, dann folge ich vermeintlichen Wegspuren. Nach kurzer Zeit und dem zweiten, ebenfalls kleinen und harmlosen, Ausrutscher im Geröll – kaum einen Kratzer erleide ich – sehe ich noch rechtzeitig die Sinnlosigkeit meines Vorhabens ein. Nun suche ich Wegspuren, die nach unten führen. Auch diese sind eher gedanklicher als realer Natur. Gelegentliche Hufeindrücke im Boden machen klar, dass sich kaum je ein Zweibeiner hierhin verirrt, ausser vielleicht einem Hirten, der seine verlorenen Schafe sucht.
 
Ganz umsonst ist mein dritter Abstecher trotzdem nicht. Alsbald befinde ich mich auf einer Art Hochebene mit verschiedenen kleinen Seen, an deren Rändern zahlreiche weisse Blumen blühen, die wie Wattebausche aussehen. Was für eine liebliche Gegend hier am Übergang zu Geröll, Firn und Felswänden! Einsame Stille, einzig der Pfiff eines Murmeltiers ertönt: „He, da kommt einer!“ Es wäre schön hier zu verweilen, wenn es die Zeit erlauben würde. Inzwischen ist es 15 Uhr und bis Engelberg braucht man gemäss Wegweiser auf der Passhöhe mehr als 4 Stunden. Mit andern Worten höchste Zeit, einen Weg aus dem kleinen Paradies zurück auf den Wanderweg zu finden. Das gelingt mir nun erstaunlich schnell. Wiederum folge ich Hufspuren, die bald so zahlreich sind, als hätte hier kürzlich eine Alpabfahrt stattgefunden. Von einer kleinen Anhöhe aus sehe ich bereits den breiten Weg.
 
Mein nächstes Ziel ist der Zvieri in der Alpwirtschaft Hobiel, die ich vor einem Jahr entdeckt hatte. Die einfache, köstliche Bewirtung und die Herzlichkeit der Leute sind mir in bester Erinnerung geblieben. An einen solchen Ort kehrt man gerne zurück. Bis dorthin allerdings sind es gute fünf Kilometer und mehr als eine Stunde Wanderzeit. Inzwischen sind immer mehr Wolken aufgezogen. Die Sonne zeigt sich nur noch ab und zu. In dunkle Wolken gehüllt wirken die Bergketten düster und bedrohlich. Am Morgen bei der Seilbahn habe ich ein Kombi Billet gelöst, mit dem ich von der Fürenalp hinunter fahren kann. So liegt meine Raststätte direkt am Weg zur Fürenalp. Eine Spezialität des Hauses ist die „Urner Pastete“ mit Rosinen im Mürbeteig, vor Ort im Holzofen gebacken. Dazu hätte ich gerne, wie letztes Jahr, ein Glas frische Alpenmilch getrunken. Diese gibt es diesmal leider nicht. „Die Tiere sind schon alle unten!“ Ein klares Zeichen, das die Alpsaison zu Ende geht. Und schon bald, noch bevor der erste Schnee fällt, wird gar niemand mehr hier sein.
 
Mit der Seilbahn von der Fürenalp ins Tal erspart man sich rund 700 Höhenmeter Abstieg. Dafür muss man nochmals etwa 150 Höhenmeter Aufstieg in Kauf nehmen. Für die mehr als zweieinhalb Kilometer lange Strecke braucht man rund 45 Minuten. Das ist gut zu wissen, wenn man relativ spät dran ist und die Zeit langsam knapp wird. Zum Glück fährt bis Ende September die letzte Seilbahn erst um 18 Uhr. Sonst wäre es ziemlich stressig geworden. Kurz nach halb sechs komme ich auf der Fürenalp an. In einer Woche hätte ich um diese Zeit die letzte Fahrt verpasst. Dass bei der Talstation kein Bus mehr fährt, ist nicht weiter tragisch. Die Strecke bis nach Engelberg ist zwar nochmals fast fünf Kilometer lang, aber weitgehend flach und verläuft – wenn man beim Parkplatz nicht dem gelben Wegweiser folgt – idyllisch im Wald und der Engelberger Aa entlang.
 
Um Viertel vor sieben bin ich am Bahnhof in Engelberg, früh genug für den Zug nach Luzern, der jeweils zur vollen Stunde fährt. Seit dem Abmarsch am Morgen sind ziemlich genau 9 ½ Stunden vergangen. Schon bald geht die Sonne unter. Alle die andern, die mit mir auf die Seilbahn warteten, sind vermutlich längst zu Hause, wenn sie die gleiche Wanderung auf direktem Weg, ohne Abstecher gemacht haben. Für mich jedoch sind solche Abstecher wie das Salz in der Suppe und machen den Reiz dieser Tour aus.

Tourengänger: Fico


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