Eisenzeit - über die neue/alte Nordwandroute auf die Zugspitze (2962 m)


Publiziert von mabon , 30. August 2016 um 00:10.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:26 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T6+ - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: S-
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 1 Tage 7:45
Aufstieg: 2100 m
Strecke:Eibsee - Zugwald Skipiste - Bayerische Kohlstatt - Zahnradbahnstation Riffelriss - Bayerisches Schneekar - Nordwand - oberer Teil des Höllentalklettersteigs - Zugspitze - Retour mit Gondel und Zahnradbahn.
Kartennummer:DAV 4/2

In Bergsteigerkreisen ist die neue/alte Nordwandroute auf die Zugspitze seit einigen Monaten DAS Thema schlechthin. Klar, dass auch wir hellhörig wurden und diese bis dato fast völlig unbekannte bzw. in Vergessenheit geratene Tour ausprobieren wollten. Was soll ich sagen? Sie ist der absolute Oberkracher!

Ihr Wiederentdecker Michael Gebhardt gab der Route den trefflichen Namen "Eisenzeit", denn altes Eisen liegt in der unteren Hälfte des Anstiegs zuhauf im Gelände herum. Es finden sich Eisenträger, Bolzen, Schrauben, Rollen, Drahtseile, Werkzeuge, Eisenstifte und allerlei ähnliche angerostete Artefakte. Sie stammen aus den Jahren von 1928 bis 1930, als der Stollen für die Zahnradbahn gebaut wurde. 

Daher ist der untere Abschnitt unserer Tour nicht wirklich neu. Schon bald stoßen wir überall auf eiserne Relikte der Tunnelbauer, wenn man den Wanderweg zur Riffelscharte nach der letzten Serpentine südwestwärts verlässt. Auch gibt es einen Steig, dessen Drahtseilversicherungen  meist nicht mehr zu gebrauchen sind. Interessant zu sehen, dass die Eisenstifte damals mit Holzummantelungen in den Fels getrieben wurden.

Nun gilt es eine blecherne Hütte am ehemaligen ersten Tunnelfenster zu finden. Von dort über Bänder auf eine Art Zwischenplateau stets weiter gen Südwest direkt unter der Riffelwand entlang, wo immer wieder alte Steigspuren auftauchen. Irgendwann öffnet sich das Gelände nach links und wir peilen den Nordwestgrat der Großen Riffelwandspitze an, der aber nicht bestiegen, sondern rechts umgangen wird.

Auch hier oben finden sich Steigspuren mit antiken Drahtseilen und wackligen Leitern, bis wir das Gerüst einer alten Seilbahnstütze erreichen. Jetzt legen wir die Kletterausrüstung an und wandern weiter oben durch die Kavernen der Zahnradbahn. Hier finden sich zwei Löwenbräuflaschen mit der Bodenprägung "1930". Kurios!

Nach dem letzten Tunnelfenster führt eine schuttübersäte Rampe hinan und die Szenerie öffnet sich nach links. Ab hier beginnt der neue Weg und die Relikte der Bahnbauzeit verschwinden allmählich. Nun ist es wichtig, die relativ rar gesäten neuen Bohrhaken zu finden, an denen wir uns sichern.

Da es keinerlei Markierungen gibt, muss man schon genau suchen und sich auf seinen Routeninstinkt verlassen. Zwar leisten wir uns ein paar Verhauer, die uns unnötigerweise in schwierigeres Gelände führen; im Großen und Ganzen finden wir uns aber gut zurecht.

Allerdings kann oftmals nicht gesichert werden. Man muss also auch teilweise stark ausgesetztes IIer-Bruchgelände freigehend sicher beherrschen können. Ein Traum für alle T6-Liebhaber.

Als dann das breite Schuttkar zwischen Großer Riffelwandspitze und Zugspitze erreicht ist, machen wir den Fehler, bis ganz rauf entlang der senkrechten Steilwand zu gehen. Dort oben ist dann Ende Gelände. Der Abstecher lohnt sich aber, weil hier mit die schönste Aussicht der gesamten Tour zu genießen ist.

