Ferdenrothorn (3180m)


Publiziert von Luna78 , 13. September 2016 um 18:36.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:10 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Kummenalp - Unders Färda - Obers Färda - Ferdenpass - Ferdenrothorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit dem Auto bis Kummenalp
Kartennummer:Schweiz Mobil

Es war ohne Zweifel Liebe auf den ersten Blick. Als ich auf einer früheren Tour über den Lötschenpass das Ferdenrothorn erblickte, verliebte ich mich auf der Stelle in die markanten Falten dieses Berges (Ja! Auch Falten können sexy sein!!). Als ich nach kurzer Recherche herausfand, dass es sich hier um einen Wanderberg handelt, welcher ohne Seil und Steigeisen zu erklimmen ist, war die Freude gross und das nächste Ziel gesetzt.

Der 10. September wurde für den Gipfelsturm ausgewählt. Die Wettervorhersagen passten, und einem schönen Wandertag schien nichts im Wege zu stehen.
Da kurzfristig kein Babysitter verfügbar war, mussten uns auch die Kinder und der Hund begleiten. Da die Begeisterung vor allem beim pubertierenden Sohn nicht allzu gross war, entschieden wir uns, mit dem Auto auf die Kummenalp zu fahren und nicht wie geplant ab Ferden zu starten.

Die Tagesfahrbewilligung lässt sich für CHF 10. —direkt bei der Parkuhr im Parkhaus in Ferden lösen. Die Strasse hoch auf die Kummenalp ist sehr gut unterhalten und mit einem normalen PW gut zu fahren.
Nachdem wir unser Auto auf dem Parkplatz abgestellt hatten, hiess es zuerst mal den richtigen Weg finden.

Von anderen Hikr-Berichten wussten wir bereits, dass der Weg zum Ferdenpass nicht ausgeschildert ist. Man folgt also weder dem Lötschentaler Höhenweg Richtung Faldumalp noch dem Wanderweg zum Lötschenpass, sondern läuft eigentlich zwischen diesen beiden Wegen zwischen den schmucken Häuschen der Kummenalp durch. Nach den letzten Häuschen ist der Weg dann deutlich zu erkennen und durchgehend rot-weiss markiert. Gemächlich und ohne allzu grosse Steigungen führt er in die Hochebene von Unders Färda, an Schafherden vorbei über eine Felsstufe (problemlos zu passieren) nach Obers Färda. Für eine kurze Zeit wird die Route dann etwas unangenehm, da sie weglos über Geröll führt. Einige kleine Restschneefelder erleichterten uns diese Passage. Nach einem kurzen Steilstück ist der Ferdenpass erreicht, von wo ein Abstieg ins Dalatal nach Leukerbad möglich wäre. Die verwitterten Felsen am Ferdenpass bilden eine imposante Kulisse. Vom Pass geht es dann dem breiten Grat entlang von Vorgipfel zu Vorgipfel. Mein pubertierender Sohn war zu diesem Zeitpunkt zu Höchstform aufgelaufen. Hatte er doch schon bereits den ganzen Tag eine grauenhafte Laune, war hier auf dem Grat der Höhepunkt erreicht. Vor Wut schäumend verfluchte er den Wanderweg, den Berg und überhaupt das ganze von mir geliebte Lötschental. Hätte ich nicht meine gesamte Energie aufwenden müssen, um meine an diesem Tag bleischweren Beine den Berg hoch zu bekommen, ich hätte mich wohl vergessen…

Auf dem letzten Vorgipfel verkündeten unsere Kinder dann schliesslich, sie würden nun keinen Schritt mehr weitergehen, der richtige Gipfel sei ihnen zu „heftig“.  Meinem Mann und mir sollte das nur recht sein, so konnten wir das unzufriedene Gesindel zusammen mit Hund, Rucksäcken und Proviant zurücklassen und die letzten 5 Minuten ohne Gezeter und Gezicke zum Gipfelkreuz hochsteigen. Es waren die schönsten Minuten des ganzen Aufstieges. Was auf Bildern oder vom Vorgipfel aus doch recht imposant aussah (oder eben „heftig“, um mal beim Teenie-Jargon zu bleiben), stellte sich aus der Nähe als problemlos heraus. Der Weg ist überall breit genug, ein Felsen im Grat wird über ein breites Band links umgangen und die restlichen Meter hoch zum Gipfelkreuz sind ohne Probleme zu meistern, jedenfalls bei trockener Witterung. Die Aussicht war überwältigend, obwohl unterdessen doch einige Wolken aufgezogen waren, welche die Sicht bereits deutlich einschränkten. Wie schön muss es hier erst bei wolkenlosem Himmel sein? Andächtig genossen wir diesen schönen Ort, bevor wir uns zurück zum Vorgipfel begaben, Kinder, Hund und Gepäck einsammelten und den langen Abstieg unter die Füsse nahmen.

Der Abstieg ist dann schnell erzählt, da die Abstiegsroute die gleiche wie im Aufstieg war.
Auf der Kummenalp angekommen, genehmigten wir uns noch eine kleine Erfrischung im Gasthaus. Niemand von uns war anschliessend unglücklich darüber, dass wir die letzten Höhenmeter runter ins Tal mit dem Auto zurücklegen durften.
 
Routenverlauf:
Ab dem Parkplatz gegenüber dem Gasthaus Kummenalp zwischen den Häuschen der Kummenalp durchgehen. Nach dem letzten Häuschen ist der Weg deutlich zu erkennen. Er ist bis zum Ferdenpass rot-weiss markiert. Vom Pass nach rechts weglos dem breiten Grat folgen und über mehrere Vorgipfel zum Hauptgipfel mit Gipfelkreuz und Steinmann. Die Route ist ab dem Ferdenpass nicht mehr markiert, der Verlauf ist aber eindeutig. Abstieg wie Aufstieg.
 
Varianten:
Start in Ferden (Postauto ab Goppenstein). Durch den malerischen Färdawald hoch zur Kummenalp. Die Wanderung verlängert sich um 700 Hm im Auf- und Abstieg.
Eine andere Möglichkeit wäre, mit der Seilbahn ab Wiler (Postauto) zur Lauchernalp hochzufahren. Von dort dem Höhenweg bis zur Kummenalp folgen. Die Wanderung dauert rund 2h länger, es sind aber kaum zusätzliche Höhenmeter zu erklimmen. (Fahrplan der Seilbahn beachten!)
 
Fazit:
Schöne, einsame Tour auf einen selten begangenen Gipfel.

Tourengänger: Luna78


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Kommentare (3)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 13. September 2016 um 20:29
sehr persönlich, interessant, und witzig - dein Bericht über diesen sehr geschätzten Gipfel ;-)

weiterhin viel Spass (und Nerven) auf deinen Gipfeltouren!

lg Felix

Luna78 hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. September 2016 um 15:35
Hallo Felix

Vielen Dank für deinen netten Kommentar zu meinem 1. Hikr-Bericht. :-)
Liebe Grüsse
Luna78

Felix Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. September 2016 um 22:00
und - selbstverständlich - hoffentlich bald weitere tolle Touren und -berichte ;-)

liebe Grüsse

Felix


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