Piz Tumpiv 3101m - Piz Dadens 2773m


Publiziert von Bergamotte Pro , 6. September 2016 um 13:03.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum: 3 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Bifertengruppe 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 1325 m
Abstieg: 1325 m
Strecke:9.7km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Alp da Schlans Sut (Trun, 7.-) oder Tschegn Dadens Sura (Brigels, 5.-), s. Hinweis im Text
Unterkunftmöglichkeiten:günstige Zimmer in Brigels (z.B. Gasthaus Surselva, Hotel Alpina)
Kartennummer:1193 Tödi / 1213 Trun

Nach der happigen Tour vom *Vortag wollte ich es heute ruhiger angehen. So übernachte ich gemütlich in Brigels und breche erst spät Richtung östliche Brigelser Hörner auf. Mein Start erfolgt dank Fahrbewilligung direkt auf der hoch gelegenen Alp Tschegn. So lässt sich der Piz Tumpiv in gerademal 1050 Höhenmetern erreichen - die schnellste und einfachste Route auf diesen beliebten Skipipfel.

Kurz vor neun Uhr breche ich von Tschegn Dadens Sura (2053m) ins Val Dadens auf. Den hohen Ausgangspunkt gab es nicht ganz umsonst. Das Problem ist nicht die Fahrbewilligung: diese kostet 5.- für drei Tage und kann im Hotel  Alpina, auf der Gemeinde Brigels oder im Tourismusbüro unbürokratisch gelöst werden (gilt für die ganze Gemeinde). Mühsam ist die weitläufige und ineffiziente Strassenführung. Hinzukommen neun (!) Weidetore, welche ich öffnen und wieder schliessen musste. So müssen für die Fahrt ab Brigels bis zu dreissig Minuten eingerechnet werden. Einfacher gestaltet sich die Anfahrt zur Alp Schlans hoch, dafür kommen dort zusätzliche 300Hm hinzu.

Weglos ziehe ich über Alpweiden das Val Dadens hoch. Direkt vor mir ragt der Piz Tumpiv auf, wobei man aus dieser Perspektive nur dessen Ostgipfel sieht. Zu meiner Rechten liegt der Piz Dadens mit seinem Südostgrat. Die Routenfindung gestaltet sich unkompliziert. Vom hinteren Talkessel steigt man an beliebiger Stelle über Geröllhalden und/oder Blockfelsen zum NE-Grat vom Tumpiv auf. Diesen erreicht man irgendwo westlich von P. 2675. Schwierigkeit bis hier: T4. Auf dem Grat öffnet sich der Tiefblick ins einsame Val Frisal. Direktabstiege wären durchaus möglich.

Ich folge einige Minuten dem Gratrücken, um dann den "Tumpivgletscher" bzw. dessen kümmerliche, schuttbedeckte Überreste zu erreichen. Pickel und Steigeisen gehören zur Sicherheit ins Gepäck. Denn an den wenigen Stellen, wo kein Schutt liegt, kommt gerne mal Blankeis zum Vorschein. Heute reicht mir hingegen der Pickel. Ich peile die markante Schuttrinne unterhalb vom Gipfelkreuz an. Ein Helm ist hier nicht verkehrt. Sind oberhalb andere Berggänger unterwegs, würde ich mit einer Begehung unbedingt zuwarten: Im Abstieg keine Steine auszulösen, ist praktisch unmöglich. Bei Bedarf kann man den feinen Schutt auch durch IIer Kletterei am linken Rand umgehen, was ich im Aufstieg gemacht habe.

So erreicht man eine kleine Gratscharte und blickt direkt zum Kreuz hoch. Wer mag, könnte über den Grat auch zum Ostgipfel queren. Kurz nach der Scharte hilft ein Fixseil über eine plattige Rinne hinweg. Grossgewachsene Berggänger können sich auch ohne raufwuchten (II+). Das Kreuz steht übrigens nicht auf dem höchsten Punkt, dieser liegt wenige Meter dahinter. Dort findet man auch eine Gamelle mit Buch. Das Panorama lässt für Glarophile wenig Wünsche übrig: Tief unten liegt das Val Frisal und im Westen ragen die Cavistrai in die Höhe. Zudem sieht man alle hohen Glarner, namentlich Tödi und Trabanten, Bifertenstock sowie Piz Urlaun und Frisal.

Der Abstieg erfolgt mehr oder weniger über die Aufstiegsroute. Über Restschnee kann ich Teile vom Gletscher abrutschen. Den Grat benutze ich nicht mehr, sondern steige direkt über Gletscherschliff-Platten zurück ins Val Dadens, mit etwas Vorsicht und Spürsinn geht das ganz passabel.

Eigentlich hatte ich für heute nur den Tumpiv programmiert, doch bereits beim Aufstieg war mir aufgefallen, wie schön sich dieser mit dem Piz Dadens kombinieren lässt. Also Abstieg bis ca. 2480m, dort Querung nach Osten, um anschliessend über Schrofengelände zum Südostgrat vom Dadens aufzusteigen (T5, Topo). Diesem folge ich strikt bis zum Gipfel. Das ist nicht besonders schwierig, falls man das Felsriff vor dem Schlussaufschwung umgeht. Irgendwie verschlafe ich das im Aufstieg und bin zu faul, zurückzusteigen. Die Quittung: extrem ausgesetzte IIer Kletterei (eine giftige T6), Nervenkitzel der unnötigen Sorte. Die Umgehung auf der Westseite wäre einfach gewesen (gemäss Führer geht's auch ostseitig).

Nun steht man vor dem recht steilen Schlussaufschwung. Ich steige in direkter Linie hoch, das ist schöne und griffige Kletterei im 2. Grad. Das ist aber fakultativ, in der recht breiten Flanke finden sich auch einfachere Linien im gehobenen Kraxelgelände. Der Führer bewertet mit T4, ich denke T5- bis T5 trifft's besser. Dann stehe ich auf dem luftigen Gipfelgrat vom Piz Dadens (2773m), Zeit für die Mittagsrast. Man geniesst von hier einen guten Blick in die soeben begangene Tumpiv-Normalroute. Persönlich erfreue ich mich vor allem am Panorama der Muttseegruppe, sind damit doch wunderschöne Bergerinnerungen verbunden.

Prinzipiell lassen sich Piz Dadens und der benachbarte Piz Dado schön kombinieren. Aber Achtung, ein Wiederabstieg ins Val Miez scheint mir kaum zu vermeiden. Denn eine tiefe Scharte trennt den Dadens Haupt- vom Nordgipfel (und damit dem Dado-Verbindungsgrat). Einen vernünftigen Übergang konnte ich nicht ausmachen. Aber ich hab ohnehin genug für heute. Also Abstieg zurück über den Grat bis zum Sattel, wo ich vorhin vom Val Dadens hochgekommen bin. Man könnte übrigens den Dadens Südostgrat in seiner ganzen Länge überschreiten, das ist gehobenes Gehgelände. Der Normalzustieg erfolgt aber durchs Val Miez, in welches ich vom Sattel über eine Schutthalde abrutschen kann. Im Aufstieg wär das recht kräfteraubend. Anschliessend über Weidegelände talauswärts zurück zum Auto auf Tschegn Dadens Sura (2053m). Nun dürfen wieder fleissig Weidetore verschoben werden...


Zeiten
2:15  Piz Tumpiv
1:25  Piz Dadens
0:50  Alp Tschegn

Tourengänger: Bergamotte

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