Überschreitung Gotthard Basistunnel


Publiziert von Lagopus , 30. August 2016 um 21:20. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:28 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   Gruppo Pizzo del Sole   CH-TI   CH-GR   Gruppo Scopi   Gruppo Pizzo Molare 
Zeitbedarf: 5 Tage
Aufstieg: 6000 m
Abstieg: 6100 m
Strecke:93km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Erstfeld, Lindenried
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Pollegio,Infocentro AlpTransit
Unterkunftmöglichkeiten:Gasthaus Alpenblick in Bristen
Hotel Krüzli in Sedrun
Hospezi S.Maria auf dem Lukmanierpass
Osteria Anzonico in Anzonico

Endlich ist es soweit! Lange haben wir darauf hintrainiert, hingefiebert, uns wochenlang gefreut und nun sitzen wir im Zug Richtung Erstfeld. Die zündende Idee zur Gotthard-Basistunnel-Überschreitung kam letztes Jahr von Andreas. Damals hat Tobi die Tour auf *seine Weise umgesetzt. Er führt uns fünf Projektbeteiligte - langjährige AlpTransitler ;-) - nun in rund 5 Tagen auf seiner Route über „unseren“ Basistunnel, den längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Tag 1:
Unsere Tour startet beim ATG-Infocenter in Erstfeld. Nach dem ersten obligaten Foto vor dem Portal steigen wir bei schönstem Wetter stetig auf der Fahrstrasse Richtung Stägwald auf. Der Höhenweg geht vorbei an Kilcherberg in Richtung Waldiberg, wo uns ein kleiner Hund, sichtlich über Gäste erfreut, empfängt. Nach einer kurzen Pause und vielen Streicheleinheiten entscheiden wir uns für den direkten Abstieg nach Bristen. Der Pfad durch den Luchschälen ist wie im Urwald: mit Brennnesseln und Dorngestrüpp zugewachsen und stellt diejenigen mit den kurzen Hosen auf die Probe. Nach dieser „gemütlichen“ Einlauftour erreichen wir Bristen. Wir lassen es uns im Gasthaus Alpenblick gutgehen und suchen auch schon bald unsere Betten auf…

Tag 2:
Der heutige Tag beginnt früh, denn unser Tagesziel heisst Sedrun. Durch einen märchenhaften Wald steigen wir stetig dem Etzlibach entlang in Richtung Rossboden auf. Bei der Etzlihütte
geniessen wir ein tolles Mittagessen und die schöne Rundsicht in die Berge. Nach einer ausgiebigen Pause geht es dann weiter. Wir entscheiden uns – trotz Umweg wegen eines Felssturzes im Val Strem - wie geplant für den Weg über den Chrüzlipass Richtung Sedrun, denn diese Route läuft näher an der Linienführung des Tunnels.
Richtung Chrüzlipass sehen wir dann auch bereits die ersten Murmeltiere. Nach einer kurzen Pause inklusive einer atemberaubenden Aussicht auf der Passhöhe geht es hinunter nach Bauns. Einfach herrlich bei diesem Wetter in den Bergen sein zu dürfen!
Bei Bauns müssen wir wieder den Aufstieg (und Abstieg) von zusätzlichen knapp 300 Höhenmetern zur Alp Caschlè in Kauf nehmen. Es zerrt nun doch langsam an unseren Kräften… Den Abstieg nach Sedrun nehmen die Hälfte von uns im Renntempo unter die Füsse da wir für den kommenden Tag noch Zwischenverpflegung brauchen, die wir in Sedrun einkaufen wollten. Geschafft! Im Hotel Krüzli
gönnen wir uns eine Dusche und ein feines Nachtessen. Müde fallen wir dann ins Bett und versuchen uns in einer kurzen Nacht zu erholen… Morgen steht das „Piece de Resistence“ auf dem Programm…

Tag 3:
Früh geht’s heute wieder los. Auf dem Weg zum Lai da Nalps folgen wir vorerst der Strasse: Vorbei am Tor des Lüftungsbauwerks erreichen wir die Höhe der Staumauer. Nach einer kurzen Pause folgen wir einer breiten Kiesstrasse dem See entlang. Am Ende des Sees geht es auf dem Bergweg weiter. Unterhalb des Piz Lai Blau machen wir eine kurze Pause um uns für den weglosen Übergang zu stärken. Die ersten Höhenmeter bringen wir – obwohl nicht Alle von uns derartiges Gelände gewohnt sind - ohne grosse Probleme hinter uns. Auf einem kleinen Vorsprung machen wir nochmals einen kurzen Halt, bevor wir in die Kessel aufsteigen. Hier wird das Geröll immer loser. Kein Stein hält mehr auf dem Anderen und es ist eine Herausforderung irgendwo Halt zu finden. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf um allfällig runterrutschenden Steinen ausweichen zu können. Diese letzten 200 Höhenmeter sind kräfte- und nervenzehrend sowie zeitraubend. Aber wir kommen alle oben auf der Fuorcla dil Lai Blau an.
Leider hat sich aber das Wetter verschlechtert und der Regen ist bereits in Sichtweite. Also schnell etwas essen und dann geht’s an den weiterhin weglosen Abstieg. Aber der Regen ist schneller, sogar ein Graupelschauer holt uns ein. Unser Plan im Lai Blau zu baden fällt buchstäblich ins Wasser – auch wegen der fortgeschrittenen Zeit. Also steigen wir zügig ab und finden uns bald am Lai da Sontga Maria. Nach nun etwa 9 Stunden Marschzeit verlässt hier den einen oder anderen auch kurz der Mut, als wir sehen, dass der See noch eine für unser Empfinden riesige Kurve bereithält. Tobi bemerkt dies und zückt nun seinen in Sedrun heimlich gekauften Röteli. Der Schlussspurt ins Hospiz haben wir nach der „Stärkung“ auch noch geschafft. Im Hospezi S.Maria erwartet uns nach einem reichhaltigen Nachtessen das Matrazenlager.

