Haldensteiner + Freiberger Calanda


Publiziert von gero Pro , 12. Februar 2009 um 18:36.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:24 Oktober 2008
Wegpunkte:
Geo-Tags: Calanda   CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 15:00
Aufstieg: 3055 m
Abstieg: 3055 m
Strecke:Haldenstein - Calandahütte - Haldensteiner Calanda - Calandahütte - Felsberger Calanda - Haldenstein

Auf meinen Fahrten ins Wallis bin ich oft daran vorbeigefahren und hab mir gedacht: irgendwann im Herbst, wenn die Viertausender nicht mehr erreichbar sind, wäre der Calanda mal ein erstrebenswertes Ziel. Und ich gebe es gern zu: angespornt durch die beeindruckenden Leistungen diverser Bergkameraden, wollte ich versuchen, ob meine Kondition für annähernd 3000Hm ebenfalls ausreichen würde .... Beide Calandas als Tagestour?

Ende Oktober 2008 war es soweit: es würde ein langer Tag werden, und ich machte mich deshalb bereits um 4 Uhr an der Rheinbrücke zwischen Chur und Haldenstein (580m) auf den Weg. Fast 3 Stunden ging es in nächtlicher Dunkelheit im Schein der Stirnlampe bergauf, immer gut beschildert und markiert über Arella (982m - 1 Std, toller Tiefblick auf die vielen Lichter von Chur, darüber der Mond und die Sterne des Orion - wie wunderschön!), Nesselboden (1393m - 2 Std), Funtanolja (1495m - 2,5 Std) zunächst bis Altsäss (1973m - 3,5 Std). Kurz davor hatte es um 7 Uhr gedämmert, von nun an war es ein Weg in das Licht eines makellosen Tages!

Von den Almhütten bei Altsäss sieht man die Calandahütte bereits oberhalb auf einem Wiesenvorsprung zum Greifen nah liegen, doch braucht es noch erstaunlich lange 30 Minuten, bis man sie erreicht hat. Im Osten war gegen 8 Uhr die Sonne hinter der Silvrettagruppe aufgegangen - ein Bilderbuchmorgen in absoluter Stille und Einsamkeit - der Lohn für das frühe Aufstehen, wie schon so oft zuvor.

Zuerst wollte ich auf den Haldensteiner Calanda hinauf - deutlich und deshalb nicht zu verfehlen zieht der Weg über steile Osthänge aufwärts. Die Calandahütte (2073m) erreichte ich gegen 8:30 Uhr; hier stand zwar ein Geländewagen davor, aber sie machte einen recht geschlossenen Eindruck. also gleich weiter - es sind ja auch noch über 800Hm bis zum Gipfel!

Gleich hinter der Calandahütte steht ein kleiner, hölzerner Wegweiser: Calandaspitz, Tüfels-Chilchli, Vättis. Er weist den rechten Weg. Der Auftrieb an einem derartigen Göttermorgen ist kaum zu bändigen - hinauf, gehen, gehen, was die Beine hergeben. Hoch droben lockt der "Vorgipfel", ein Gratabsatz im Ostkamm des Haldensteiner Calanda mit mächtigem Steinmann. Steil zieht der Schrofenhang hinauf, es braucht etwa 1,5 Std ab Hütte, bis man diesen Punkt erreicht hat - aber dafür man wird mit gewaltiger Aussicht belohnt. Beispielsweise auf den Ringelspitz, gleich gegenüber im Westen, oder Bruschghorn mit Piz Beverin im Süden.

Und: man sieht auch das Gipfelkreuz, hinter einer vorgelagerten Kuppe lugt es hervor. Trotzdem ist es weiter, als es aussieht - man schlendert nun hoch über dem Rheintal (2000Hm sind es hinunter nach Chur) einen steinigen Hang hinauf, um bis zum Gipfel noch ein paar mal etliche Meter auf- und abzusteigen. Inzwischen sind natürlich auch die Berge Graubündens zu sehen: weit hinten, direkt über Chur, der Piz Linard.

Ich brauchte mit vielen Fotopausen knapp 45 Minuten hinüber bis zum Hauptgipfel: kurz vor 11 Uhr war ich oben auf dem Haldensteiner Calanda (2806m), also knapp 7 Std. für gut 2200 Hm. Welch ein wunderbarer Herbsttag: diese Farben, dieses Licht, diese Aussicht! Schon das noch nebelgefüllte Rheintal hinaus zum Bodensee lohnte alle Mühe, und erst der Blick gen Osten! Von Westen allerdings zogen nach und nach kleinere Wölkchen auf, würde das schöne Wetter den ganzen Tag halten?

Etwa eine Stunde sonnte ich mich auf dem Gipfel, dann wollte ich das zweite Tagesziel anpacken: wie es wohl hinübergeht zum Felsberger Calanda? Der direkte Gratübergang via Tüfelschilchli, er lockte mich schon ... Andererseits: ich war mutterseelenallein unterwegs, hatte davon keine Beschreibung. So zog ich es vor, den im DAV-Führer "Glarner Alpen" als Normalroute aufgeführten Weg zu gehen, und stieg zunächst einmal wieder zur Calandahütte ab.

