Galenstock (3586m) via Nordgrat


Publiziert von Pasci Pro , 6. September 2016 um 20:14.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:28 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 1150 m

Für dieses Wochenende steht ein Klassiker auf dem Tourenprogramm unseres Sportklubs: Der Galenstock. Die Freude und Erwartungen sind entsprechend gross als man sich auf dem Parkplatz Tätsch (Gebühr 9.00/2 Tage) trifft und zur Albert-Heim-Hütte aufsteigt. (45min, T2)

Die Hütte ist zum Bärsten voll und das Nachtessen wird in zwei Etappen serviert, was auf die Qualität und den Geschmack aber keinen negativen Einfluss hat. Die Nacht ist wie immer durchzogen.

Nachdem wir um 04:00 das Bett verlassen und das Frühstück eingenommen haben, laufen wir um 05:00 mit Stirnlampen bewaffnet los Richtung Gletscher, welchen wir nach rund 45min erreichen (T2). Noch im Dunkeln montieren wir die Gletscher-Utensilien ungd 15 Minuten später laufen wir in der Dämmerung los. (T2, 1h)

Die Gletschertour beginnt mit einem immer steiler werdenden Aufstieg auf blankem Eis, welcher auf den letzten Meter geschätzt 30-35 Grad erreicht. Wir gehen langsam und vorsichtig am kurzen Seil. Kaum haben wir es geschafft blinzelt die Sonne über den Horizont. Weiter geht es erst auf Blankeis, später im Schnee Richtung Gletscherabbruch. Die Gruppe vor uns umläuft den Abbruch rechts/nördlich und wir folgen der Gruppe. Schnell stellt sich heraus, dass die Routenwahl ungeeignet ist (Spalten!) und wir kehren um. Auf der linken/nördlichen Seite kann der Abbruch, bei den aktuellen Verhältnissen, einfach umgangen werden. Oben wird der Gletscher flacher aber der Schnee tiefer und kräfteraubender. Wir sind heilfroh, als wir die Eisenleiter im Fels entdecken und uns vorläufig vom Gletscher verabschieden können. Hier entscheidet sich eine 3-Seilschaft aus unserer "Expedition", nicht weiterzugehen sondern gemütlich zur Hütte zurückzulaufen - Der Aufstieg hat zu viel Energie gekostet und der Anblick des Gerölls ist auch keine Motivationsspritze. (WS, 3h)

Der Aufstieg im Fels beginnt mit einer etwas heiklen Passage: Alles ist lose und leicht ausgesetzt. Ein Vorgeschmack auf die nächsten 4 Stunden! Die Eisentritte in der Felswand bewältigen wir gut bevor wir am kurzen Seil durch die Geröllwüste auf den Grat aufsteigen. Der letzte Abschnitt vor dem Grat ist steil und sandig aber ein Fixseil entschärft die Situation. Auf dem Grat eröffnen sich (wie immer) neue Perspektiven; in diesem Fall auf den imposanten Rohnegletscher. Wir folgen dem Grat auf der westlichen Seite bis zum Schneefeld. Dieser Abschnitt beinhaltet zwei drei einfache Kletterstellen, ist teilweise leicht ausgesetzt aber dafür sind die Steine verhältnissmässig zuverlässig. Eigentlich ein Genuss! Das rund 50m lange Eisstück ist eine Mischung aus Gletscher und Schneewächte. Wir montieren die Steigeisen und queren ihn problemlos. Der letzte Abschnitt auf den Gipfel verläuft dann wieder ansteigend im mühsamen Geröll. Die gösste Herausforderung ist nicht die Steilheit; auch nicht die Kondition; auch nicht die Klettertechnik: Es sind schlicht die unzähligen losen Steine, die man auf keinem Fall zum Absturz bringen sollte. (WS, 2h)

Nach einer halbstündigen Gipfelrast machen wir uns wieder auf den Abstieg am kurzen Seil. Wir wählen die selbe Route wie im Aufstieg. Wieder voller Konzentration steigen wir über das lose Gestein ab, montieren für 5 Minuten die Steigeisen und folgen dem Grat auf der westlichen Seite bis wir diesen nach Osten verlassen (Danke für die Fixseile!) Über das Geroll zurück zur Eisenleiter und auf den Gletscher. Wieder sind wir froh, den Abschnitt unbeschadet überstanden zu haben. (WS, 2h)

Nun kommt der schönste und einfachste Teil: Im weichen Schnee und leicht abfallend marschieren wir zügig den Gletscher hinunter und entscheiden uns unterwegs, die letzte Steilstufe mit Blankeis auszulassen und stattdessen an den Fuss den Gletschhorns zu queren und über den Wanderweg zur Hütte zu laufen. Schliesslich sehen wir im Restschnee Fussspuren der Gletschhorn-Bezwinger. Den Wanderweg erreichen wir einfach, wenn auch nicht so rasch wie erhofft - wahrscheinlich sind wir einfach schon zu müde. Nachdem alles im Rucksack verstaut ist machen wir uns gut gelaunt auf den Heimweg zur Hütte. Je länger wir laufen desto mehr stellt sich heraus, dass der Weg lange, mühsam und zermürbend ist. Es gibt auch zwei heikle Kletterstellen die in einer 6er Gruppe Zeit kosten. Und die Hütte will einfach nicht näher kommen. Irgendwann schaffen wir es dann doch und wir freuen uns auf das kühle Bier in der Hütte. Diesen Umweg kann ich nicht empfehlen. (WS, 3h)

Nach einer ausreichenden Pause auf der Hütte steht (nur noch) der Abstieg zum Auto an, welchen wir in einer halben Stunde bewältigen (T2, 30min)

Die Zeiten verstehen sich inkl. Pausen und Materialwechsel, ausgenommen der Mittagspause. Wir waren drei respektive 2 3er-Seilschaften. 

Fazit: Lange und strenge Tour in abwechslungsreichem Gelände - ein tolles Erlebnis!

Helm nicht vergessen!


Tourengänger: Pasci

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