Tag 4:
Heute geht’s bergab in die Sonnenstube der Schweiz! Von wegen Sonne…. nach dem Passo del Uomo, Passo del Sol, fängt es im Aufstieg zum Passo Predèlp an zu regnen. Auf der Passhöhe können wir aber dennoch wieder im Trockenen unser Mittagessen geniessen. Und dann geht es bergab: 1500 Höhenmeter. Der Abstieg führt uns über Wiesen und durch Wälder und Dörfer. Das südliche Ambiente zeigt sich hier von seiner schönsten Seite. Nur das Wetter ist wechselhaft und nach einigen Sonnenstrahlen ziehen bereits die nächsten Wolken auf. In Campello angekommen, geht es weiter auf der Strada alta. Doch bis wir unser heutiges Ziel erreicht haben, werden wir nochmals zu einer Pause gezwungen, denn erneut werden wir vom Regen eingeholt. Diesmal stehen wir kurz unter und warten, bis es etwas weniger wird…. Aber da die Zeit bereits fortgeschritten ist, müssen wir uns auf den Weiterweg machen…  Erschöpft und überglücklich erreichen wir unsere Osteria in Anzonico - denn jetzt wird uns bewusst: der morgige Tag ist „nur“ noch die Kür, der Zieleinlauf. Bei einem feinen Znacht und einem (ersten!) Glas Wein lassen wir den kurzen Abend ausklingen.

Tag 5:
Es ist der letzte Tag, die letzte Etappe. Riesige Freude, Stolz und auch etwas Wehmut begleiten uns. Waren die letzten vier Tage noch so anstrengend und herausfordernd, trotz allem war es ein genussreiches und unvergessliches Abenteuer!
Es ist der 1. August und vielerorts sind die kleinen Dörfer in den Startlöchern um den Nationalfeiertag gebührend zu feiern. Vorbei an Cavagnago erreichen wir Sobrio. Leider hat dort kein Restaurant geöffnet und so steigen wir in Richtung Bodio ab. Der Weg führt uns durch einen schattigen Kastanienwald hinunter zu einem herrlich angelegten Säumerweg mit vielen Stufen. Wir sind vom schön angelegten Säumerweg begeistert – ab und zu erhaschen wir tolle Tiefblicke und nun auch endlich unser Ziel: das Südportal des Gotthard Basistunnels! Die Temperatur steigt mit jedem verlorenem Höhenmeter und in Bodio angekommen sind es nun sommerliche 33 Grad. Kurz bevor wir die letzten gefährlichen Meter der Hauptstrasse entlang zum Südportal unter die Füsse nehmen, gönnen wir uns eine kleine Stärkung in einem kleinen Grotto direkt an der Hauptstrasse. Doch nun möchten wir unbedingt gemeinsam zum Ziel…

Wir haben es geschafft! Unsere Freude ist riesig! Kaum zu glauben: In 37 Stunden Marschzeit haben wir 93 km, knapp 6000 Höhenmeter Aufstieg und 6100 Höhenmeter Abstieg gemeistert.


Tourengänger: Tobi, Lagopus


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (4)


Kommentar hinzufügen

sri hat gesagt: Schöne Idee
Gesendet am 30. August 2016 um 22:11
Danke allen Tourengängern für den wundervollen Bericht! Macht Lust selbst mal etwas "auszubrüten", halt einfach in meiner Liga. Darauf einen Röteli :)
Herzliche Grüsse
Sonja

Lagopus hat gesagt: RE:Schöne Idee
Gesendet am 1. September 2016 um 08:19
Prost ja! :-)
Es gibt auf der Strecke (oder auf Umgehungen) genügend Übernachtungsmöglichkeiten um die Tour auf mehr Tage auszudehnen. Es lohnt sich!
Sonnige Grüsse,
Daniela

Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2016 um 09:36
Coole Sache. Wird das jetzt ein Business-Modell?

Gruss
Dani

Lagopus hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. September 2016 um 08:22
....das hat bereits Mammut (als "Light-Variante") übernommen... :-)

Gruss, Daniela


Kommentar hinzufügen»