Alpinerunning Weisshorn-Traverse (Nord-Ost) Solo


Publiziert von jakobme , 12. September 2016 um 17:09.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:11 September 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 15:00
Aufstieg: 2950 m
Abstieg: 3400 m
Strecke:26.2 km

[Disclaimer: Dieser Bericht soll kein direkter Ansporn zu Nachahmung sein sonders schildert nur meine Unternehmungen und soll eventuell inspirieren]

Seit ich 2009 kurz unterhalb des Bieshorns umdrehen musste stand der Weisshorn Nordgrat ziemlich weit oben auf meiner Bergtouren-To-Do Liste. Nur hatte sich seit dem kein neuer Termin gefunden (keine Zeit, schlechtes Wetter, schlechte Bedingungen, andere Prioritären...das Übliche halt)

 
Als ich mir dann überlegt habe dieses Jahr mal wieder etwas mehr in den Bergen zu unternehmen kam mir natürlich das Weisshorn gleich wieder in den Sinn. Da der Partner mit dem ich es 2009 versucht hatte nicht mehr in der Schweiz wohnt musste also ein neuer Partner her (dachte ich jedenfalls).
Besonders seit meiner Skitour Ende Mai auf den Mont Blanc in einem Tag von Chamonix aus scheinen die Alpen irgendwie flacher geworden zu sein. Also warum nicht auch das Weisshorn in einem Tag von Zinal aus machen. So eine Besteigung vom Tal aus mit Abstieg ins Nachbartal hat ja schon einen ziemlichen Reiz macht die Partnersuche jedoch nicht einfacher.
Als ich dann Ende Juli ziemlich spontan das Zinalrothorn solo gemacht hatte entstand der Gedanke auch das Weisshorn im Alleingang machen zu können. Kurz darauf musste ich jedoch eine Tour kurz vor dem geplanten Grat abbrechen, da meine Psyche einfach nicht bereit war. Rückblickend war das ein gutes Zeichen und hat mich dazu bewegt einen Schritt zurück zu machen und etwas zu reflektieren. Danach kam eine klassische Tour auf den Eiger via Mittellegigrat mit einem Kollegen gerade recht (also "klassisch" in dem Sinn, dass wir das mittgeschleppte Seil auch zum sichern benutz haben. Nicht ganz so klassisch wahrscheinlich, dass wir am ersten Tag direkt von Grindelwald via Ostegg zur Hütte aufgestiegen sind und am zweiten Tag vom Gipfel über die Westflanke bis ganz runter nach Gindelwald abgestiegen sind.). Nachdem ich mich auf dem Grat die ganze Zeit über wohl gefühlt hatte kam der Gedanke für das Solo Weisshorn wieder hoch. Ein guter letzter Test war dann die Matterhorn Tour letzte Woche mit Stephen. Aber auch wenn wir die ganze Tour Simultan-Solo gemacht haben ist es doch immer was anderes ganz alleine unterwegs zu sein.
Die ganze Woche über war schon wieder super Wetter fürs Wochenende angekündigt und ich habe Pläne fürs Weisshorn geschmiedet. Die Bedingungen schienen auch gut zu sein also besser jetzt als womöglich noch mal 7 Jahre warten.

Am Samstag hatte ich mit Kollegen zum Trailrunnen abgemacht also blieb nur der Sonntag. Ein Nachteil bei einer Überschreitung ins Nachbartal ist ja immer die Logistik. Ein Glück sind alle Täler in der Schweiz mit Bahn und Postbus gut erschlossen, sodass die An- und Abreise wenigstens kein Problem ist. Aber wie Übernachten besonders wenn man keine Lust hat viel Geld für ein Zimmer auszugeben wenn der Wecker eh um 2 Uhr Nachts klingelt. Zelten ist aber ja auch doof wenn man das ganze Zeug dann mit schleppen muss.
Im Endeffekt habe ich mich für ein Bivac unter freiem Himmel entschieden. Natürlich kann ich auch dabei auf sehr leichtes Material zurück greifen ;-) (20°F Quilt von Enlightened Equipment (740g incl, wasserdichtem Packsack) und Klymit Inertia X Lite Ultralight Isomatte (204 g)). Dies bedeutete jedoch ausser dem Zusatzgewicht, dass mein 20 Liter Rucksack nicht ausreichen würde und ich den grösseren/schweren nehmen muss. Somit wog mein Rucksack mit allem drum und dran am Start schon so 6-7 kg. Ausserdem nahm ich bei den Firmgraten nicht die Traillrunner mit Hiking-Steigeisen sonders die X-Alp Carbon mit richtigen Steigeisen.

