Westgrat auf den Dent d'Hérens


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 26. August 2016 um 13:51.

Region: Welt » Italien » Aostatal
Tour Datum: 4 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 

Der Dent d'Hérens zählt zu den wenig besuchten 4000ern, das jedoch völlig zu Unrecht. Es steht etwas im Schatten seiner Nachbarn Dent Blanche und Matterhorn, vor allem aber liegt er sowohl von der Schweiz als auch von Italien sehr entlegen. Der Schweizer Normalweg ist zudem von starker Ausaperung betroffen und daher in so manchem Sommer kaum begehbar. Von Italien führt der Anstieg aus dem Val d'Hérens auf den Gipfel. Auch dieser Weg ist mühsam, denn schon die Anfahrt zum Stausee Place Moulin ist lange. Dafür zeigt sich der Gipfel hier schon in seiner ganzen Schönheit über dem türkisgrünen See. Das Rifugio Aosta, welches als Stützpunkt dient, liegt ganz hinten im Tal und muss über einen ewig langen Weg erwandert werden. Umso hilfreicher ist es hier also, ein Rad mitzunehmen, denn damit kann der Anstieg rund um die Hälfte verkürzt werden. Erst ganz zuletzt steigt der Weg zur Hütte an, dann dafür ordentlich, inklusive einem kräftigen Wiederabstieg vor der Hütte. Wer die Hütte aber einmal erreicht hat, der kann es sich gut gehen lassen, denn die Bewirtung durch die beiden Burschen ist großartig. Günstige Preise, viel und hervorragendes Essen, Trinkwasser und viele andere Annehmlichkeiten gibt es. 
Der Aufstieg zum Gipfel führt anfangs über Moränen aufwärts, bis wir die ersten Schneefelder erreichten. Ein kurzer Steilhang leitet hinauf auf den flachen Gletscher. Das Auffinden der richtigen Scharte ist auch in der Dunkelheit gut machbar. Ketten führen nun hinauf in die Westgratscharte (nahe dem Tiefmattenjoch), diese sind aber sehr steil und es heißt ordentlich zupacken. Am Grat geht es dann deutlich gemütlicher weiter, erst ganz am Ende wartet die eine oder andere schwerere Stelle (III), an der seilschaftsmäßig gesichert werden muss. Kurz bevor man den Firnbuckel erreicht, sollte man besonders darauf achten, den etwa 5 Meter unterm Grat liegenden Abseilstand zu entdecken! Über den Firn- oder Eisbuckel geht es nun steil bergauf, bis man oben in meist kombiniertem Gelände auf die ersten Sicherungsstangen trifft. Der Weiterweg ist leichter Fels, meist mit etwas Eis, daher sind die 6-7 Sicherungsstangen im Abstand von 25m ideal zum Sichern. Zuletzt geht es über einen sehr luftigen Felsgrat Richtung Gipfel, welcher über eine kurze, schmale Schneid betreten wird. Die Rundumsicht ist wunderbar und meist kann man diese wunderschöne Hochtour fast alleine genießen. Für den Abstieg empfiehlt es sich, die Abseilpiste zu nutzen: der frühere Normalweg ist steil und kaum absicherbar. Aber Achtung: die Abseilstellen sind bis zu 30 Meter lang!
 
ZUSTIEG: Vom Parkplatz am Place Moulin folgt man dem Seeufer (Radstrecke) bis zum Ende des Sees. Über Wiesen nun weiter taleinwärts bis zur ersten Brücke (bis hierher mit dem Rad gut möglich, kurze Schiebepassage). Bald wechselt man wieder auf die linke Bachseite und steigt kurz steil durch einen sehr alten Lärchenwald hinauf. Oberhalb der Baumgrenze quert man nun weiter taleinwärts und erreicht eine große Schwemmebene. An deren Ende wiederum kurz aufwärts und erneut über eine flache Schwemmebene taleinwärts. Nun sehr steil nach rechts auf eine Moräne und dieser folgen. Bald wieder absteigend eine Schlucht queren und steil bergauf zur Hütte. (5-6 Stunden ab P, mit Rad rund 3h)
 
ROUTE: Von der Hütte am bekannten Weg kurz abwärts und leicht ansteigend auf die erste Moräne. Dieser nun gerade aufwärts folgen, bis man kurz vor ihrem oberen Ende entlang von Steinmännern und einem deutlichen Steig nach rechts quert. Hier trifft man auch die ersten Firnfelder, welche man nach rechts ansteigend überwindet. Meist gehen diese direkt in den Gletscher über. Über einen steilen Hang, den man meist in seinem linkesten Bereich begeht, erreicht man (unmittelbar neben den Begrenzungsfelsen) den oberen (flachen) Teil des Gletschers. Nun immer leicht ansteigend aufwärts, bis man den markanten (wild steilen) Gendarmen erblickt. Nun in Falllinie der rechts davon befindlichen Scharte kurz aufsteigen und so zum Beginn der Ketten. Diesen folgt man nun etwa 40m sehr steil und anstrengend aufwärts in eine Scharte. Man folgt nun dem anfangs flachen Blockgrat (II). Erst nach etwa 45 Minuten wird dieser steiler und der letzte Gratturm wird links (Normalhaken) umgangen (III). Hier beginnt plötzlich Gehgelände, genau hier befindet sich 5m unter der Gratkante der erste Abseilstand auf einem schmalen Band (von der Gratschneide schwer zu sehen). Nun noch einige Meter über Schutt aufwärts und nun dem steilen Firn- bzw. meist Eisbuckel folgen. An dessen oberem Ende trifft man rechts auf die erste Sicherungsstange. Nun 6-7 Längen (je 25m) zuerst entlang der Kante, dann in der linken Flanke über leichen Fels (II), meist kombiniert mit Eis, hinauf. Etwa 20m unter der Gratschneide erreicht man einen Bohrhakenstand mit Schlingen. Hier nun nach rechts über ein Band, unter einem Überhang hindurch, zum nächsten Stand hinter der Kante. Einige Meter gerade aufwärts zum letzten Stand. Von hier nun über den anregend luftigen Gipfelgrat zum letzten Firnaufschwung. Über diesen sehr exponiert zum Gipfel.
 
ABSTIEG: Wie Aufstieg bis zur Abseilpiste. Hier nun 6-7x30m Abseilen. Wegen der ungünstigen Platzierung der Stände ist unbedingt ein 60m Seil erforderlich. Bei mehreren Seilschaften herrscht Steinschlaggefahr. Vom unteren Ende der Abseilpiste einen kurzen Hang hinab und über den nun bereits wieder sanften Gletscher zurück zur Aufstiegsspur. Weiter wie Aufstieg.
 
SCHWIERIGKEIT: ZS, Fels Stellen III (meist II), Eis bis 45°
 
ABSICHERUNG: Es sind immer wieder gute Sicherungen vorhanden, mit einigen Zackenschlingen und 2 mittleren Friends ist eine hervorragende Absicherung möglich.
 
WETTER: Traumtagerl
 
MIT WAR: Tanja
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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