Überschreitung des Zinalrothorns


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 26. August 2016 um 14:37.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:13 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage

Zum Abschluss unseres höchst erfolgreichen Hochtourensommers wollten wir noch das Zinalrothorn besteigen. Leider herrschten nach dem kräftigen Schneefall keine guten Bedingungen, als diese dann doch kamen, war die Rothornhütte voll. Daher fiel unsere Wahl auf den Nordgrat von Zinal. Dieser ist vor allem für den exzellenten Fels und die messerscharfe Stelle der Rasoir bekannt. Der Anstieg führt von der, sehr mühsam erreichbaren, Grand Mountet-Hütte anfangs über einen sanften Gletscher aufwärts. Bald aber erreicht man die schmale Schneid der Arete du Blanc. Ab hier sollte man dann spätestens hellwach sein. Nach einigen Metern am scharfen Grat geht dieser in Fels über und eine erste seltsame Stufe (III) wird überklettert. Das folgende Gelände ist wieder einfacher und kann am laufenden Seil gut zurückgelegt werden. Bald wird der Grat wieder schwieriger und schon hat sich am ersten Gendarmen Stau gebildet. Ein geschicktes Überholmanöver ließ uns aber gleich fünf Seilschaften ausstechen und wir hatten nun freie Bahn. Und so genossen wir den hier leichten, aber sehr exponierten und kompakten Grat. Bald steilt dieser sich zur Rasoir auf, welche mit Hilfe eines Bohrhakens und zahlreicher Köpfel erklettert wird. Hier ist es ein großer Vorteil ohne Steigeisen und Handschuhe klettern zu können. Wirklich spannend ist jedoch der Abstieg von der Rasoir: über den messerscharfen Grat hangelnd geht es hinüber, dann einige Meter am scharfen Grat mit unglaublichen Zacken hinab. Rasch ist von hier nun die Sphinx umgangen und der letzte Aufschwung erreicht. Hier klettert man nun über Platten mit Rissen an deren rechtestem Rand drei Seillängen hinauf (III), meist sind die Platten an ihrem linken Rand völlig vereist, das stört aber nicht weiter. Die Linksschleife in der dritten Länge war bei uns völlig vereist, es war aber völlig problemlos möglich, weiterhin an der rechten, sehr steilen, Kante hinaufzuklettern (ebenfalls III). Der Grat verflacht sich nun und über einen letzen Aufschwung erreicht man den exponierten (und oft überfüllten) Gipfel. Da sich der Andrang über den Normalweg (Gabel) in Grenzen hielt, beschlossen wir nach einem kurzen Telefonat mit der Rothornhütte zu dieser abzusteigen und am nächsten Tag das Obergabelhorn zu besteigen. Der Abstieg erfolgt anfangs durch abklettern über den oberen Teil des Rothorngrates. Erst über die Binerplatte seilten wir ab und behielten dies auch unterhalb der Gabel bei. So konnten wir sehr rasch und sicher den unteren Teil des Felsabschnitts erreichen. Bänder leiten nun zum letzten Gendarmen, welchen wir überkletterten. Über Firn geht es nun abwärts, bald über Geröll. Eine letzte ungute Stufe ermöglicht den Abstieg zur Rothornhütte, wo wir den Nachmittag verbrachten.
 
ZUSTIEG: Vom letzten Parkplatz des Zinaltals folgt man dem Wanderweg, je nach Belieben, links oder rechts des Baches taleinwärts. Bei einem Picknickplatz vereinigen sich beide Wege und am rechten Ufer führt ein Forstweg zu einer Brücke. Hier nun nach links und über viele Kehren auf ein Wiesenband hoch über der Moräne. Auf diesem Band führt der Wanderweg nun in ständigem Auf un Ab taleinwärts. Immer wieder werden Felsrippen überstiegen. Zuletzt über grobes Blockgelände zur Grand Mountet-Hütte queren (4-5 h).
 
ROUTE: (Überschreitung Grant Mountet -  Nordgrat - Normalweg- Rothornhütte) Von der Hütte auf breitem Weg kurz waagrecht nach rechts bis zur Moräne. Auf dieser nun aufwärts und zuletzt rechtshaltend zum Beginn des Gletschers. Diesem folgt man nun immer etwa 50m neben seinem linken Rand aufwärts, bis man über einen kurzen, einfachen Hang die Firnschneid der Arete du Blanc erreicht. Über den exponierten Grat nun steil bergauf, bis dieser in Fels übergeht. Eine kurze Steilstufe wird rechts durch eine seltsame Verschneidung (III) erklettert. Nun wieder am leichten (II) Grat aufwärts, bis dieser sich völlig verflacht und einen guten Rastplatz bietet. Hier dreht der Grat nach rechts, man folgt ihm, umgeht einen großen Block im Schnee links davon und erreicht über den folgenden Grat den ersten Gendarmen. Dieser wird nun überklettert (II) oder links (an dessen Basis) über ein anfangs abschreckendes Band (II) umgangen. Eine Reihe von Türmchen und Zacken wird in ständigem Hin- und Her erklettert (II) und so der Aufschwung unter der Rasoir erreicht (BH). Durch eine Verschneidung aufwärts und zuletzt entlang der steilen Kante (Zackenschlingen) zum Gipfel der Rasoir (Stand). An ihrer Kante entlang und daran, wiederum an Zacken gesichert, einige Meter hinab. Die nun folgende Sphinx wird rechts über Bänder umgangen (farbige Schlingen) und so der große Aufschwung erreicht. Diesen nun in drei Längen (25m) (III) an seiner rechten Kante erklettern, eine Umgehung der Steilstufe in der dritten Länge nach links ist wenig sinnvoll. Über den nun einfacheren Grat aufwärts, eine letzte Stufe überklettern (II) und einfach zum Gipfel des Zinalrothorns.
Über den von rechts heraufziehenden Rothorngrat anfangs in eine Scharte abklettern. Der folgende Turm wird sehr exponiert links (südseitig) über ein schmales Band umgangen. Immer steiler werdende Platten leiten hinab zu den Sicherungsstiften der Binerplatte. Hier nun, je nach Belieben, 1-3x abseilen bis zu einer abgesprengten Schuppe mit Spalt. Durch diesen hindurch und jenseits abseilend in die große Scharte (Gabel). Direkteres Abseilen, um die Gabel auszulassen, ist sinnlos und verursacht nur Steinschlag. Auf der Gabel nun orogr. rechts der Rinne über eine Rippe abklettern bzw. abseilen und an deren unterem Ende über das Coulouir queren. Kurz nach Osten, durch eine Blockverschneidung abklettern und über Bänder zum letzten Gendarmen. Diesen nun überklettern und abseilen oder rechts umgehen und so zum Firngrat. Diesem folgt man nun, biegt aber bald nach rechts ab und erreicht Blockgelände. Diesem folgt man nun abwärts, bis man über eine steile Stufe das kleine Firnbecken darunter erreicht. Dieses quert man nun und erreicht über Bänder (auf Steigspuren achten) den letzten Abbruch. Durch eine grauslige Rinne 20m von Block abseilen und über den folgenden, einfachen Gletscher nach rechts zur Rothornhütte.
 
ABSTIEG: Über den Hüttenweg nach Zermatt.
 
SCHWIERIGKEIT: ZS, Fels III (mehrere Stellen) und Firn bis 40°
 
ABSICHERUNG: Einige Bohrhaken sind auf beiden Routen vorhanden. An schweren Stellen befinden sich auf beiden Routen gute Standplätze zum Abseilen.
 
WETTER: Traumtagerl
 
MIT WAR: Tanja
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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