Pic de Rochebrune (3320 m)


Publiziert von Stirml , 30. August 2016 um 15:53.

Region: Welt » Frankreich » Cottische Alpen » Queyras
Tour Datum:25 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: F 
Zeitbedarf: 1 Tage 8:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m

Südlich vom Gran Paradiso sind für Nordalpenbergsteiger die Berge oft wenig bekannt und die Einteilung der Gebrigsbgruppen wird eher grob: Vanoise, Dauphine, Cottische Alpen, Seealpen. Bei genauerem Studium findet man allerdings Untergruppen wie  z.B. Cerces, Queyras oder Ubaye - alle mit einer nicht unbedeutenden Anzahl von Dreitausendern. Das Queyras befindet sich zwischen dem Ecrins-Massiv im Westen und dem Monviso im Osten. Im Norden begrenzt der Passübergang des Montgenevre das Gebiet.

Der Pic de Rochebrune gilt mit seinen 3320 m als höchster Berg im nördlichen Teil des Queyras. Wenn man von Norden in das Gebiet schaut, stellt er sich als markantes Horn dar, quasi ein kleiner Bruder zum Monviso, der wie immer wuchtig und imposant das Panorama beherrscht.

Als Ausgangspunkt für die Besteigung des Pic de Rochebrune haben wir das Col d'Izoard (2360 m) gewählt, das man von der Alpenstadt Briancon über eine sehr gut ausgebaute Straße erreicht. Während unterhalb des Col d'Izoard die Straße noch durch herrliche Nadel-/Lärchenwälder führt, muten das Col d'Izoard und die umgebenden Berge eher wüstenartig an: keine Bäume/Latschen, Bäche oder Seen, nur karge Wiesen, riesige Schuttreisen in allen möglichen Braun- und Grautönen sowie (meist brüchige) Felsformationen.

Vom Col d'Izoard steigt man östlich zum ausgeschilderten Col Perdu (2479 m) in einer knappen halben Stunde auf. Vom Col Perdu hat man dann erstmals den Pic de Rochebrune sowie den gesamten Aufstiegsweg vor Augen. Es folgt ein kurzer Abstieg in den weiten Talkessel Bois des Oules (Höhenverlust rund 100 m) und ein langer steiniger, schottriger Aufstieg -unterhalb des Kamms der Cretes des Oules querend- zum Col des Portes (2915 m; gut 1,5 Stunden vom Col Perdu). Ab hier folgt man dem sich immer weiter aufsteilenden Rücken nach Osten, der in die Rinne zwischen dem Süd- und Nordgipfel des Pic de Rochebrune führt, um die zwischen den Gipfeln gelegene Scharte zu erreichen (ab Col des Portes knapp 1 Stunde). Der Aufstieg erfolgt zwar auf einem mit Steinmännern markierten Pfad, bereitet aber alle Freuden eines lockeren Schutt- und Geröllhangs.

Ab der Scharte ersteigt man -ggf. unter Benutzung des dort fixierten Seiles- ein kurzes, steiles Wandl (ca. 5 Meter, II-III; am Ende befindet sich ein gebohrter Abseilstand mit Karabiner) und quert ein Bändchen, um die nach Osten geöffnete, amphitheatermäßige Gipfelschlucht zu erreichen. Diese äußerst brüchige Gipfelschlucht verfolgt man beliebig hinauf zum Hauptgipfel (weitere ca. 20 Minuten).

Variante 1:
Nach dem Wandl und dem Bändchen kann man wohl direkt die die Gipfelschlucht -im Aufstiegssinne- links begrenzende Kante erklettern. Dies haben wir allerdings nicht gemacht. Der Fels sah fest und einladend aus; es waren weitere 2 gebohrte Abseilstände mit Karabiner sichtbar; Schwierigkeit vielleicht III bis max. IV.

