Melchsee-Frutt Deluxe


Publiziert von Bergamotte Pro , 26. September 2016 um 13:14.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:22 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Westliche Melchtaler Alpen   CH-OW   CH-BE   Östliche Melchtaler Alpen 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:23km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:LSB Stöckalp - Melchsee-Frutt
Kartennummer:1210 Innertkirchen

Das Melchtal hab ich diesen Sommer ausgiebig erkundet. Der Alpinwanderer findet hier alles, was sein Herz begehrt. Besonders eignet sich das Gebiet für ambitionierte Überschreitungen, meine liebste Voralpendisziplin. Heute zog es mich Richtung Melchsee-Frutt, welche mit einer Höhe von 1900m einen idealen Ausgangspunkt für lange Rundtouren abgibt.

Start um 8:40 bei der Station Melchsee-Frutt (1902m). Natürlich entspricht der Touristenzirkus hier oben nicht meinen Idealvorstellungen, doch wie sich der Gipfelkranz im stahlblauen Melchsee spiegelt, sucht seinesgleichen. So vertrödle ich viel Zeit mit Fotografieren. Anschliessend zügig über den Bergwanderweg aufs Balmeregghorn (2255m). Von der Nordseite gibt der Gipfel, welcher zudem durch einen Skilift verschandelt ist, wenig her. Doch öffnet sich erstmals der Blick auf Finsteraarhorn, Wetterhorn etc - ab sofort meine ständigen Begleiter.

Normalerweise folgt man nun dem wbw-Pfad aufs Rothorn. Ich hingegen möchte noch bei den Planplatten vorbeischauen und quere deshalb ziemlich höheneffizient auf der Südostseite der Kette. Das ist Teil der äusserst beliebten Höhenwanderung Planplatten - Melchsee-Frutt, ganze Horden kommen mir an diesem schönen Herbsttag entgegen. Die Planplatten (2245m) - kein Gipfel, sondern ein Grat - lassen sich per Seilbahn erreichen und bieten einen einmaligen Blick auf die Berner Hochalpen. 

Damit ist der touristische Teil des Tages abgeschlossen und ich beginne meinen einsamen Gipfelritt. Ein markierter Alpinwanderweg führt über den südlichen Gratausläufer vom Rothorn. Dabei überschreitet man die wenig bekannten Erhebungen Rote Nollen (2329m), Höhi Egg (2439m) und Läuber (2491m). Die Schwierigkeiten auf dem grasigen Grat sind bescheiden, T4-. Der kurze Schlussaufschwung zum Rothorn (2526m) wird etwas steiler, die T4 wird aber noch nicht überschritten. Kurios: Auf dem Gipfel sitzt bereits ein Wanderer bloss in eine Unterhose gekleidet...

Als nicht ganz trivial erweist sich der folgende Abstieg über den Nordgrat (T5). Technisch schwierig ist das nicht, aber an einigen Stellen ziemlich ausgesetzt. Die Toleranz bei einem Stolperer ist hier sehr klein. Und der Untergrund wird bei Restnässe unangenehm schmierig. Im unteren Bereich helfen dann Drahtseile über heikle Stellen hinweg. Ohne den Weg und die Hilfsmittel wäre das eine ernsthafte Angelegenheit, der Clubführer von 1996 empfiehlt sogar Seilsicherung.

Auch im Wiederaufstieg zum Glogghüs (2534m) finden sich kurze Stellen bis T5-, aufgrund des grasigen Untergrunds und der Südexposition ist diese Passage trotzdem viel angenehmer zu gehen. Oben pausieren bereits zwei Damen und auch meine Mittagsrast ist längst überfällig. Der höchste Punkt des Tages bietet eine lohnende Rundumsicht. Die Hochalpen im Süden stecken leider schon bald in den Quellwolken, so erfreue ich mich halt an den wilden Melchtaler Alpen, die ich mittlerweile sehr gut kenne.

Der Abstieg Richtung Norden erfordert nochmals etwas Konzentration, verläuft aber deutlich harmloser als zuvor und vor allem weniger ausgesetzt. Den wenig markanten Fulenberg (2382m) kann man bei Bedarf unschwierig über Weidegelände überschreiten, wobei der Bergwanderweg den höchsten Punkt auf der Westseite umgeht. Der kurze Wiederaufstieg zum Hochstollen (2481m) ist bestens ausgebaut und überschreitet die T3 nirgends. Gleiches gilt für den Abstieg nach Abgschütz (2263m)

Eigentlich wär nun der perfekte Moment, um die Tour zu beenden. Doch das Sahnehäubchen steht mir noch bevor. Ich folge dem zunächst harmlosen Grasrücken Richtung Haupt, ab P. 2168 blau-weiss markiert. Zu meiner Linken passiere ich die Europaleiter, welche einen Direktaufstieg von der Älggialp ermöglicht. Das ist nun definitiv kein Kinderspielplatz, Länge und Ausgesetztheit sind erheblich, ähnlich wie bei der Rotbandleiter. Es kann mit einem Klettersteigset gesichert werden. Auch ohne Leiter gewinnt der Weiterweg nun an Würze: Den Murmelchopf umgeht man etwas ausgesetzt auf dessen Südseite, weil er auf der Ostseite senkrecht abbricht. Anschliessend kurzer Abstieg durch eine enge Felsrinne (Drahtseile), Verrenkungen und Flüche inklusive. Auch der Wiederaufstieg Richtung Gipfelaufbau ist an verschiedenen Stellen mit Hilfsmitteln ausgerüstet, definitiv kein Luxus. Nach einem letzten kurzen Aufschwung erreich ich das kleine Gipfelplateau und erklettere den höchsten Punkt vom Haupt (2312m). Gesamtschwierigkeit: T5/II, grösstenteils Südexposition.

Die Batterien sind leer, genau wie die Vorräte. So pausiere ich nicht lange, sondern steige zurück zu P. 2168, von wo der Alpinwanderweg nach Tschugglen runterführt (T3). Dort verbleiben zwei Kilometer in leichtem Auf und Ab retour zum Ausgangspunkt Melchsee-Frutt (1902m).


Zeiten
1:00  Balmeregghorn
0:55  Planplatten
1:45  Glogghüs
0:55  Hochstollen
1:15  Haupt
1:10  Melchsee-Frutt

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (2)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 27. September 2016 um 13:28
Du bisch gottfriedli scho ä Maschine :-) Ganz cooli Tour häsch da mal wieder anebrätteret :-)

Wenn denn mal e Schussverletzig (vielicht sogar vo somene dumme Jäger) häsch und nur na mit eim Bei unterwägs chasch si, denn chum i denn gern mal wieder mit - denn han i wengischtens e Chance zum naacho ;-)

Wiiter so, erste Sahne Dini Tourewahl!

Cheers
bombo

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. September 2016 um 19:58
Du übertreibst wieder mal masslos, mein Guter. Die Ehre, mit Dir unterwegs zu sein, läge ganz auf meiner Seite. Schliesslich bist Du nun TL, herzliche Gratulation!


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