Piz Picuogl 3333 m - Der orange Engadiner Balkon hinter dem Oberhalbstein


Publiziert von Ivo66 Pro , 10. September 2016 um 20:08.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:10 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:Alp Flix (Tigias) - Ava da Tigias - P. 2547 m - P. 2741 m - Fuorcla da Flix - Tschima da Flix - P. 3301 m - P. 3316 m - Piz Picuogl
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Neue Fahrstrasse zur Alp Flix (von Sur aus durchgehend asphaltiert). Der Parkplatz befindet sich neu auf 1900 m. ü. M., was den Zugang zur Alp Flix etwas verlängert gegenüber der alten Strasse. Zentrale Parkuhr am Parkplatz selbst - sehr teuer, für eine ausgedehnte Tagestour mindestens CHF 12.--...
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Der Piz Picuogl überragt zwar viele seiner Nachbarn auf der Gratschneide zwischen dem Oberhalbstein und dem Oberengadin, ist aber doch weniger bekannt als etwa die nahe gelegene Tschima da Flix oder der Piz d'Agnel. Immerhin: Seine Höhe kann man sich gut merken mit 3333 m. ü. M. Er ist durch einen oft schmalen Grat mit dem Hauptgrat und somit dem Oberhalbstein verbunden, liegt aber vollumfänglich - wie eine Art Balkon - auf der Engadiner Seite dieses herrlichen und wilden Berggebiets.

Charakteristisch für das im Sommer einsame Gebiet zwischen Piz d'Err und Piz Surgonda sind die vielfältigen Gesteinsfarben, die den endlosen Geröllhalden einiges an Charme verleihen. Der Piz Picuogl hebt sich durch sein dunkles Orange mitten im schwarzen Geröll von seiner Umgebung ab. Erreichbar sind diese unnahbaren Berge relativ einfach und bequem von der Alp Flix aus, mit nur wenig Leiden im Schutt oder Geröll, da oft gute Wegspuren vorhanden sind, oder das Gelände auch sonst angenehm zu begehen ist.

Der Herbst hat in den Oberhalbsteiner Bergen Einzug gehalten. Die vielen Heidelbeersträucher sind rot eingefärbt und die Alpweiden haben auf gelbbraun gewechselt. Die Septembersonne entfaltete im Aufstieg nochmals etwas Kraft, musste sich dann aber bald den immer grösser werdenden Quellwolken geschlagen geben. Im Abstieg wurden wir dann wieder mal in Waschküchenmanier durchgespült.

Lange ist es her, als wir letztmals den schönen Aufstieg von der Alp Flix zur Fuorcla da Flix begangen haben. Er führt an zwei einsamen Bergseelein vorbei. Hier fand heute offenbar ein grosses Froschfest statt, hüpften doch hunderte dieser sympathischen Lurchen in allen Grössen und Ausprägungen - die einen noch mit Kaulquappenschwanz - in der Gegend herum.

Während der Gratüberquerung zum Piz Picuogl wurden die Wolken, welche sich aus Süden näherten, immer dunkler und bedrohlicher. Bei Nässe wäre es hier auf den zum Teil ziemlich glatten Felsen ungemütlich geworden. Der Abstieg von der Tschima da Flix zur Alp gestaltete sich dann zwar im Graupel- und Regenschauer zwar nicht besonders angenehm, aber letztlich ungefährlich.

Das aus dem Jahre 2004 stammende Gipfelbuch auf dem Piz Picuogl ist leider - wie schon früher hier erwähnt - ziemlich nass; Einträge sind aber immer noch möglich - wir haben einen neuen Kugelschreiber hinzugefügt. Man müsste mal einen richtig ausgedehnten Gipfelaufenthalt einplanen und es an der Sonne trocknen lassen. Die inzwischen arg ramponierte Blechhülle müsste dringend ersetzt werden (eine Gamelle würde es schon tun). Platz hat es im Gipfelbuch noch für ein paar Jahrzehnte...

Routenbeschreibung:

Alp Flix Parkplatz - Tigias (T2)
Vom grossen Parkplatz geht man auf dem markierten Bergwanderweg in südöstlicher Richtung zum Weiler Tigias (Wegweiser)

Tigias - P. 2741 m (T3)
Man wandert auf dem Strässchen durch den Weiler am Bergrestaurant Piz Platta vorbei, bleibt aber vor der Brücke auf der linken Seite des Bachs und geht entlang der Berghütten zur kleinen Holzbrücke, über die man den Bach überquert. In der Folge steigt der unmarkierte Pfad stets rechts des Bachs hoch. Er ist nicht immer deutlich, man wird ihn aber immer wieder finden, wenn man ihn kurz verloren hat.

Erreicht man die Ebene auf etwa 2380 m. ü. M. findet sich sogar die eine oder andere kleine Stange mit weiss-rot-weisser Markierung. Man steigt ansonsten beliebig in südöstlicher Richtung die Hänge hoch und wird das namenlose Seelein bei P. 2547 m erreichen (Ev. kurzer Gegenabstieg, je nach Routenwahl).

Vom Seelein ist die Spur, die in der Folge durch einen Schutthang zu P. 2741 m am Grat hinaufführt, gut zu finden.

P. 2741 m - Fuorcla da Flix (T3+)
Man steigt nun - meist auf guten Wegspuren - in nordöstlicher Richtung mehr oder weniger dem Grat entlang hoch. Der Pfad quert in einem längeren Abschnitt etwas nach rechts und erreicht dann - etwas steiler - wieder den Grat bei einem Holzpfeil. Weiter geht es auf guter Wegspur durch Schutt und Geröll hoch und bald - wieder weniger steil - nach Norden querend - zur Fuorcla da Flix. Viele Steinmännchen markieren die auch sonst gut zu findende Route.

Fuorcla da Flix - Tschima da Flix P. 3301 m(T3)
Man folgt dem meist breiten Rücken über Schutt und Geröll - oft auf Wegspuren auf offensichtlicher Route (Steinmänner) - zum Gipfelsteinmann mit Gipfelbuch.

Tschima da Flix - Piz Picuogl (T5)
Man folgt dem Grat, zunächst einen Felsturm links umgehend, und steigt über gute Felsen - kurz etwas ausgesetzt - zur markanten Kuppe P. 3316 m auf. Ohne Schwierigkeiten geht es in der Folge hinab in eine Scharte, wo der Grat etwas schmaler wird. Man bleibt dem Grat treu und steigt bei einem Steilabschwung linkshaltend - was etwas Geschick erfordert - durch eine fast senkrechte, aber gut gestufte Stelle (II-) ab. In der Folge bleibt der Grat schmal, aber gut begehbar. Der Schlussaufstieg erfolgt dann in Gehgelände.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (2)


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silberhorn Pro hat gesagt: Photos
Gesendet am 11. September 2016 um 12:38
Stimmungsvoll und farbig wie die Palette eines Ölbilder malenden Künstlers.

HG, maria

Ivo66 Pro hat gesagt: RE: Photos
Gesendet am 11. September 2016 um 17:15
Ja, bei so vielen Quellwolken erhalten die Bilder ganz andere, dumpfe Farbtöne...

LG Ivo


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