Piz Surgonda 3196/3193 m - Gesamtüberschreitung von Ost nach West


Publiziert von Ivo66 Pro , 3. September 2016 um 20:08.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum: 3 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1060 m
Abstieg: 1060 m
Strecke:Julierpassstrasse - Fuorcla Alva - Fuorcla Margun - Ostgrat - P. 3160 m - Piz Surgonda Ost- und Westgipfel (P. 3196 m / P. 3193 m) - Fuorcla d'Agnel - Val d'Agnel - Julierpassstrasse
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Der Piz Surgonda ist ein im Sommer ziemlich einsamer Berg auf der Gratschneide zwischen dem Oberhalbstein und dem Oberengadin. Auch wir haben ihn im Winter öfter besucht als zur schneefreien Zeit. Die Normalroute aus dem Oberhalbstein , über welche auch der Skizustieg erfolgt, ist denn im Sommer auch nicht besonders attraktiv, dennoch aber sehr lohnend, weil man sich stets in einer atemberaubend schönen Berglandschaft bewegt.

Um einiges spannender und auch anspruchsvoller ist die Überschreitung des Bergs mit seinen beiden Gipfeln (Ost und West), die wir schon zweimal von Westen aus startend begangen sind. Heute wollten wir aber eine für uns neue Variante unternehmen, welche die Gesamtüberschreitung des Bergs von der Fuorcla Margun bis zur Fuorcla d'Agnel zum Ziel hatte. Gemäss SAC-Clubführer ist sie "wenig gebräuchlich" und mit WS bewertet.

Der offensichtliche Grund der Ungebräuchlichkeit des Ostgrats war denn auch schnell ausgemacht: Wie im SAC-Clubführer angegeben, hat man den ersten sehr spitzen Türmen am Grat auszuweichen und das geht nur in der sehr steilen Nordflanke, welche eine Mischung zwischen sehr brüchigem Fels und sehr unangenehm zu begehendem feinen Schutt ist, der wiederum auf brüchigem Fels gelagert ist. Eine üblere Felsqualität als hier, ist uns bisher kaum je begegnet. Selbst bei passabel scheinenden felsigen Steilaufschwüngen löste ich teilweise grosse Brocken aus dem übrigen Gebrösel heraus. Wir mussten also sehr vorsichtig zu Werke gehen und schafften die Umgehung nur mit grosser Mühe.

Dann aber durften wir die Früchte der harten Arbeit sofort ernten: Der felsige Steilaufschwung auf dem Grat bot einen abwechslungsreichen Aufstieg in ganz ordentlichem Fels. Schliesslich erkannten wir bald, dass hier ein Durchgang zu schaffen ist und sahen uns bestätigt, als wir den Vorgipfel bei P. 3160 m vor Augen hatten.

Den Schlussaufstieg zum höchsten Punkt, dem Ostgipfel, konnten wir so umso mehr geniessen, gepaart mit der Vorfreude auf die weitere Gratüberschreitung zum Westgipfel. Aus dieser Richtung ist er genussreicher zu begehen, da die schönen Steilaufschwünge hier im Aufstieg bewältigt werden.

Noch immer habe ich nicht herausgefunden, welcher der beiden mit Steinmännern dekorierten Felsköpfe nun der Westgipfel ist. Es sind beide wohl etwas gleich hoch. Der Abstieg zur Fuorcla d'Agnel erforderte dann etwas Gespür für die Routenfindung. Dann war die Gesamtüberschreitung geschafft; was für ein Erlebnis! Wir liessen die Tour an einem der namenlosen Seen in der Gerölllandschaft des oberen Val d'Agnel gemütlich ausklingen. Das sehr kurze Bad im Seelein auf 2800 m. ü. M. war eine Schock-Erfrischung der angenehmen Sorte.

Routenbeschreibung:

Julierpasstrasse - Fuorcla Alva (T2)
Von Parkplatz bei der Kurve (ca. 2250 m. ü. M.) oberhalb des Gasthauses am Julierpass stiegen wir direkt die recht steilen Hänge in nördlicher Richtung hoch. Ab der Hälfte etwas links haltend, trifft man auf eine zwischendurch gut ausgebaute Wegspur, die - weiter oben nicht immer deutlich - durch das namenlose Tälchen zwischen dem Corn Alv und dem Muot Cotschen hindurch zur Fuorcla Alva hinauf führt.

