Traumtag am Balfrin 3796m


Publiziert von Bergamotte Pro , 28. August 2016 um 16:30.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:22 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 2500 m
Abstieg: 2500 m
Strecke:23km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Gasenried, Post
Unterkunftmöglichkeiten:Hostel Alpenrösli (EZ ab 60.-, DZ ab 90.-)

Für gewöhnlich bewege ich mich in den Voralpen von Glarus, Zentral- und Ostschweiz. Als Saisonhöhepunkt darf es jeweils aber ein stattlicher Gipfel in den Hochalpen sein. In den letzten drei Jahren waren dies Lagginhorn, Mönch und Weissmies. Diese Gipfel weisen - bei idealen Verhältnissen - eher den Charakter einer Alpinwanderung denn einer Hochtour auf, sprich weder Gletscherkontakt noch gehobene Kletterei. Das gleiche gilt für meinen diesjährigen Kandidaten, den Balfrin. Man erreicht ihn am einfachsten ab Gasenried (Grächen) im Rahmen einer langen Tagestour oder, gemütlicher, mit Zwischenhalt in der Bordierhütte. 

Nach Übernachtung im sympathischen und günstigen Hostel Alpenrösli laufe ich um 5:30 im Halbdunkel in Gasenried (1659m) los. Einzige Vorgabe: Ich möchte den Bus um halb fünf erwischen. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, den langgezogenen Kessel von Alpja (2099m) zu erreichen. Ich probiere beide Varianten aus und folge somit der Empfehlung der Wegweiser. Der Aufstieg erfolgt zunächst östlich vom Riedbach via P. 1930 zur Brücke bei P. 2030, der Abstieg strikt westlich via P. 1739 (Europaweg). Letztere Variante erscheint mir etwas schneller und auch angenehmer.

Nun heisst es laufen: Die Passage im Bereich der Moräne zieht sich ganz schön in die Länge, bis ich endlich den Riedgletscher queren kann. Dieser ist hier spaltenfrei und der Übergang gut markiert. Kurz bevor ich die Leiter erreiche, welche über plattigen Fels hinweg hilft, erfordern Blankeisstellen erhöhte Aufmerksamkeit, die Steigeisen bleiben aber im Sack. Anschliessend über den mit Halteseilen versicherten Weg zur Bordierhütte (2886m), wo es eine erste Pause gibt. Schwierigkeit bis hierher: T4.

Schwieriger wird's auch im folgenden Aufstieg zum Grossen Bigerhorn (3626m) nicht, ein beliebter Wandergipfel ab Hütte. Steinmannli und immer wieder auch Wegspuren erleichtern die Orientierung im Meer aus Geröll und Felsblöcken. Unterwegs überhole und kreuze ich mehrere Wanderer, welche oben übernachtet haben. Unterwegs hat sich der Blick  über den Riedgletscher zum Nadelgrat geöffnet: die herrliche Szenerie wird mich die nächsten Stunden begleiten. Und hinter meinem Rücken thront das Weisshorn, flankiert von Bishorn und Barrhörnern.

Der Übergang Richtung Balfrin Nord- und Hauptgipfel weist zurzeit ideale Verhältnisse auf. Dank einem durchgehenden Schuttband direkt auf der Krete, teils nur einen Meter breit, bleiben Steigeisen und Pickel im Rucksack. Zwischen Bigerhorn und dem Sattel P. 3594 werden teils die Hände benötigt, anschliessend in Gehgelände zum Nordgipfel hoch. Hier kreuze ich eine Zweierseilschaft, welche den Balfrin vom Riedpass kommend überschritten hat. Der verbleibende Übergang zum Hauptgipfel ist schnell geschafft. Wobei, kurz vor dem Balfrin (3796m) muss ich für wenige Meter leicht klettern (II), weil ich Firnkontakt vermeiden möchte. Dann ist es geschafft und ich steh oben. Was für ein herrliches Panorama! Der Blick auf den nahen Nadelgrat gehört zum Besten, was ich bisher gesehen habe. Und gleich dahinter liegen Dom, Dufourspitze und Rimpfischhorn. Im Norden, 36 Kilometer entfernt, erspähe ich bereits mein Ziel von Freitag, den Altels.

Trotz wolkenlosem Himmel lassen sich an diesem Montag die hochsommerlichen Temperaturen der Woche erst erahnen. Es zieht empfindlich und die gefühlte Temperatur dürfte unter Null liegen. Ich packe mich dick in Handschuhe und Daunenjacke ein und suche Schutz hinter einem Felsblock. Es wäre auch zu schade, könnte ich die hochalpine Szenerie nicht ausgiebig geniessen. Nach einer Stunde findet die Herrlichkeit schliesslich ihr Ende und ich mach mich an den ewig langen Abstieg zurück nach Gasenried. Das ist die Schattenseite von Tagestouren auf Gipfel solchen Kalibers... Man sammelt übrigens auf mehreren kurzen Gegenanstiegen total über 250 Höhenmeter. Kurz nach halb vier, mit brennenden Sohlen und aufgeschürften Zehen, ist es geschafft. Somit bleibt ausreichend Zeit für ein Blondes mit Fruchtwähe im äusserst empfehlenswerten Riederstübli.


Hinweis: Mit T5 hab ich die Tour ganz bewusst als Alpinwanderung klassifiziert. Bei idealen (sprich aperen) Verhältnissen wie heute kann man die Route via Bigerhorn nicht als Hochtour im engeren Sinn bezeichnen. Trotzdem, Steigeisen und Pickel gehören für mich zur Sicherheit immer in den Rucksack. Denn bei Schnee oder gar Eis am Balfrin Nordgrat erhält die Tour einen komplett anderen, ernsthaften Charakter. Davon zeugt auch der tödliche Unfall von 2003.


Zeiten
1:45  Bordierhütte
1:30  Grosses Bigerhorn
1:05  Balfrin
3:40  Gasenried

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (1)


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xaendi hat gesagt:
Gesendet am 29. August 2016 um 10:19
Tolle Tour!


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