10 Minuten unterhalb der Calandahütte steht ein Wegweiser "Felsberger Älpli - Kunkelspass - Felsberg"; ihm folgte ich. Aber die Art des Pfades läßt keinen Zweifel offen: er wird nicht gerade häufig begangen! Einige rot markierte, kleine Pfosten stecken in der Wiese, und Steigspuren zeichnen sich nur dürftig ab. Dies ändert sich zwar vorübergehend, man quert die Mulde eines Tälchens (das aus der Gegend zwischen Felsberger Calanda und Tüfelschilchli herabzieht) auf einem deutlicheren Pfad und quert, immer etwa auf gleicher Höhe (2050m) bleibend, zu den gegenüberliegenden Hängen, die vom Felsberger Calanda herunterziehen. Später aber verfällt dieser Pfad zusehends, und es braucht durchaus etwas Geländeblick, um den Weiterweg zu erkennen.

Etwa 1 Std. ab Calandahütte erreicht man so den Beginn eines weiteren Hochtales, das Richtung Felsberger Calanda hinaufzieht. Dieses Tal geht es nun ziemlich weglos zusehends steil hinauf, einigen seltenen Steinmännern folgend. Spätestens dort, wo das Wiesengelände zusehends in Felsschutt übergeht, erreicht der Hang seine größte Steilheit, und das Gehen wird recht anstrengend. Man erklimmt (leise fluchend) den Schuttstrom, der vom Felsberger Calanda herabzieht, und hält sich rechts aufwärts auf einen Einschnitt im Grat zu, den es zu erreichen gilt - und auf dem nach einer kurzen Kraxelei in harmlosem, aber kleinsplittrigem Einsergelände die Mühe ein Ende hat: denn nach einer weiteren Viertelstunde steht man endlich auf dem Felsberger Calanda. Insgesamt etwa 1,5 Std wird man für die Begehung des besagten fast pfadlosen Hochtales benötigen....

Man beachte: der Charakter des Felsberger Calanda ist grundsätzlich anders als der des Haldensteiner Calandas: Orientierungs- und Wegfindungsgabe erforderlich, anstrengend, da meist kein Weg vorhanden. Anstregendes, aber technisch unschwieriges Gelände.

Den Felsberger Calanda (2697m, also ca. 700Hm ab Calandahütte) ziert ein schlichtes Holzkreuz. Die Aussicht ist nicht ganz so großartig wie von seinem Namensvettern, der ihm nördlich vorgelagert ist und die Aussicht versperrt. Dafür hat man ein in alpinistischer Hinsicht wesentlich anspruchsvolleres Ziel erreicht.

Ich hielt mich nicht allzulange droben auf, denn es zogen nun zusehends von Westen her Wolken auf; auch war der Abstieg nach Chur noch weit und der Tag kürzer als im Sommer. Um 19 Uhr war ich wieder drunten an der Rheinbrücke, bereits abermals im Dunkeln .... aber um ein großartiges Erfolgserlebnis reicher.


Tourengänger: gero

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Kommentare (3)


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ABoehlen Pro hat gesagt: Schöner Bericht!
Gesendet am 13. Februar 2009 um 12:15
Ciao Georg

Herzliche Gratulation zu dieser tollen Leistung! Dein Bericht erinnert mich an meine Pizzo di Claro-Besteigungen; das sind zwar ca. 500 Höhenmeter weniger, aber ansonsen durchaus vergleichbar. Der Moment, wenn man schon hoch oben ist, allein auf weiter Flur, und allmählich der Tag anbricht, ist immer ein ganz besonderer und entschädigt für die Anstrengung und den fehlenden Schlaf!

Beste Grüsse,
Adrian

gero Pro hat gesagt: RE:Schöner Bericht!
Gesendet am 13. Februar 2009 um 16:54
Hallo Adrian,
ja, Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund! Ich bin zwar schon ein Frühausteher, aber Du bist noch extremer: mitten in der Nacht loszugehen ... Bellinzona sieht von oben ganz ähnlich aus wie Chur, mit den rosettenförmigen Lichtern, was?
Hoffen wir auf ein schönes 2009 - auf das der Frühling bald komme!
Ach ja und a propos: Du bist auch Singapur-Fan, was? Traumhaft, dieser Stadtstaat - ich liebe die Wärme. Und schon der Flughafen Changi ist eine Reise wert. Der Zoo, der Botanische Garten! Aber wir werden schon wieder sehr romantisch...
Berg Heil, es grüßt ebenfalls ganz herzlich Dein Bergkamerad Georg aus Mittelfranken

Staiibook hat gesagt: Schöner Bericht!
Gesendet am 10. August 2009 um 14:21
Hallo Georg,

Werde diese Tour auch bald machen, vorgesehen am nächsten Mittwoch wen das Wetter mitspielt...
Werde auch von Haldenstein aus starten.
Sehr ausführlicher Bericht mit super Fotos! Gratuliere dir zu diesem Gewaltsmarsch!

Viele Grüsse aus Graubünden von Staiibook


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