Variante 2:
Statt dem Wandl mit dem fixierten Seil kann man eine rund 10 Meter weiter rechts (östlich; Steinmann) befindliche Kaminrinne ersteigen. Diese ist m.A. weniger schwierig als das Wandl (und nicht ausgesetzt). Man gelangt so etwas weiter unten in die Gipfelschlucht. Dies war unserer Abstiegsweg.

Die Aussicht vom Gipfel umfasst die gesamten südlichen Westalpen. Insbesondere die Dauphine im Westen ist eindrucksvoll.


Resumee: 
Dolomitenmäßiger Anstieg auf einen hervorragenden und von allen Seiten markanten Aussichtsgipfel. Er zeichnet sich allerdings als ausgesprochener Bruchhaufen aus. Insbesondere der brüchigen Gipfelschlucht ist mit Vorsicht zu begegnen. Die angegebene Kletterschwierigkeit ist auf ca. 5 Meter begrenzt und lässt sich umgehen. Auf der gesamten Tour kein Wasser. 


Tourengänger: Stirml


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Kommentare (2)


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kletterer hat gesagt: Vorsicht bei der Tourenbeschreibung
Gesendet am 17. August 2017 um 11:27
Die Beschreibung stimmt ab dem Wandl nicht mehr so ganz!
Das kurze Bändchen ist circa 50 Meter lang und teils stark exponiert ( ca 20m Absturzhöhe!). Auch der Aufstieg in der Gipfelschlucht ist nicht ganz einfach, teilweise Kletterstellen mit UIAA 1-2.
Man sollte die Tour, vor allem die letzten 200 hm nicht unterschätzen. Die hier geschriebene Beschreibung vermittelt einen etwas falschen Eindruck!

Stirml hat gesagt: RE:Vorsicht bei der Tourenbeschreibung
Gesendet am 31. August 2017 um 11:57
Hallo Kletterer,

ja, es handelt sich um einen alpinen Anstieg. Deshalb auch die Bewertung T4+, gerne auch T5- (Definition T4: „Wegspur nicht zwingend vorhanden. An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Gelände bereits recht exponiert, …“); ob T4+ oder T5- ist, lässt es sich sicher lang darüber diskutieren. Der schottrige Anstieg vom Col des Portes zur Scharte, bei der das Seil-Wändchen beginnt, ist noch unserem Empfinden maximal T3+ (Definition T3: „Weg am Boden nicht unbedingt durchgehend sichtbar. Ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Eventuell braucht man die Hände fürs Gleichgewicht. Zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen.“).
Schau‘ dir auch mal das Bild mit der Gipfelschlucht von oben an. Dort kannst du 5 Bergsteiger erkennen, die auf den vielen vorhandenen Wegspuren oder auch z.T. daneben recht locker absteigen. Daneben lies die vielen Hinweise („dolomitenmäßig“, „mit Vorsicht“, „äußerst brüchig“, …), die ich gleichwohl verwendet habe. Die Ausführung kurzes Bändchen steht übrigens nicht in meinem Bericht.
Darüber hinaus verweise ich auf den Bericht bei altituderando. Die Tourbeschreibung ist als „randonne (Dificile)“ (und nicht als „alpinisme“ oder „escalade“) eingeordnet, einmal wird „peu aeriénne“ erwähnt, das Gelände nach dem Wandl (hier wird der Schwierigkeitsgrad II angegeben) ist es in diesem Bericht auch nicht mehr wert, eine Kletterschwierigkeit zu erwähnen und es wird angegeben allenfalls ein 20m-Seil (für die bei mir nur erwähnte Klettervariante) zu verwenden (bei einem stark ausgesetzten 50m-Band müsste man da mal locker 3 Stände bauen!).
Alles in Allem haben wir den Anstieg als nicht so dramatisch empfunden, wie du das hier so absolut darstellt. Die Herausforderung bei der Tour ist vor allem die Brüchigkeit und der daraus resultierende Schutt.
Nix für Ungut, viel Spass im Gebirge, sei vorsichtig.
Stirml


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