Klettertour "Aria Salata" 7b (Korsika)


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 13. September 2016 um 21:39.

Region: Welt » Frankreich » Korsika » Haute Corse
Tour Datum: 8 September 2016
Klettern Schwierigkeit: 7b (Französische Skala)
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 9:00

Blättert man im neuen Kletterführer "Grandes voies de Corse", so sticht wohl jedem Kletterer (und auch Geologen) das unglaubliche Bild der "Aria Salata" im Popolasca-Massiv ins Auge. Die Kletterei an den zarten Felsrippen scheint jener an einem Dinosaurierskelett zu gleichen. Diese Grotte wird auch von Vögeln als Bauplatz für ihre (bestens regengeschützten) Nester genutzt, weshalb die Seillänge auch den Namen "Steinerne Nester" trägt. Und das wollten wir uns selbst anschauen!
Die Zustiegsbeschreibung ist vielversprechend: "... to a small pass...", "...take a small poorly visible trail...", "...follow it trough the maquis...", "...some green marks...", "...slightly on the right side..." und "...small plateau..." - allesamt Begriffe, die einem erfahrenen Korsika-Kletterer nur eines sagen: Der Zustiegsweg ist unfindbar - auf durch die Makkia!
Und es kam, wie es kommen musste, knapp nach dem Eichenwald war der Weg nicht mehr klar. Bald darauf warfen wir die Nerven weg und folgten den so gefürchteten "Steinmann damit ich wieder zurück finde"-Steinmännern und schon waren wir in der tiefsten Makkia. Diesmal etwa 3m hoch, im unteren Teil stachlig, an der Oberfläche dornig - und zudem waren die Samen dieser überaus reizvollen Pflanzen reif und bei jeder Berührung füllte sich unsere gesamte Bekleidung mehr und mehr mit den kratzigen Biestern. Irgendwann trafen wir dann doch noch auf einen Wildschweinpfad - diese verlaufen ganz am Boden und sind etwa 50-70cm hoch - welchem wir nun kriechend folgten, was sich jedoch wegen der guten Polsterung durch die Ausscheidungen der eigentlichen Benützer als angenehm für die Knie herausstellte. Mehr oder weniger ohne Schwierigkeiten erreichten wir so - nach etwa der doppelten Gehzeit als angegeben - den Einstieg der Tour.
Die Kletterei der Tour ist gesamt gesehen eher inhomogen und zählt daher nicht zu den schönsten der Insel. Eine schöne Platte führt in zwei Längen hinauf zum ersten Tafoni, welcher mit nicht ganz logischer Routenführung durchklettert wird. Auch sieht man nie den nächsten Bohrhaken, daher sollte man diese Länge vom Pfeiler der vorhergehenden genau studieren. In diesen ersten drei Seillängen sind die Hakenabstände ebenfalls eher groß und somit wegen des Schwierigkeitsgrades 6a+ durchwegs als "sportlich" zu bezeichnen. Nach einem Gehgelände folgt die erste schwere Länge, allerdings gibt es immer gute Rastpunkte. Und nach einer leichten Vorbereitungslänge erreicht man also die besagte Grotte, in welcher sich zuerst einmal ein Pause anbietet. Tatsächlich ist es ein einmaliger Ort und ein Wunder der Natur, die diese Felsstrukturen entstehen lies.
Die Länge ist - für den unteren 9. Grad - eher als leicht zu bezeichnen. Ein kurzes Boulderproblem am Beginn, dann eine Querung an Zangengriffen, in der man tief bleiben sollte, und - nach einem Bierhenkel zur Rast - eine Kante und ein Überhang zum Abschluss. Wohl gemerkt vom ersten bis zum letzten Meter etwa 45° überhängend. Und tatsächlich - das Foto versprach nicht zuviel - ist das wohl eine der ästhetischsten Längen, die ich geklettert bin! Der weitere Weg zum Gipfel ist nicht mehr schwer, lediglich die Routenfindung am Vorgipfel erfordert noch einmal kurze Aufmerksamkeit. 
Der Abstieg war dann deutlich angenehmer als gedacht, nach 5x60m abseilen waren wir am Wandfuß und auch der richtige Zustiegsweg lässt sich von oben einfach viel leichter finden.
Gesamt eine etwas inhomogene Tour mit wenig Besonderheiten - abgesehen von den Steinernen Nestern - und diese Seillänge gehört wohl zu den schönsten überhaupt! Das sollte jeder Steinliebhaber, und das sind wir Kletterer wohl zwangsläufig, gesehen haben (und für schwächere Kletterer gibt es im Übrigen eine 5er-Umgehung).

