Große Runde über den Hochreichkopf


Publiziert von klemi74 , 7. September 2016 um 21:50.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum: 7 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 11:30
Aufstieg: 1980 m
Abstieg: 1980 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kühtai; auf der Passhöhe gibt es eine ganze Reihe an Parkplätzen, ich habe am westlichen Rand der Siedlung in der Nähe der Dortmunder Hütte geparkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Entweder in Kühtai oder an der Guben-Schweinfurter -Hütte; letztgenannte Alternative kann man nutzen, wenn die Tour auf zwei Tage aufgeteilt werden soll...

Endlich habe ich mal wieder Zeit für eine richtige, eine echte Bergtour. Das muss genutzt werden, zumal ja auch das Wetter passt. Was hingegen nicht passt: mein Auto gehört in die Werkstatt, die Bremsbeläge sind im Eimer. Leider hab ich erst am Freitag einen Termin bekommen und soll bis dahin nur wenig und vor allem vorsichtig fahren... Kühtai ist, so definiere ich es zumindest mal, nicht weit und so steht dem ersten 3000er der Saison nichts mehr im Wege.

Los geht's direkt vor der Dortmunder Hütte, wo ich nach der Tour evtl. auch übernachten möchte. Zunächst kurz der Straße in Richtung Ötzital folgend geht es hinunter zum Stausee. Hier von der Straße ab und hinein ins Längental, durch das anfangs eine holprige Almstraße, dann nur noch ein kleiner Steig in sanfter Steigung gen Süden führt. Das Tal wendet sich später mehr gegen Südwesten, bleibt aber zunächst relativ flach, kurz vor der Niederreichscharte steilt es dann aber deutlich auf und über jede Menge Schutt wird der Einschnitt erreicht.
In der Scharte angekommen, trifft man auf den Wilhelm-Oltrogge-Weg, der die Bielefelder Hütte und die Schweinfurter Hütte in einer langen Wanderung miteinander verbindet. Auf dem Nordwestgrat des Hochreichkopfes geht es nun hinauf, immer gut gesichert, fast schon übertrieben. Das ändert sich an der Stelle, an der der Höhenweg in die Flanke abzweigt. Ich bin auf dem Grat geblieben, der tatsächlich nur an einer Stelle als IIer zu bewerten ist, wiederholt auch als I - problematischer als die Kraxelstellen fand ich die Bereiche, in denen die Steinmänner in die Nordseite weisen, hier ist es nämlich ziemlich rutschig und auch großen Brocken kann man nicht immer trauen. Am Gipfel angekommen, ist die Fernsicht Klasse, außer mir ist tatsächlich noch ein Wanderer da, der direkt aus Umhausen aufgestiegen ist.

Nach der Gipfelrast bin ich über den problemlos begehbaren Südrücken zur Hochreichscharte abgestiegen. Von dort aus gibt es auf der Ostseite einen unangenehmen Abstieg zu einer ebenen Fläche: der Steig ist steil und rutschig, unter dem schiefrig-erdigen Schutt liegen auch größere Brocken, so dass Vorsicht angesagt ist. Nach der kleinen Ebene mit zwei kleinen Seen wird der Steig besser, in wechselnder Steigung führt er über begrünte Moränen hinab zur Finstertaler Sennhütte.
Ab hier kann man den Hang in schönem Zirbenwald queren und spart sich somit den Wiederaufstieg zur Guben-Schweinfurter Hütte, wo eine längere Mittagspause anstand.

Nun muss man 750m zur Finstertaler Scharte ansteigen: die ersten steilen Abschnitte in praller Sonne waren äußerst anstrengend, ich war mir kurzzeitig nicht sicher, ob ich oben ankommen werde. Irgendwann wird das Gelände aber flacher, das Weite Kar besteht aus grasdurchsetztem, leicht welligen Moränengelände.
An der Scharte angekommen, war nun sogar der Aufstieg zum Schartenkopf noch drin, dieser verläuft immer etwas südlich der Gratkante und ist leidlich markiert und ausgetreten, trotzdem braucht man ab und an die Hände zur Unterstützung. Jetzt war aber dann doch eine Pause vonnöten, viel länger hätte der Anstieg nicht sein dürfen...

Was folgt, ist der lange Weg hinab nach Kühtai. Zuerst geht es zurück zur Scharte, dann nordseitig über großflächige Schuttfelder hinunter zum Speichersee Finstertal. Am See entlang gibt es nun eine längere absolut ebene Passage zum Staudamm und danach den Abstieg nach Kühtai - diesen habe ich übrigens nicht auf dem Steig, sondern auf der Teerstraße zurückgelegt, das fanden die Füße irgendwie angenehmer.
Da ich doch einigermaßen K.o. war, habe ich mir im Ort ein Zimmer gesucht und die Heimfahrt auf morgen verschoben.

Fazit:
Sehr schön und sehr lang. Dazu nicht überlaufen, abgesehen vom Bereich um die Schweinfurter Hütte waren heute ganze 7 Leute zu sehen.
Die Schwierigkeitsbewertung bezieht sich ausschließlich auf den obersten Nordwestgrat zum Hochreichkopf. Ansonsten wird T3+ nicht überschritten und auch nur am Schartenkopf und am Abstieg von der Hochreichscharte erreicht.

Gehzeiten:
Zum Hochreichkopf 3h10
Zur Guben-Schweinfurter Hütte 1h40
Zum Schartenkopf 2h
Zur Staumauer 1h20
Zur Dortmunder Hütte 45min

Tourengänger: klemi74


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Kommentare (2)


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scan hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2016 um 06:12
11.30 Std, knapp 2000 HM - stolze Leistung :-).

Sag mal, von wo aus bist du eigentlich losgefahren, denn irgendwie sieht man dich überall in Deutschland und Österreich herumturnen? Die Stubaier sind wirklich schön, aber mit 2,5 Std. nicht wirklich in meiner Reichweite. Trotzdem, auf der Sulzkogel stand ich auch schon mal :-)

By the way: Die Kühtai für ein Auto mit abeschrubbelten Bremsbeläge? Da hilft nur, mit den Gängen zu bremsen :-)

klemi74 hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. September 2016 um 14:06
Richtig, mit den Gängen bremst es sich ganz gut, auf die Eisen muss man bei entsprechender Fahrweise überraschend selten steigen - trotzdem darfst du davon ausgehen, dass ich am Morgen auf freier Strecke nochmal eine Vollbremsung getestet habe...

Start ist n Hohenpeißenberg, 1h50 Fahrzeit haben in der Früh gereicht. Bei den meisten Bergtouren starte ich von daheim, wenn's nach Südtirol oder in die Nockberge geht, ist das im Rahmen eines Kurzurlaubes der Fall - die Wanderungen in Nordbayern verbinde ich i.d.R. mit einem Besuch in der alten Heimat.
Mehr als 2Stunden Anfahrt für eine Tour mache ich eigentlich nicht, in dieser Zeit komme ich durchaus bis ins Ötztal oder auch nach Lech am Arlberg rauf.

Gruß,
Karsten


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