Also bin ich mit der letzten Verbindung nach Zinal gefahren und war kurz nach 8 Uhr Abends da. Meinen Bivacplatz habe ich dann direkt auf dem Parkplatz am Begin des Wanderweges zur Tracuit-Hütte bezogen. Nicht der idyllischste Platz aber schön eben auf Gras. Ausserdem war es ja eh nur für 4 Stunden.
Der Wecker ging dann um 2 und ich habe im Schlafsack liegend gefrühstückt. Mein standart Frühstück zu Hause ist immer Müsli mit Milch und obwohl ich bei Wettkämpfen gelernt habe, dass Milch kurz vor einer Belastung keine gute Idee ist bin ich vor Bergtouren dabei geblieben. Wegen der tiefen Intensität war es scheinbar nie ein Problem aber diesmal hat sich mein Bauch überhaupt nicht gut angefühlt. Wahrscheinlich werde ich ab jetzt auch vor Bergtouren auf die erprobte Variante Nutella-Brot umsteigen.

Also Start um 2:20 kurz oberhalb von Zinal. Nach 2.5h war ich dann auf der Hütte wo sich die ganzen Bishorn Aspiranten gerade bereit machten. Die Lampen der Nordgrat Seilschaften sah man da schon kurz unterhalb vom Bishorn Gipfel. Kurz die lange Hose und den Gurt angezogen, einen sehr willkommenen Toilettenstop eingelegt und die Flaschen aufgefüllt (bester Tipp zum Gewichtsparen: auf keinen Fall unnötig Wasser durch die Gegend schleppen. Besonders nicht Nachts wenn man eh keinen Durst hat und es 1600hm höher die Möglichkeit zum auffüllen gibt.). Da ich schon zwei mal auf dem Bishorn war wusste ich in etwa wo es durch geht. Ausserdem konnte ich dadurch einschätzen, dass das Risiko auf dem Gletscher alleine unterwegs zu sein für mich verträglich ist. Bisher war ich noch nie gut Akklimatisiert am Bishorn und hatte den Anstieg als ziemlich mühsam in Erinnerung und auch diesmal hat sich dies wieder bestätigt. 5:10 Stunden nach dem Aufbruch in Zinal war ich dann aber kurz nach dem Sonnenaufgang auf dem Bishorn und hier ging die Tour ja dann erst richtig los.
Der erste Firnteil war perfekt gefroren und problemlos. Langsam wurde es endlich etwas wärmer (wenn man nur eine dünne Windjacke mit nimmer, da man ja im Notfall den Schlafsack hat muss man halt in Bewegung bleiben um nicht auszukühlen). Der erste längere Felsteil war dann ein richtiges Vergnügen bei besten Verhältnissen. Die erste Abseilstelle bin ich abgeklettern und habe es auch bei der zweiten Versuche. Da ich mich dann aber doch nicht an dem alten Schlaghacken mit Schlinge runter hangeln wollte und alle anderen Varianten einen etwas schwierigeren Eindruck machten habe ich halt doch das Seil aus gepackt und abgeseilt.
Kurz daraufhin überholte ich zwei Seilschaften und war dann schon bei der Schlüsselstelle der heutigen Tour. Schon immer wieder Lustig wie man Fotos zu Hause studieren kann und vor Ort sieht es dann doch wieder anders aus. Naja ich wusste jedenfalls in etwa wo es lang geht. Zu Beginn der zweiten Seillänge habe ich mich dann trotzdem etwas verstiegen und bin in etwas dreckigeres IVer Gelände gekommen. Also schnell zurück und dann habe ich auch den Schlaghaken direkt auf Augenhöhe vor einem gesehen. Mit Bewertungen solcher Kletterstellen tu ich mich immer etwas schwer, besonders auf über 4000 Metern und mit Rucksack aber es hat sich jedenfalls super solide angefühlt und richtig Spass gemacht.
Danach fehlt ja eigentlich nur noch den letzte Firngrat und das Gipfelkreuz sieht ja nur einen Katzensprung entfernt aus. Bis zum Gipfel hat es dann aber schon noch 50 Minuten gedauert. Auch wenn der Grat sehr exponiert ist war dieser bei den Bedingungen überhaupt kein Problem und auch in einer Seilschaft hätte ich hier das Seil eingepackt, da es keine Sicherheit bringt sondern nur das Risiko bei einem Ausrutscher mitgerissen zu werden. Insgesamt habe ich für den Grat 3:30 Stunden gebraucht ohne mich zu beeilen.
Nach einer längeren Pause habe ich mich dann an den Abstieg gemacht. Im oberen Teil war einmal etwas unangenehm mir Sulzschnee auf Eis aber dies auch nur auf ca. 10 Metern.