ZUSTIEG: Parkplatz in einer Linkskurve an der Straße vom Col de Croce d'Arbitro (Zufahrt von Francardu) Richtung Castiglione nach 1km (42.43173°N 9.13208°E). Man folgt dem schwach ausgeprägten Tal über ein Steiglein, in großem Abstand vorbei an einer verfallenden Kapelle, in einen großen Sattel mit Wiese, wo man auch auf Forstwege trifft. Zwei Forstwege führen nun nach links aufwärts, genau in deren Mitte beginnt ein ausgeschnittener Weg. Diesem folgt man nun, praktisch immer am Gratrücken, bis in einen Eichenwald (25 Min vom Sattel). Knapp rechts des Rückens durch den Eichenwald hinauf und nach dessen Ende wiederum am Gratrücken aufwärts. Bald trifft man auf einen runden Felsblock am Grat (hier führt ein alter in Wanderkarten eingezeichneter Weg nach links - verwachsener Verhauer!), man folgt dem Grat weiter entlang der Steinmänner und erreicht bald einige Felstürmchen. Hinter den ersten Türmchen gibt es ein kleines Plateau mit einem flachen Steinkreis. Links sieht man bereits den oberen Teil der Wand und befindet sich scheinbar bereits zu hoch. Dennoch folgt man dem Grat weiter, bis ein plattiger Aufschwung das Aufsteigen direkt am Gratrücken erschwert. Man umgeht diesen Aufschwung links (frische Waldbrandzone) und erreicht an dessen oberen Ende ein kleines flaches Plateau und 20m rechts davon befindet sich eine alte kreisrunde Mauer neben einem Block mit etwa 1m Höhe. Diesen Punkt gilt es zu finden (42.42683°N 9.121012°E   1250m). Hier nun waagrecht nach links über guten Steig mit Steinmännern, bald fallend durch eine Rinne und wiederum abwärts ins Bachbett. Jenseits in Kürze durch Makkia rechts zum Einstieg mit Tafel. (2h bei guter Wegfindung, mit unseren Verhauern kanpp 4h) Tipp: GPS-Track verwenden.

ROUTE:
SL1: Über die Platte aufwärts. 5c
SL2: Aufwärts zum Pfeilerkopf und nach links querend zu Stand in Schlucht. 4c
SL3: Über den Tafoni aufwärts zum ersten Haken, nun nach links zum versteckten 2. Haken queren (etwa 45° links oberhalb vom 1. Haken) und nun gerade hinauf zu den nächsten versteckten Haken. Zuletzt nach links auf Absatz. 6a+
SL4: Etwa 20m nach links gehen. 2
SL5: Gerade über die immer schwerer werdene Platte. 6b+ 
SL6: Aufwärts, dann über leichte Tafonis in die Grotte. 4c
SL7: Über das Dach der Grotte nach rechts an die Kante, über den Überhang (Sicherung an Sanduhr) und zuletzt über Platte zurück nach links zum Stand. 7b Diese Länge kann auch leicht in einer Rechtsschleife umgangen werden (5b)
SL8: Gerade aufwärts und nach rechts zu Stand im Gras unter Platte. (4c)
SL9: Durch die Platte hinauf und an der Kante zum Stand. 6b
SL10: Zuerst in den kleinen Sattel absteigen und etwa 30m nach links in die Schlucht absteigen. Nun entweder über die Kante (links) oder in der Mitte der Platte hinauf. Beides eingebohrt. 6a+
SL11: Durch die Wiese genau in den höchsten Punkt des Sattels und hier gerade aufwärts zu Stand unter Überhang. 5c
SL12: Über den schönen Überhang hinweg und nun rechts der flechtigen Verschneidung über große Delle zum Gipfel. 6a+

ABSTIEG: Über die Tour abseilen. Mit 60er Halbseilen lassen sich die oberen beiden Längen sowie die beiden Längen vom Vorgipfel zusammenfassen. Vom Stand oberhalb der Schlüsselstelle nun 59m (oder vom Stand darunter 50m) in Falllinie hinab (Orientierungsbohrhaken) zu Stand an 2 BH. Hier 50m zum Wandfuß abseilen und zurück zum E.

ABSICHERUNG: ++++/++++: NIRO-HSA Typ "Longlife" und einige 8mm-NIRO-Dübel. Bis 6b größere, darüber sehr enge Abstände. Friends nicht sinnvoll einsetzbar.

SCHWIERIGKEIT: 7b (6b obl.). Schlüsselstelle stark überhängend und athletisch an Zangengriffen, vermutlich jedoch nicht schwerer als 7a.

EXPOSITION und HÖHENLAGE: Süd, >1000m - Sommerkletterei wenn es nicht enorm heiß ist.

TOPO: "Grandes voies de Corse" (2015) - Info - sehr gut gemachter Kletterführer mit englischer Übersetzung.

WETTER: Sonnig

MIT WAR: Tanja

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering 

Tourengänger: Matthias Pilz

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Geodaten
 31902.gpx Track des richtigen Zu- und Abstiegs

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