Musala, 2925m


Publiziert von Linard03 Pro , 22. September 2016 um 05:57.

Region: Welt » Bulgaria
Tour Datum:16 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: BG 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Borovets - Musala - Malka Musala - Ireček - Musala Hütte - Bergstation Yastrebets
Zufahrt zum Ausgangspunkt:per Bus oder PW nach Borovec
Unterkunftmöglichkeiten:zahlreiche Möglichkeiten in Borovec

Bereits von langer Hand vorbereitet, stieg nun die Vorfreude kurz vor Abflug nach Bulgarien. Natürlich könnte ich jetzt einfach ein „copy/paste“ von Felix‘ Bericht produzieren. Aber zum einen habe ich nicht exakt die gleiche Route gewählt, zum anderen möchte ich wie gewohnt meine persönlichen Eindrücke schildern.
Ein paar Querverweise zu diesem Bericht wird es aber trotzdem geben … ;-).
 
DO, 15.9.16 – Anreise & Rila-Kloster
 
Frühmorgens ging der Direktflug nach Sofia. Problemloses Mietwagen-in-Empfang-nehmen und bei herrlichem Spätsommerwetter fuhr ich in etwas mehr als einer Stunde via Samakov nach Borovec, einem der ältesten Wintersportorte überhaupt (soll seit 120 Jahren existieren).
 
Obwohl ich bereits Anfang Jahr das „Hikr-Hotel“ Alpin buchen wollte, war dieses schon damals ausgebucht – irgendein Sportverein hatte wohl das Hotel in Beschlag genommen … Natürlich gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten und so fand ich nur 100m weiter ein ähnliches Hotel. Mein Zimmer hatte einen direkten Blick auf die Skipiste; sprich momentan auf die Gras-Schneisen und die stillstehenden Skilifte.
 
Ich hatte den Eindruck, ich sei der einzige Gast im Hotel, was sich etwas skurril anfühlte … - dies sollte sich jedoch anderntags ändern, als ein Downhill Bike-Team aus Rumänien eintraf. Den unzähligen Hotels, Restaurants & Ski-Depots zu entnehmen, muss hier in Borovec im Winter die Hölle los sein. Jetzt aber scheint der Wintersportort beinahe ausgestorben zu sein. Nach dem Mittagessen frisch gestärkt setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr zum Rila-Kloster. Dieses zum UNESCO Weltkulturerbe gehörende Kloster ist wirklich sehenswert. Und wäre dies nicht bereits interessant genug, kam es an diesem Ort noch zu einem Mini-Hikr-Treff: ich wusste zwar, dass pika8x14 ebenfalls in Bulgarien weilten – dass sie jedoch ausgerechnet heute Nachmittag ebenfalls das Kloster besuchen würden, war schon ein grosser Zufall!
 
In einem gemütlichen Restaurant bei einer gegrillten Forelle gab es viel zu erzählen und zu diskutieren (sollte unbedingt bei anderer Gelegenheit fortgesetzt werden; war sehr nett, Euch beide mal persönlich kennenzulernen!). Die Zeit flog nur so dahin, weshalb ich dann irgendwann aufbrechen wollte. Schliesslich waren nochmals ca. 1 ½ Std. Autofahrt zu absolvieren – und dies dann bei (mehrheitlich) Dunkelheit. War nicht so angenehm, denn die nicht mehr sichtbaren Schlaglöcher, unbeleuchtete Velofahrer und Fussgänger sowie ein heftiger Platzregen erschwerten das Ganze etwas …
 
FR, 16.9.16 – Besteigung des Musala (2925m)
 
Beinahe scheiterte das Unternehmen am Hoteleingang bzw. –Ausgang: noch am Vorabend riet mir ein Hotelangestellter ab, direkt von Borovec aufzusteigen. Frühstück gäbe es erst um 8.30 Uhr (?) und überhaupt sei es viel einfacher, mit der Gondelbahn raufzufahren. Dies entsprach jedoch nicht meiner Absicht und ich wollte um ca. 7 Uhr starten. Die Hoteltüre war jedoch verschlossen und ich hatte Glück, dass ein Angestellter zufällig in der Nähe war und mir mittels des versteckten Schalters öffnete; puh ...
 
