Abwegig an Girenspitz & Chammhalde unterwegs


Publiziert von Kaj , 15. September 2016 um 01:04.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 9 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-AR   CH-SG 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:13km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit Auto via A1/77 Winkeln nach Herisau, dann über Urnäsch zum Parkplatz Schwägalp (kostenlos)

Nach der Kraxelei vor 2 Wochen wollte ich mal sehen, wie es nördlich unterhalb des Grauchopf(2218m) ausschaut. Dann zur ChammhaldenRoute queren & dort zum Girenspitz(2448m) aufsteigen.
Laut Hampi Schoop von der Tierwis(-Hütte) ist die Chammhalde der "alte Weg" zum Säntis, bevor die heutige NormalRoute ausgebaut wurde. Dieser ausgesetzte Steig/Tritt ist nicht ausgeschildert und offiziell nicht markiert (T5/II).
Apropos Markierung: die spärlichen blassen rosa Punkte wurden im oberen Teil (ab GrossBand) durch reichliche orange Striche ergänzt. So ist die WegFindung unproblematisch. Wobei orange eine ungünstige Farbe dafür ist - es gibt orange-farbenes Moos/Flechten. Im eher grasigen unteren Teil sind Markierungen MangelWare - dafür ist der Pfad großteils, vom Wasser ausgewaschen, eine Gras-besäumte Rille. Nicht schön zu beschreiten, aber gut zu finden. Lediglich auf [https://map.geo.admin.ch/?X=235779&Y=743792&zoom=12&lang=de&topic=ech&bgLayer=ch.swisstopo.swissimage&layers=ch.swisstopo.zeitreihen,ch.bafu.wrz-wildruhezonen_portal,ch.swisstopo.swisstlm3d-wanderwege&layers_visibility=false,false,true&layers_timestamp=19701231,,&layers_opacity=1,1,0.6&crosshair=marker
 ~1880m] war die Spur durch oberflächliche Rutschungen verwischt. Diese Stelle wird einfach in FallLinie passiert.
Von der Schwägalp(1352m) kommend, hält man auf die Kiesgrube Vicini-Bau (Appenzell) bzw Grob Kies AG (Lichtensteig) zu. Hier wird mit einer Mühle Schotter & Kies für Bauten auf dem Säntis & Schwägalp erzeugt. Auf 1357m beginnt ein Pfad, der auf den Kamm der Chammhalde & dann zum Einstieg/Chammhaldenroute(1577m) führt.
Hier eine gute Skizze von alpstein.


