Hochplattig (Ostgipfel 2698m)


Publiziert von gero Pro , 14. Februar 2009 um 16:31.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Tour Datum:28 Oktober 2000
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Obermieming - Boaßlig-Brücke - Gacher Blick - Hochplattig
Kartennummer:AV-Karte 4/2 Wetterstein- und Mieminger Gebirge (Mitte)

Im folgenden habe ich noch so einen kleinsplittrigen, kniffligen und deshalb selten besuchten Bergstock aus den Miemingern zu bieten: den Hochplattig, dessen Mittelgipfel ja der höchste jener Kette ist, die dem Wetterstein südlich vorgelagert ist. Ich kann Euch allerdings nur den Ostgipfel bieten, denn der Übergang auf den 70m höheren Mittelgipfel war mir damals zu heikel - schon wegen des Schnees, der Ende Oktober in dieser Höhe auch südseitig lag.

Und noch eines muß ich vorwegschicken: damals boten Digitalkameras bei weitem noch nicht die Qualität, an die wir uns heute längst gewöhnt haben. So wirken die Fotos, die ich Euch zeige, etwas verwaschen und unscharf - schaut sie Euch trotzdem an und laßt Gnade bei der Beurteilung walten! Digitale Steinzeit .....

Also los jetzt. Wir starten in Obermieming am Parkplatz (900m) um 7:00 Uhr und folgen dem Lehnbach, der etwas nördlich unseres Ausgangspunktes aus dem Zusammenfluß von Stöttlbach und Judenbach gebildet wird, auf einer Forststraße. Von Anfang an haben wir unser Ziel vor Augen, den Hochplattig, der sich wie eine breite Mauer oberhalb der wild zerklüfteten Judenklamm erhebt.

Gegen 7:30 Uhr haben wir die Boaßligbrücke (1100m) erreicht. Hier befindet sich ein großes Wegkreuz - wir folgen der Beschilderung zum Gachen Blick, die uns zunächst den Henneberg hinaufleitet. Immer wieder können wir sehr gut gegenüber in den Schuttstrom der Stöttlreise hineinsehen, aus der sich links der Wank und rechts das Massiv der Griesspitzen erhebt. Ein Ausläufer des Hochplattig - Westgipfels zeigt sich wie ein kühnes Horn über uns.

Um 9 Uhr sind wir auf dem Gachen Blick, einem außergewöhnlichen Aussichtspunkt - der Blick ist wirklich "gach"! Zum einen hinab auf das Mieminger Plateau mit den verstreuten Ortschaften, zum andern in das Pitztal, das gegenüber in die Zentralalpen hineinführt. Aber das Highlight ist sicher die gewaltige Kulisse auf unseren Weiterweg: nördlich unmittelbar vor uns schauen wir in die wilden Schlünde der Judenklamm hinein, über der sich das Gebiet "Oberplattig" erstreckt - dorthin haben wir nun anzusteigen und die mächtigen Schrofenhänge unter dem eigentlichen Hochplattig-Massiv ostwärts zu queren, um dessen Ostgipfel erklimmen zu können.

Nach einer kurzen Pause des Staunens und des Fotografierens queren wir den westseitigen Rand der Abbrüche oberhalb der Judenklamm - ein Wunder, daß dieses erodierte Steilgelände überhaupt noch existiert, nicht von den Regenfällen der vergangenen Jahrtausende längst abgetragen wurde. Der Steig verkümmert nun immer mehr, und wir erklimmen zunächst nahe der Abbruchkante, später dann zunehmend weiter oben und damit in sicherer Entfernung die Schrofenhänge des Oberplattig. Das Gelände ist zwar weglos, weist aber keine technischen Schwierigkeiten auf. Aber absolut trittsicher und schwindelfrei muß man unbedingt sein - und wie immer den nötigen Geländeblick haben, gepaart mit nicht unerheblicher Zuversicht und Moral: es wird schon irgendwie weitergehen, umkehren kann man immer noch!

Und es geht tatsächlich immer weiter; wie gesagt, weglos östlich ansteigend, einmal um eine Art Rücken herum, der etwa in der Mitte des Riesenhanges nach unten zieht. Man erreicht so auf ca. 2400m die östlichste einiger Rinnen, die es zu erkraxeln gilt - immer dem oben sichtbaren Gipfelkreuz entgegen. Auch diese Rinne ist technisch nicht schwer (Stellen I) - aber man muß - wie schon zuvor - derartigem Gelände unbedingt gewachsen sein. Leises gelegentliches Fluchen ob des Schuttes und der unangenehmen Kleinsplittrigkeit erlaubt - DAS sind die Mieminger!

Kurz vor 12 Uhr war ich dann oben auf dem Ostgipfel mit seinem schlichten Holzkreuz - genau 5 Std. ab Obermieming, wie es der DAV-Führer "Mieminger Kette" angibt. Anders als die benachbarte Hochwand war hier nicht Hermann von Barth der Erstersteiger - (ihm gehörte der Hauptgipfel am 11.8.1872, und Ludwig Purtscheller erklomm am 21.8.1883 erstmals den Westgipfel); der Ostgipfel wurde wohl schon viel früher von einheimischen Jägern erreicht.

Die Aussicht von diesem Gipfel ist wieder einmal großartig: auf das Wetterstein, die anderen Spitzen der Mieminger in West und Ost (vor allem die benachbarte Hochwand), und natürlich auch der Tiefblick über 2000Hm hinunter ins Inntal.

Wie schon einleitend erwähnt, war mir als Alleingeher vor allem im Hinblick auf die vorwinterlichen Verhältnisse der Weiterweg über den knackig ausgesetzten Gipfelgrat hinüber zum Hauptgipfel zu riskant. Ich begnügte mich mit dem erreichten Hochplattig - Ostgipfel und mußte ja sowieso rechtzeitig wieder zurückkommen nach Obermieming.

Im Abstieg erfordern die steilen Schrofenhänge, die es zurück zum Gachen Blick zu queren gilt, noch einmal größte Vorsicht. Dann aber schlendert man wieder hinunter zur Boaßligbrücke, die unbewußte körperliche und moralische Anspannung der letzten Stunden löst sich und weicht großer Befriedigung: wieder einmal ein lang ersehntes, anspruchsvolles Bergziel ereicht, auf der Wunschliste abgehakt.


Tourengänger: gero

Galerie


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