Pico Aneto, 3404 m, höchster Berg Pyrinäen


Publiziert von sqplayer , 2. September 2016 um 10:50.

Region: Welt » Spanien » Aragonien » Huesca
Tour Datum:23 Juni 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 8:45
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:ca. 10 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von Benasque einfach weiter ins Tal hinein, dann zum Hospital abbiegen, dort wiederum rechts halten und durch die schöne Flussebene weiter bis nach La Besurta, dort Ende der Straße und Parkplatz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:wie Anfahrt
Unterkunftmöglichkeiten:Benasque: hervorragendes Abend-Menü im Hotel Aragüells. Hat zwar nur 2 Sterne aber ist aus meiner Sicht hervorragend. Liegt auch direkt im Zentrum, 2-3 Supermärkte in 10 Minuten erreichbar.

Nachdem ich die Comapedrosa, den höchsten Berg von Andorra, besteiegen hatte, fuhr ich 200 km weiter nach Westen in den bekannten Bergsteiger- und Skiort "Benasque". Ich dachte erst ich bin bei "Spiel mir das Lied vom Tod" - Grasbüschel wehten in der Mittagshitze über die Straße :-) Gegen Abend füllte sich der Ort aber mit hauptsächlich spanischen Touristen und wirkte auf einmal gar nicht mehr so verlassen. Als ich so durch die Gassen ging, gefiel mir der Ort immer besser, ein hübsches kleines Bergsteigerdorf.

Morgens um 5:00 traf ich meinen Bergführer Juan von Equipes Barabes, einem riesigen Sportgeschäft, vor eben diesem. Zur Info: der Laden ist direkt am großen Kreisverkehr an der Straße durch den Ort. Warum habe ich einen Bergführer (240 Euro) genommen? Wegen der Brücke des Mohammed, ein zwar leichte aber sehr ausgesetzte Kletterei am Ende. Und der Bergführer hat eine den meisten unbekannte Route auf dem Rückweg genommen. Und wegen dem Gletscher. Der hat auf dem Weg zwar keine mir bekannten Spalten aber sicher ist sicher.

Mit meinem Mietwagen fuhren wir zunächst zum Hospital und weiter nach La Besurta, wo dann das Ende der Straße ist. Von Benasque aus fährt man ca. 20 Minuten. Um 5:30 begannen wir bei ziemlich warmen Temperaturen unseren Aufstieg.

Zunächst geht es einen normalen Weg hoch zum Refugio Renclusa. Das dauert ca. 30-45 Minuten. Man braucht wirklich nicht in der Hütte übernachten, denn die 30 Minuten mehr schafft man morgens auch noch lässig!

Nach dem Refugio wird es dann unangenehmer. Zunächst noch ein Pfad, dann geht es über Blöcke ein Bachbett steil aufwärts. Obwohl ich gut trainiert bin, musste ich erstmal warm werden und musste ganz schön Hecheln. Bei ca. 2500 m erreichten wir dann das Ende des Blockgeländes. Ab hier war dann auch durchgehend Schnee (war ja noch im Juni).

Wir legten die Steigeisen an und machten eine kurze Pause. Das Wetter war perfekt und ich war echt froh darüber. Nun ging es im Zick-Zack recht steile Schneefelder hinauf bis ca. 2800 m. Wie gesagt, alles im Schnee, was recht hübsch aussah. Bei 2800 m geht es links herum und man gelangt zum Portillon Superior, einem kleinen Fenster von wo man dann steil aber ungefährlich zum Gletscher hinabsteigt. Jetzt zeigte sich erstmals auch der mächtige Aneto in der Ferne. Er sah so nah aus, aber es waren von hier noch über 2 Stunden! Die Menschen auf dem Gletscher sahen aus wie Ameisen.

Es ging leicht ansteigend den Gletscher entlang, eine willkommene Erholung nach dem steilen Aufstieg zum Portillon Superior! Nach ca. 1,5 Stunden erreichten wir die "Wall Of Silence", die letzte steile Flanke, die zum Gipfel führt. Wir machten kurz Pause und dann ging es die sehr steile "Wall Of Silence" im Zick-Zack hoch. Woher kommt der Name? Nun ja, es ist so steil dass man vor allem mit Nach-Luft-Ringen beschäftigt ist und man keine tiefgründigen Gespräche führt. Ich hatte zwar einige Tage vorher schon die Comepedrosa (2943 m) bestiegen, war aber für knapp 3400 m nicht wirklich akklimatisiert. Das merkte ich jetzt. Die Anstrengung war wirklich abartig.