Tour:
Das "Nettenfeld-Wegli" (Benennung von mir): von Schwägalp/Nettenfeld(1360m), an Schlepplift & SendeMast vorbei, ging es auf dem NebenPfad (mit alten wrw-Markierungen) zum  Abzweig Nettenfeld(1464m) des offiziellen WanderWegs Richtung Musfallen & Tierwis. Damit umging ich den schuttigen unteren Teil des NormalAufstieges. In der Musfallen nahm ich den steileren Aufstieg rechts, der auf 1,5m ein 2SpreizSchritte-Handicap hat  (T3+).
Am Ellenbogen(1929m), am Ende einer flachen Querung unterhalb der Tierwis, verließ ich den markierten Weg & ging auf einem Pfad, unterhalb einer Felswand querend, leicht aufwärts zu den Masten der SäntisBahn & -StromVersorgung. Leicht abwärts erreichte ich dannach die markante Nase von P.1977m. Diesen Abstecher erkaufte ich mit 40Hm-extra. Nach Querung einer Rinne (T3) ging ich links, diagonal zum Hang, auf Gras & Geröll bis ich wenig oberhalb von Ellenbogen-AbzweigerHüenerberg die Spur der ChammhaldenRoute traf (T3). Auf dieser weiter hoch.
Der kurze abdrängende QuerGang auf (~2150m) schien mir schwieriger, als wie vor 2 Jahren. Vielleicht lag es am größeren Rucksack?
Für mich die schwierigste Stelle war nicht die Querung mit dem DrahtSeil. Da kam ich, trotz meiner kurzer Beine, mit einem SpreizSchritt gut rüber, ohne das Seil anzufassen. Solange die 3 FelsTritte stur an ihrem Ort bleiben geht´s mir gut damit. Aber wenige Schritte dannach folgt ein Wändchen am Beginn der felsigen Rinne (auch als "Trichter" benamst). Ich probierte es in FallLinie, dann links zu umklettern, dann war ich ratlos. Gut - das dumme Ding war auch feucht. Bis ich die Linie sah - von links-unten bis rechts-oben(~3,5Hm) ging es plötzlich problemlos hoch (II). Die Rinne oberhalb ist einfacher (T5-/I).
Dann war es auch nicht mehr weit bis zum Hüenerbersattel(2325m) - ab GrossBand (T5/II).
Zuerst schaute ich mir das Gelände nördlich vom Girenspitz(2448m) an. Es gibt da einen abfallenden SchuttFuß bzw Grasband, das wahrscheins bis zum GeröllFeld oberhalb der Stütze1 begehbar ist (T5?). Soweit ging ich nicht. Ich inspizierte einen diagonalen Riss - dieser hatte leider Unterbrechungen. Auch eine steile, blockige Runse war nicht zum Aufstieg zum Girenspitz zu gebrauchen. Da hielt nichts zusammen, ständig löste ich Steinschlag aus - nichts wie weg. Dann aus Interesse noch 2 nette Spörnchen angeguckt & wieder zurück zum Hüenerbersattel.
Hier versuchte ich es am Girenspitz-NO-Grat. Aber ohne KletterFinken im feuchten Fels war mir das dann zu heiß. Wieder zurück auf Null.
Nun hatte ich eine geniale Idee. Alle Welt geht die ChammhaldenTour aufwärts - ich werde sie im Abstieg meistern. Das ging auch sehr flott bis zum GrossBand(~2100m). Dann kam die bittere Realität mit aller Wucht - ich kam mir vor wie in ZeitLupe. Es fehlte mir die Spritzigkeit - ich litt am völligen Mangel an jugendlicher Leichtigkeit. Hier wusste ich, daß ich eher Kuh denn Gemse bin (mit KuhTendenz). Ich brauchte die anderthalb-fache Zeit für den Abstieg vom GrossBand(~2100m) zum Einstieg(1577m), wie pboehi für die selbe Strecke im Aufstieg. Gut - er ist auch fast einen Monat jünger;-) Selbst die grasigen Strecken gingen zäh wie Leim - aber mir kam in den Sinn, daß im Rucksack eine beflügelndes Hilfsmittel gegen schlüpfrige SchuhSohlen steckte. Damit ging es besser.
Inzwischen bin ich auch zu kopfsalats SchuhKetten-Fraktion übergelaufen und habe den letzten Teil des Pfads in der schmierigen SteilWiese oberhalb des  Chammhaldenroute - Einstieg 1577 m erfolgreich mit diesen, in 30Sek an/aus-ziehbaren, Grödel/Spikes (250-450g) hinter mich gebracht. GrossBand bis Einstieg(1577m) (T5-/I{T5/I+}).
Ich muß Hampi (leider 2015 verunglückt) recht geben, wenn er schrieb: "Wir steigen das feuchte und rutschige Chammhaldenweglein hinunter (ein wahrlich anderes Erlebnis als aufwärts)".
Die NasenlöcherTour ist im Abstieg einfacher (& schneller).

Möglicherweise ist die ChammhaldenVariante via Schwägalp, Musfallen, Ellenbogen, GrossBand in gewissen Situationen sogar die günstigere. Die Querung Ellenbogen bis ChammhaldenRoute ist mit TrittSchnee (& evtl Steigeisen/Pickel) möglicherweise sicherer, als ein Aufstieg mit Firn im unteren Bereich. Aber man kann das auch aus Spass an der Freude tun. Genauso, wie man auch weiter-queren könnte bis zum Hüenerberg(2312m) (oder bis zur ÖhrliGrueb für hartgesottene Freunde von Schutthängen).

- Wetter: trocken, sommerlich warm (~25°C),
- Sicht: oK, mittags Quellwolken am Säntis/Girenspitz(2448m)
- WegeZustand: erdige Abschnitte & nordseitige Felsen feucht, sonst normal
- Anforderungen: ChammhaldenRoute ist nur für BergGänger
- Material: Helm ist nicht Pflicht aber angeraten, Stöcke im unteren Bereich vorteilhaft
- Karte: Ausdruck von map.geo.admin.ch
-> SchwierigkeitsBewertungen beziehen sich, wegen der Vergleichbarkeit, auf trockene/gute Verhältnisse. Angetroffene Bedingungen in {}, zB T4{T5-}

Tourengänger: Kaj


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