Nun konnte aber nichts mehr schief gehen und ich peilte als Erstes die Masten der Gondelbahn an. Auf Anhieb fand ich auch den Einstieg des Wanderweges. Allerdings, dieser führte lediglich einige Meter durch den Wald – danach mündete der Weg in die breite Forststrasse. Auf dieser nun sehr lange entlang, ins Tal hinein und nicht sehr steil ansteigend. Obwohl dies hier eigentlich nicht notwendig wäre, leiten einem zusätzlich rote Pfeile am Boden sowie weiss-rot-weisse Zeichen (kommt mir bekannt vor?) an den Bäumen.
 
Niemand zu sehen, ausser ein Lada, welcher mich überholte (wohl Hüttenwart oder Bauarbeiter der Skianlagen). Es lief gut, ich machte keine Pause. Bei der grossen Talstation des Sesselliftes führt ein unscheinbarer Weg links ab ins Dickicht. Hier etwas irreführend, da die roten Pfeile sowohl geradeaus auf dem Fahrweg wie auch zum Wanderweg hinweisen.
 
Ich nahm trotzdem den Wanderweg, welcher zu Beginn ziemlich überwachsen ist und man muss sich etwas durch die Legföhren kämpfen. Man hat den Eindruck, dass der Weg selten begangen wird. Bald öffnete sich jedoch das Gelände wieder, wurde flacher und endlich erreichten mich auch die ersten Sonnenstrahlen. Bis hierhin war’s zuweilen frisch durch den etwas unangenehmen Wind. Bald hielt ich deshalb auch die erste kurze Rast, welche an der Sonne grundsätzlich viel angenehmer ausfällt als im Schatten.
 
Von nun an also T-Shirt-Wetter ;-)). Im schönsten Sonnenschein ging’s nicht mehr lange, bis die Musala-Hütte (2389m) erreicht war. Zum Einkehren war’s mir zu früh, weshalb ich gleich weiterging. Den schönen See umrundend überholte ich zwei junge Burschen, welche von der Hütte aus gestartet waren. Nun über Blockgelände ansteigend, wo mir zwei Einheimische entgegenkamen. Haben die zwei auf dem Berg biwakiert? Sie wirkten total abgekämpft, waren in dicke Jacken eingehüllt und trugen sogar Handschuhe … (bei den Sommer-Temperaturen?).
 
Ein zweiter See war erreicht und wenig später auch schon die zweite Hütte, die sog. Everesthütte (2709m). Bis hierhin absolut mühelos und quasi ohne Pause; wo waren die 1400Hm geblieben? Die restlichen 200Hm bis zum Gipfel waren nun steiler; etwas unschön den Telefonstangen nach. Seiten- und Rückblicke zu den Seen waren jedoch genial. Nach 4 ¼ Std. erreichte ich um 11.15 Uhr den Gipfel des Musala (2925m). Weder schnaufend noch verschwitzt noch ausgepowert – ganz locker ging es also die 1600Hm hinauf; ist nicht jeden Tag so … ;-).
 
Es waren schon 5 andere Leute da, allesamt von der Musala-Hütte aus gestartet. Als etwas später ein junges, russisches Pärchen auftauchte und fragte, wie lange ich gehabt hätte (haben die mich beim Aufstieg beobachtet?), konnten sie es nicht glauben: „das Internet sagt doch, 3-4 Std. ab der Bergstation der Gondelbahn?“ Ja, ja, das Internet erzählt noch vieles …
 
Der Meteorologe überwachte gerade die Messgeräte der Wetterstation; natürlich sind die Bauten auf dem Gipfel nicht gerade ästhetisch … Nach einer ausgiebigen Rast machte ich mich auf den Weiterweg. Der Abstieg auf gleichem Weg wäre meine Schlechtwetter-Variante gewesen. Da ich jedoch weiterhin schönstes Wetter geniessen durfte, machte ich mich auf dieselbe „Kessel-Runde“, welche bereits Sputnik und Felix unternommen hatten.
 
Die Gratüberschreitung sah von weitem zwar etwas „gfürchig“ aus, ist jedoch halb so wild. Überraschenderweise ist zum einen ein durchgängiger Pfad vorhanden (teilweise muss man diesen allerdings etwas suchen), zum andern werden die Hauptschwierigkeiten umgangen, in dem man auf die Flanken ausweicht. Im ersten Abstieg sind sogar Drahtseile vorhanden, auf welche man sich aber nicht unbedingt verlassen sollte. Zudem, zumindest bei trockenem Wetter, sind diese Hilfen auch nicht notwendig.
 