Fuorcla Alva - Fuorcla Margun (T3)
Eine deutliche Wegspur führt von der Fuorcla Alva in nordöstlicher Richtung am Crap Alv vorbei und endet nach einigen hundert Metern. Anschliessend folgt man weglos in gut begehbarem Schuttgelände bis zur Fuorcla Margun, der Einsattelung zwischen Piz Surgonda und Corn Margun.

Fuorcla Margun - Piz Surgonda Ostgipfel (T5)
Zunächst peilt man die markante, grosse Felsnadel auf dem Grat an in hier noch gut begehbarem Schuttgelände. Die folgenden Zacken müssen dann ziemlich heikel in der Nordflanke umgangen werden. Wir stiegen ziemlich weit ab und schlängelten uns allmählich hoch unter Ausnutzung einiger Felsrippen. Doch Vorsicht: Der Fels ist hier durchwegs sehr unzuverlässig. Erst in Gratnähe wird das Gelände wieder etwas harmloser.

Die Umgehung der nächsten Turmgruppe - wiederum in der Nordflanke - ist dann etwas weniger abschüssig. Nach der Rückkehr zum Grat steigt man zum breiten felsigen Steilaufschung auf. In gut gestuftem Fels ersteigt man die erste, fast senkrechte Stufe (II) und hält sich dann am besten etwas links, wo es über sehr gut gestufte Felsen weiter hoch geht. In der Folge hielten wir uns stets in Gratnähe, wo der Fels am besten ist (II-). Ziemlich direkt stiegen wir im Fels auf, bis das Gelände auf dem Grat wieder breiter wurde.  Man wandert über Schutt und Geröll zu P. 3160 m hinüber (Steinmann). Vor einem senkrechten Einschnitt steigt man kurz durch die Südflanke ab (eine Art Rinne) und hat dann die Schwierigkeiten im Aufstieg zum Ostgipfel hinter sich. Dieser wird in Gehgelände, teilweise auf Wegspuren erreicht.

Überschreitung Ostgipfel - Westgipfel (T5)
Man steigt über Schutt und gut begehbare Absätze in die Einsattelung ab. Man kann einen ziemlich ausgesetzten Abschnitt in der Nordflanke umgehen. Der Beginn des folgenden Aufschwungs wartet dann mit schöner Kletterei über steile, aber gute Felsen. Auch in der Folge wird ein recht ausgesetzter Gratabschnitt direkt über Risse und über die Kante überklettert.  Auch die Durchquerung der kleinen Einsattelung zwischen den "beiden" Westgipfeln erfordert nochmals leichte Kletterei.

Abstieg zur Fuorcla d'Agnel (T4)
Meist entlang des Grats steigt man über Geröllblöcke und Schutt ab, am Schluss in die Nordflanke ausweichend (zum Teil Wegspuren und Steinmännchen)

Fuorcla d'Agnel - Julierpassstrasse (T2)
Man folgt dem markierten Bergwanderweg zur Julierpassstrasse. Wenn man wie wir die Tour vom Parkplatz oberhalb des Gasthauses an der Passstrasse begonnen hat, quert man beim Wasserfall auf etwa 2300 m. ü. M. auf einem nicht markierten, aber gut zu erkennenden Weglein die steilen Hänge zunächst in östlicher Richtung und gelangt so zum höher gelegenen Ausgangspunkt.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (2)


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Peter23 hat gesagt: Piz Surgonda
Gesendet am 4. September 2016 um 23:18
Hallo Ivo und Lena

Eindrücklicher Bericht mit Super-Fotos zur anspruchsvollen Überschreitung. Man spürt die ausgesetzten und kniffligen Stellen im satten 5+ selbst im Polstersessel mit leichtem Kribbeln.
Beste Grüsse Peter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Piz Surgonda
Gesendet am 5. September 2016 um 18:58
Hallo Peter

Vielen Dank für das Kompliment. Die Bewertung T5+ bezieht sich einzig auf die heftige Umgehung in der Nordflanke zu Beginn. Die Gratüberschreitung selbst ist T5, zwar oft ausgesetzt, aber an den entscheidenden Stellen in Top-Fels.

Beste Grüsse
Ivo


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