Nach einer halben Stunde war auch dieses letzte Stück geschafft und nach knapp 5 Stunden standen wir vor der Brücke des Mohammed! Also, die sieht wirklich gruselig aus. Es sind dort einige Klettereien zu absolvieren, ich würde es von der Schwierigkeit mit dem letzten Stück am Großglockner nach der Scharte vergleichen. Ausgesetzt, aber technisch nicht zu schwer. Man muss sich auch zweimal um hervorstehende Felsen herumwinden, über dem Abgrund. Wir gingen mit Steigeisen, wäre aber auch ohne gegangen. Mein Bergführer Juan sicherte mich mit dem Steil.

Und dann endlich der Gipfel! Wir machten kurz einige Fotos und dann wollte ich den Grat schnell hinter mich bringen. Einmal war ich mental etwas blockiert, weil es an einer Stelle etwas heikel ist wo man einen Felsen herunterklettern muss im Angesicht des Abgrunds.

Den Abstieg machten wir uns einfach: wir gingen im Schnee einfach in direkter Linie runter bis zu einem See auf 2500 m, wo auch ein reißender Fluss beginnt. Mir war leider ein Wanderstock aus dem Rucksack gefallen, was ich zu spät merkte. Jetzt nochmal hochgehen in der Hitze? No Way! Langsam machte sich auch die Erschöfpung breit und ich spürte die Knochen. Zum Glück fand später ein anderer Bergführer den Stock und brachte ihn mir während unserer Pause am See. Da war ich froh, denn die Stöcke von Leki hatte ich gerade neu gekauft.

Ab dem See geht es runter in das Tal "um die Ecke herum von La Besurta". Der Abstieg ist meist weglos durch Grashänge und ohne Bergführer quasi nicht zu finden. Nun folgte ein echtes Hightlight. Wir stiegen ab bis zu einer wunderschönen Hochebene auf ca. 2000 m. Hier vereinigten sich mehrere klare Wildflüsse und flossen durch eine Wiesenlandschaft. Mit dem schneebedeckten Aneto im Hintergrund wirkte es wie im Paradies! Zwei Flüsse mussten wir durchwaten, ich habe gar nicht erst die Stiefel ausgezogen weil es so heiß war. Da war eine Abkühlung willkommen! Und noch eine Besonderheit: der Wildfluss stützt hinunter in einen kleinen See und verschwindet unter der Erde! Einfach weg. Im Juni war dieser hübsche, kleine, türkise See noch vorhanden, im späteren Sommer wohl ausgetrocknet.

Die letzten 45 Minuten waren in der Mittagshitze recht hart, meine 1,5 Liter Flasche war mittlerweile auch leer. Es ging jetzt über einfache Pfade durch das Tal, bis man wieder bei La Besurta ankommt.

Juan und ich begossen den Gipfelsieg dann noch mit einem Bier bzw. einer Fanta und dann ging es mit dem Auto zurück nach Benasque.

Fazit: mit Schnee eine Traumtour, sehr anstrengend, ausgesetzte Kletterei am Gipfel lieber mit Bergführer! 


Tourengänger: sqplayer

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Kommentare (4)


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belvair hat gesagt: Glückwunsch
Gesendet am 2. September 2016 um 20:33
freue mich immer, wenn ich was über die Pyrenäen hier lese. Hätte nicht gedacht, dass der Glockner nicht schwieriger ist...

sqplayer hat gesagt: RE:Glückwunsch
Gesendet am 2. September 2016 um 20:36
Danke :-)

Also ich meinte es so: die Kletterei an sich würde ich am Glockner vom Schwierigkeitsgrad her ähnlich einschätzen. Allerdings ist die Zeit, wo geklettert werden muss, am Glockner deutlich länger. Am Aneto ist es wirklich nur ganz kurz aber aus meiner Sicht nicht ohne, wenn man nicht gesichert ist.

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2016 um 00:30
Naja "L" und "II" sind eigentlich nicht schwer, aber für einen Nichtalpinisten dennoch ein grossartiges Erlebnis wenns der höchste Berg der Pyrenäen ist. Ich gratuliere dir auf jedenfall zum tollen Gipfelerlebnis! Gespannt bin ich zudem auf den Bericht des andorranischen Landeshöhepunktes.

Gruss aus Russland,

Sputnik

sqplayer hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. September 2016 um 01:55
Danke! Der Andorra-Bericht dauert noch etwas, da ich gerade für 982 Euro meine defekte Speicherkarte wiederherstellen lasse von einer Spezialfirma. Controller ist kaputt, da müssen die Profis ran! Kannst dich aber auch schon auf meinen Bericht zur Gerlachspitze und Rysy freuen :-)


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