(Anmerkung: auch wenn ich immer auf das Gewicht achte gibt es Ausrüstung-Gegenstände bei der die Performance einfach wichtiger ist. So auch bei meinem Pickel. Der Agile Plus von Climbing Technology wiegt mit 315g zwar etwas mehr als andere Leichtpickel aber hat dafür eine Haue aus Stahl. Dadurch ist er ausserdem so Kopflastig, dass er richtig guten Zug im Eis hat. Der gerade Stiel hat zwar gegenüber einem gebogenen Nachteile im Eis ist aber dafür in festem Schnee wie am Weisshorn Nordgrat klar überlegen. Die 45 cm Länge finde ich auch ideal im Handling (wenn ich einen Wanderstock möchte nehme ich halt einen Wanderstock mit und keinen Pickel ;-) ). Richtig happy mit dem Pickel bin ich aber erst seit ich mir einen modifizierten Grivel Trigger dran gebaut habe. Dieser erlaubt zwei Positionen, verhindert das man im Ernstfall vom Schaft abrutscht und ermöglicht es anders als ein festgeschraubter Trigger, dass man den Schaft in den Schnee rammen kann.)

Der danach kommende Felsteil  ist dann eigentlich nicht mehr besonders schwer braucht aber schon noch etwas Konzentration. Da es immer wieder kurze Schneeteile hatte welche bereits angetaut und rutschig waren bin ich den ganzen Grat bis zum Frühstücksplatz mit Steigeisen geklettert. Danach dann in einfacherem Gelände runter zum Gletscher. Dieser war schneefrei und so konnte ich die kleinen Spalten einfach überspringen und bin ohne zu grosse Umwege zum gut sichtbaren Weg auf der anderen Seite gekommen. Von da in wenigen Minuten zum Weisshornhütte. Da habe ich dann man den Zugfahrplan gecheckt und gesehen, dass einer knapp 2 Stunden später fahren würde. Also entweder beeilen und eine Stunde eher zu hause oder gemütlich absteigen. Ich habe mich natürlich für die erste Variante entschieden und bin los gelaufen. Da die Zeitangaben auf den ersten beiden Wegweisern etwas komisch waren dachte ich schon, dass den Zug nicht erreichen würde aber im Endeffekt musste ich dann am Bahnhof noch 20 Minuten warten. Der Abstieg hat etwa 5:30 Stunden gedauert und die Tour insgesamt 15 Stunden.

Mal wieder ein toller Tag in den Bergen. Auch wenn ich gerne mit anderen unterwegs bin sind Solo-Touren doch immer etwas spezielles.
Neben der Mont Blanc-in-a-day Besteigung und der Wägitalersee Runde sicher ein weiteres Touren-Highlight des Jahres.

Die Ausrüstung die ich für die Tour benutzt habe:
- Salomon S-Lab X-Alp Carbon gtx Schuhe (eigentlich ein Halbschuh mit Gamasche. Die Sohle ist aber steif genug für Steigeisen mit Korb. Gleichzeitg aber längs flexibel genug um darin rennen zu können. Ausserdem mit <1kg pro Paar leichter als jeder Bergschuh)
- Petzl Irvis Flexlock Steigeisen
- Camp Alp Racing Klettergurt plus 2 Bandschlingen, 2 Karabiner, ATC, 1 Eisschraube
- 30m 8mm Halbseil
- Helm
- Pickel
- Black Diamond Revelation 35 Rucksack
- Shorts und ne lange Softshell Hose.
- T-Shirt, Armlinge, dünnes Longsleeve und ne leichte winddichte Jacke
- Handschuhe, Mütze, Sonnenbrille, etc.

Tourengänger: jakobme


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Kommentare (2)


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lorenzo Pro hat gesagt: SMF...
Gesendet am 13. September 2016 um 22:08
...das klingt nach New Power Generation!

Toll, wenn man so im Saft ist für eine solche Tour! Gratuliere!

Gute Touren und häb Sorg!

lorenzo


Clariden Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. September 2016 um 15:14
Herzlichen Glückwunsch und schön dass du hier publizierst.
Neben den eindrucksvollen Unternehmungen finde ich auch deine detaillierten Angaben zu Ausrüstung sehr interessant.
Z.B. Schlafsack: Kannte ich nicht die Firma. Sehr hochwertige Daunenschlafsäcke produziert auch Valandre, die sind insbesondere im Expeditionsbereich sehr stark vertreten, haben aber auch sehr leichte Schlafsäcke im Sortiment. Kennst du diese, bzw. hast du gegeneinander verglichen?
Clariden


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