Spannend sicher auch der Durchstieg durch einen kleinen Kamin, wo ein kräftiger Zug notwendig ist (eine etwas hohe Stufe). Danach hat man die Schlüsselstellen hinter sich und der Weg verläuft nun östlich des Grates. Bald darauf ist auch schon der Malka Musala (2902m) erreicht. Der Blick zurück auf den Musala-Gipfel verriet, dass nun immer mehr Leute auf den Gipfel stürmten – während ich auf dem ganzen Gratabschnitt ganz alleine unterwegs war.
Inzwischen hatte sich der Himmel plötzlich verdunkelt; eine grössere Wolkendecke bildete sich; sollte es heute doch noch regnen?
 
Nach kurzer Pause ging’s weiter, heute verspürte ich irgendwie Energie ohne Ende … ;-). Zunächst wieder absteigend zum nächsten Sattel, teilweise wiederum mit etwas Kraxelei verbunden. Der Aufstieg zum Ireček (2852m) war dann weiter nicht mehr problematisch, auch wenn ich den nicht mehr ausgeprägten Pfad irgendwann unterhalb des Gipfels verloren hatte. Ich behielt den Himmel weiterhin im Blickfeld und hatte nicht den Eindruck, dass es nochmal richtig sonnig werden würde.
 
In Anbetracht der etwas unsicheren Wetterentwicklung und mit dem Ausblick auf den eher öden Weiterweg zum Deno (2790m) (ich hatte noch Felix‘ Bemerkung „langfädig“ im Kopf) entschied ich mich für den Direktabstieg zur Musala-Hütte. Zunächst folgte ich jedoch noch dem Grat bis zum Nordgipfel des Ireček, wo man einen schönen Blick auf die Seen und bis hinunter zur Musala-Hütte geniesst.
 
Weglos ging’s nun auf dem breiten Rücken hinab bis zum Sattel (zwischen Ireček-Nordgipfel und Deno). Hier soll es nun eine offizielle Abstiegsroute zur Hütte geben. Diese war zunächst mal nicht auszumachen, der weglose Abstieg über das Blockgelände war jedoch nicht weiter schwierig; allenfalls etwas mühsam. Weiter unten stiess ich dann plötzlich wieder auf einige Steinhaufen; so falsch lag ich also nicht mit meinem Spürsinn …
Hier genoss ich mittels kurzer Rast nochmals den herrlichen Ausblick auf die Seen und in Richtung Musala-Hütte.
 
Ab hier führte wiederum ein deutlicher Pfad durch Legföhren zur Hütte. Am Wegesrand waren riesige Fliegenpilze auszumachen. Es hätte sich nun angeboten, bei der Musala-Hütte einzukehren. An diesem Nachmittag trafen jedoch immer mehr Leute bei der Hütte ein (welche lediglich 1 Std. von der Gondel-Bergstation entfernt ist); einige nur mit Tüten voller Alkohol „bewaffnet“ … Der entsprechende Lärm hielt mich deshalb von der Einkehr ab und ich nahm noch den verbleibenden Weg unter die Füsse; inzwischen wieder bei schönstem Sonnenschein.
 
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich schon längst gegen den eher langweiligen Talabstieg und für die knieschonende Variante entschieden; eine Fahrt mit einer bulgarischen Gondel wollte ich mir zudem nicht entgehen lassen … ;-). Der Weg von der Hütte bis zu Gondel-Bergstation Jastrebec (2389m) ist beinahe flach und führt auf breitem Weg dahin, zieht sich aber. Immer mehr Leute kamen mir entgegnen; die Hütte war an diesem Freitag-Abend wohl ziemlich gut belegt – und wie es erst am Samstagabend ausgesehen mag …?
 
Am Ziel angelangt, genehmigte ich mir auf der wunderschön gelegenen Terrasse des Restaurants ein kühles Blondes sowie eine Zwischenverpflegung. Von hier aus konnte ich nochmals die eben absolvierte, schöne Runde begutachten. Nachdem ich genügend Sonne, Nahrung und Flüssigkeit getankt hatte, machte ich mich auf zum „Gipfel“ des Jastrebec und anschliessend zur Gondelstation. So ganz nebenbei: die Gondeln fahren hier auch im September bis 18 Uhr! (nicht wie in Zermatt, wo selbst zur Hauptsaison bereits um 17 Uhr abgestellt wird …).
 
