Jungfrau über den Innere Rottalgrat und retour


Publiziert von Hermione , 26. August 2016 um 19:14.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:25 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Nach Stechelberg mit Bus oder Auto (Parkplatz am Talende 8CHF/d)

Nach 3 3000ern in der Umgebung war nun die Jungfrau an der Reihe. Da ich allein unterwegs bin, verbietet sich mir der Abstieg über den spaltigen Normalweg. Stattdessen ist der Plan, den Aufsteigsweg wieder abzuklettern.
Aufstieg von Stechelberg zur Rottalhütte am Vormittag (unbedingt dem Nachmittag vorzuziehen, da Westseite und früh schattig!). Da ich unter der Woche unterwegs war, war die Hütte nicht bewirtet. Es hatte etwas ganz Besonderes, sich sein Essen über dem Holzofen zuzubereiten!
Der Weiterweg Richtung Rottalgrat ist mit Stein-Marienkäfern und Steinmännern sowie vereinzelt Reflektoren markiert, ein großes Steinmännchen auf dem Beginn des Grates sieht man von der Hütte aus. Oben auf dem Grat zunächst auf Pfadspuren entlang. Soviel hatte ich am Nachmittag noch erkundet.
Früh Aufbruch 3:45Uhr. Wo der Rottalgrat steiler wird, quert der Pfad nach links. Von da an vereinzelt Punkte und Striche mit neonroter Farbe, die man auch im Stirnlampenlicht recht gut sieht. Wenn die Steilstufe überwunden ist, quert man wieder zurück auf den Grat, hier sind 2 neonrot eingesprühte Eisenstifte zu finden. Dann über den Grat zum Beginn des schneebedeckten Sattels. Bis hierher Kletterstellen II, vereinzelt sind Bohrhaken angebracht. Über den Firn im Sattel gehe ich, noch immer im Dunkeln, mit Steigeisen.
Der Weg ab dem Schneesattel ist auf dem beigefügten Foto skizziert, inklusive der unten beschriebenen Variante nach links queren/ direkt hoch.
Laut SAC-Führer soll man nach dem Schneesattel ein plattiges Kalkcouloir nach links queren, um zum Beginn des 1. Fixseils zu gelangen. Dies tue ich, finde dann mit dem Stirnlampenkegel das Fixseil ca. 20-30m neben mir. Daher meine Verbesserung nach Beschauen der Stelle im Abstieg: nach dem Schneesattel auf dem Grat bleiben, denn dort beginnt das 1. Fixseil! Mit dem Fixseil quert man dann das Kalkcouloir nach links, dann führt das 2. Fixseil, welches sich unmittelbar an das 1. anschließt, gerade nach oben auf einen Mini-Sattel. Von hier steigt man eigentlich erst gerade nach oben, dann kann man wählen zwischen einem direkten Weg über ein paar steile, aber griffige Platten, oder nach links hinaus queren. Links ist es weniger steil, aber auch schuttig/ etwas bröselig. Wichtig ist nur: die Strecke, die man nach links quert, muss man, sobald es das Gelände erlaubt, wieder nach rechts zurück queren. Dann an einer Stelle mit einem Bohrhaken nach "rechts um die Ecke"/ um den Grat herum. Von hier sieht man weiter oben nun das 3. Fixseil. Dies habe ich lange gesucht, weil ich 1. zu weit nach links gequert bin, ohne zurückzuqueren (und mir der Überblick gefehlt hat, weil es noch dunkel war) und weil ich das 3. Fixseil 2. früher erwartet hatte. Zwischen Ende des 2. und Beginn des 3. Fixseils liegen einige Klettermeter! Das Fixseil wieder unproblematisch empor. Danach links halten und auf den Usser Rottalgrat aussteigen, dort steht ein Steinmann. Dann noch ein Stück auf dem Grat bzw. etwas rechts in die Flanke ausweichend zu P. 3790.
Über den Hochfirn anfangs kurz steil, dann flach, dann über einen kleinen Schrund. Hiernach wird der Gletscher zu den Felsrippen hin wieder steiler, zwischen den Felsrippen war er auf einem Stück auch vereist. Nach diesem Absatz wieder flacher, über einen zweiten kleinen Bergschrund (wie der erste auch unproblematisch, auch für mich als Einzelgänger vor Sonnenbestrahlung ohne Risiko), dann die letzten Felsen hinauf zum Gipfel. Hier komme ich 7:30Uhr an.
Ich verweile nur kurz, denn ich will den Hochfirn verlassen, bevor die ersten Sonnenstrahlen einfallen.
Der Abstieg ist, was die Orientierung anbetrifft, unproblematisch, wenn man ihn schon bergauf gegangen ist. Dafür ist er eine Zerreißprobe für die Konzentration. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als einfach einen Gletscher hinunterzumarschieren... Stattdessen staune ich, was ich bergauf alles so geklettert bin, manche Stellen sind nicht ganz einfach, vielleicht ein paar Stellen III-. Einen Gurt und eine Reepschnur zum Abseilen habe ich dabei, aber an den für mich schwierigen Stellen gibt es keine Bohrhaken. Je weiter ich nach unten komme, desto mahr strengt auch das leichte Abklettern an. Auf den letzten 45min kommt noch die Hitze dazu - die Sonne scheint schlussendlich auf den Weg. 10:50Uhr bin ich zurück an der Hütte.
Der Abstieg ins Tal dauert noch einmal 2 1/2h, aber hier kann man wenigstens die Gedanken schweifen lassen!
Fazit: Gute Bedingungen, grandiose Tour! Der Abstieg über diese Route ist echt happig. Würde ich so nicht nochmal machen wollen, war aber für mich allein die einzige Möglichkeit, auf die Jungfrau zu gelangen, und ich bin froh über das Erlebnis!


Tourengänger: Hermione


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