Also wieder die glatte Steilwand entlang nach unten und sie nach Schwachstellen absuchen, denn durch sie muss es zwingend weitergehen. Erst die dritte Stelle ist die richtige und weiter oben findet sich tatsächlich ein Steinmann, der rechts um eine ausgesetzte, schuttige Kante führt. Hier war es sinnvoll, auf allen Vieren zu kriechen.

Bis wir auf den alten Nordostgrat gelangen, müssen wir noch zweimal durch zwischengelagerte IIIer-Wände, die mit festem Fels aufwarten und nur wenig ausgesetzt sind. Schön zu gehen.

Plötzlich stehen wir oberhalb des Höllentalklettersteigs, auf den wir nun abseilen. Bitte den Abseilstand und nicht die Rinne rechts daneben benutzen, da hier die Steinschlaggefahr enorm ist, und die Berggeher auf dem Klettersteig unnötig gefährdet würden.

Abschließend geht es einfach und entspannt in einer guten halben Stunde via Klettersteig zum Gipfel. Den Abstieg über den Stopselzieher sparen wir uns und fahren mit der Zahnradbahn ab, da wir nun merken, dass der Anstieg zwar weniger körperlich anstrengend, sehr wohl aber psychisch fordernd war. Wir sind mental müde und nehmen das Abfahrangebot dankend an.

Insgesamt eine durchaus herausfordernde wie herausragende Tour der Extraklasse, an die wir noch Jahre später freudig zurückdenken werden. Ein absoluter Traum für Bergsteiger, die in altbekanntem Terrain Neues wagen möchten.





Tourengänger: mabon, Lura

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Kommentare (12)


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Nik Brückner hat gesagt:
Gesendet am 30. August 2016 um 00:16
Extrem geile und geil extreme Route! Gratuliere!

Gruß,

Nik

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. August 2016 um 00:35
Ganz Lieben Dank Nik!

Wir sind auch alle noch voll
hin und weg.

Einmal im Jahr muss man halt einen
Hammer raushauen! :-)

Besten Bergsteigergruß

mabon

trainman hat gesagt:
Gesendet am 30. August 2016 um 00:34
historisch sehr interessante Tour, allerdings durch gruseliges Gelände, für mich absolut nicht gangbar.
Grüsse
trainman

Gelöschter Kommentar

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. August 2016 um 01:08
Ganz lieben Dank Emil!

Beste Grüße

mabon

Kris hat gesagt: Erster.. ;-)
Gesendet am 30. August 2016 um 00:38
Jetzt bist du mir zuvor gekommen :) War letztes Jahr geplant aber leider durch Sprengungen nahe der Route nicht möglich. Super! Kris

mabon hat gesagt: RE:Erster.. ;-)
Gesendet am 30. August 2016 um 01:11
Sprengungen haben wir keine gesehen.

Echt nicht!

Greets

mabon

Vielhygler Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. August 2016 um 22:17
Gratuliere! Ein wirklich - auch über die tolle sportliche Leistung hinaus- hochinteressanter und sehr anschaulicher Bericht!

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. August 2016 um 22:51
Ich sage herzlichen Dank!

Freut mich, Dein Interesse geweckt zu haben.

Dir eine wunderschöne Zeit in den Bergen

mabon

kaos hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2016 um 12:16
Sehr sehr geile Tour. Ich bin sie am 14.09. gegangen, da war es schon einiges winterlicher, siehe meinen Bericht http://www.hikr.org/tour/post112795.html

Empfehlenswert :-)
Gruß Manuel

kaos hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. September 2016 um 12:20
äh am 21.09. ;)

mabon hat gesagt: RE:Hey,
Gesendet am 25. September 2016 um 13:21
schön, von Dir zu lesen!

Habe gerade Deinen Bericht angesehen. Klasse, dass es auch bei den ungünstigeren Verhältnissen für Euch geklappt hat.

Schöne Grüße

mabon


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