Eisklettern im Contrahierbas-Massiv


Publiziert von frmat , 19. September 2016 um 18:39. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Peru
Tour Datum:24 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Eisklettern Schwierigkeit: WI2
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 550 m
Abstieg: 550 m

Das Contrahierbas-Massiv zählt zu den wenig bekannten und kaum begangenen Berggruppen in der Cordillera Blanca. Der Berg besitzt ausschließlich anspruchsvolle Routen mit schwierigem Zustieg. Uneins ist man sich über die Höhe: Die Angaben schwanken zwischen 5956m und 6036m. Der Gipfel schließt die Quebrada Ulta nach Nordosten hin ab und fußt mit seinem Südwestgrat im 4890m hohen Pass Punta Olympica. Eben jener Südwestgrat trägt eine ganze Reihe mehr oder weniger selbstständige Gipfel, von denen der erste der 5150m hohe Nevado Mateo ist. Dieser kleine Eistrabant wird von lokalen Bergführern gern als Trainingstour für größere Vorhaben genutzt und ist als Tagestour von Huaraz aus zu machen. Hätten wir früher von dem Berg gehört, hätten wir uns den *Maparaju vielleicht gespart und uns hier akklimatisiert. So wird es eben eine schöne Abschlusstour mit spaßiger Kraxeleinlage bevor sich die Wege des Expedteams zwischen Grün und Weiß, zwischen Jungel und Eis trennen.
 
Top motiviert aber äußerlich schlaftrunken besteigen wir um vier Uhr morgens das Taxi, welches uns in die Quebrada Ulta bringt. Neben unserem bewährten Führer Cesar ist wie auch am *Ishinca sein Bruder Miguel am Start, der die Mädelsseilschaft führen wird. Durch das nächtliche Huaraz fahren wir nach Norden bis Carhuaz, dann biegen wir rechts in die Kordillere ab und fahren – oh Wunder – über eine exzellente Teerstraße weiter. Auf etwa 4600m beginnt der neue Tunnel, der den früher üblichen Passübergang entschärft. Linkerhand befindet sich ein Wanderparkplatz, auf dem schon einige andere Autos stehen, es ist jetzt sieben Uhr und hell. Noch weht draußen ein eisiger Wind, der uns zum Frühstück und Klamotten nachlegen in den Bus zwingt.
Gegen halb acht brechen wir schließlich auf und beginnen den Zustieg zunächst leicht absteigend, dann über einen offensichtlichen Pfad wenig ausgesetzt hinauf zu einigen Gletscherschliffplatten (T3). Nach einer guten Stunde erreichen wir den Gletscherrand, der aktuell bei etwas über 4950m liegt. Über uns lugt der kecke Gupf auf uns herab, vier Seillängen sind es bis zum Gipfel. Wir legen Gurt und Eisen an und freuen uns auf die Dinge, die da kommen.
Der Beginn ist nicht sonderlich hart, 45° steiles Gelände nehmen wir nach dem *Tocllaraju beinahe als Flachpassage wahr, bloß die Waden erinnern uns doch daran, dass auch der kleine Mateo ernst genommen werden will. Konzentration ist hier durchgehend gefragt. Die 2. SL führt über eine Gletscherterrasse an den Gipfelaufbau heran. Nun geht’s los: Ein zapfiger Aufschwung führt uns auf einen Grat und zwischen einige Seracs. Von hier bieten sich besonders schöne Ausblicke zum Chopicalqui. Eine kurze überhängende Passage will überwunden werden, so macht Eisklettern wirklich Spaß. Die letzte SL führt uns schließlich zum überwechteten Gipfelgrat und ausgesetzt zum höchsten Punkt. Wir traversieren die Gipfelwechte und steigen jenseitig einige Meter hinab auf einen breiteren Absatz, auf dem ca. 8 Leute Platz haben. Zeit für eine Pause (gesamt 3h, ZS).
Wir genießen die Aussicht zum Huascaran, Contrahierbas und zum schönen Nevado Ulta, der von hier aus besonders beeindruckt. Ein schöner Geheimtipp und ein toller Abschlussberg für unsere Reise, die für alle noch einen Höhepunkt bieten wird.
Der Abstieg gestaltet sich kurzweilig. Unsere Führer definieren den 45° Hang im Abstieg zum Spaziergelände, wir allerdings nicht. Unsere Nerven verlangen beim Blick in die Tiefe nicht nur nach moralischer Sicherung, sodass wir – nach einiger Überzeugungsarbeit – endlich auch eine Eisschraube platziert wissen. Vom Gletscherrand wandern wir gemütlich zurück, gönnen uns zum Schluss noch eine 50m-Abseilpartie über einen Felsüberhang und kommen mit tollen Eindrücken zurück nach Huaraz. Ganz nebenbei haben wir auch eine Menge über Sicherungstechnik im Eis lernen dürfen, also ein rundum gelungener Ausflug.
 
Abends besteigen wir noch den Tamboraju (El Tambo), ein besonders hartes Ding kann ich sagen, der mehr Kopfschmerzen macht, als seine hohen Nachbarn, besonders weils im Basecamp nur Pisco Sour gibt. Allerdings war auf dem Gipfel nicht viel los, sodass wir gleich nebenan noch auf dem Nevado Kazique vorbeischauten. Da ging schon mehr. Das letzte Quäntchen Akklimatisation ist nun da, um noch mal ein großes Abenteuer in diesem Urlaub anzugehen.

Es folgt: Abenteuer in Grün – *Abenteuer in Weiß

Tourengänger: frmat, Louise86, Benniben

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