Gemütlich ruckelte ich dann mit der etwas antiquiert anmutenden Gondel nach Borovec hinunter, womit eine herrliche Bergtour zu Ende ging.
 
SA, 17.9.16 – Sofia sightseeing
Da es den Rahmen etwas sprengen würde (in Bezug auf die Anzahl Fotos), werde ich zu Sofia noch ein kurzer, separater Bericht nachliefern – für diejenigen, welche das denn überhaupt interessiert ...
 
 
Fazit:
Dank schönstem Sommerwetter ein genialer Kurzurlaub! Alles ist perfekt aufgegangen; alles hat gepasst. Auf der Gratumrundung völlig alleine, auf dem Normalweg zum Musala ist man hingegen kaum alleine.
 
Bemerkungen:
Falls man überhaupt die Gondelbahn in Betracht ziehen will, sollte man die Betriebszeiten beachten (im September fährt sie z.B. Mo/Di nicht)
 
Zeiten (inkl. Pausen):
- Borovec – Musala: 4 ¼ Std.
- Musala – Ireček – Jastrebec: 3 Std. 20 Min.

Tourengänger: Linard03

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (8)


Kommentar hinzufügen

Felix Pro hat gesagt: Gratulation zum Musala
Gesendet am 22. September 2016 um 07:58
dein schöner Bericht erinnert mich intensiv und mit Genuss an meine damalige Tour - vielen Dank für die "Auffrischung"!

lg Felix

Linard03 Pro hat gesagt: RE:Gratulation zum Musala
Gesendet am 22. September 2016 um 18:30
Danke Felix!
und gern geschehen (für die Auffrischung ...)

LG, Richard

muellerto hat gesagt:
Gesendet am 22. September 2016 um 09:42
Ich war 1978 (da war ich noch jung) auf dem Musala, paar Tage später auf dem Vihren. Auf dem Musala stand damals ein gelbes, solides Haus, ich hab Fotos davon, aber ich glaube, man konnte nicht hinein, es war eine Wetterstation o.ä. In der Musala-Hütte am See gab's damals einen fantastisch guten Tee mit Honig, an den sich alle Teilnehmer noch jahrelang erinnerten. Im Wald weiter unten begegneten uns mehrfach freilaufende Pferde mit kleinen Glöckchen. Lange ist's her ...

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. September 2016 um 18:33
au ja, 1978 ist schon eine Weile her ... ;-)
Aber Deinen Worten zu entnehmen ist ja alles noch ziemlich frisch im Gedächtnis ... Ob's den Honig-Tee immer noch gibt, kann ich Dir leider nicht sagen, da ich (wie im Bericht erwähnt) nicht in der Musala-Hütte eingekehrt bin ...

pika8x14 Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. September 2016 um 19:45
Hallo Richard,

auch an dieser Stelle nochmals Gratulation zur Besteigung des Musala. Unser Bericht wird noch etwas auf sich warten lassen müssen.

Beste Grüße vom regnerischen Balkan.
Vielleicht sehen wir uns ja schon Mitte Oktober wieder.
Andrea + André

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. September 2016 um 20:38
Hallo ihr beiden,

Danke ...! - natürlich warten wir gerne auf Euren Bericht; bin gespannt!
Und natürlich auch auf darauf, was ihr danach gemacht habt ... ;-)

Bis ev. bald!
Gruss, Richard

P.S. habe inzwischen mal den Fichtelberg gegoogelt ... ;-))

Sputnik Pro hat gesagt: Top of Balkan
Gesendet am 23. September 2016 um 06:29
Hallo Richard,

Auch ich erkannte viele Stellen auf deinen Fotos wieder. Der höchste Balkanberg ist echt eine klaae Tour! Gratuliere dir zur schönen Gipfelrunde.

Gruss, Andi

Linard03 Pro hat gesagt: RE:Top of Balkan
Gesendet am 24. September 2016 um 10:48
Danke Andi!
mir hat's sehr gut in Bulgarien gefallen und die Rundtour hat grossen Spass gemacht.

Gruss, Richard


Kommentar hinzufügen»