Grande Jorasses


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 26. August 2016 um 13:26.

Region: Welt » Frankreich » Massif du Mont Blanc
Tour Datum:28 Juli 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: F   I 
Zeitbedarf: 2 Tage

Schon zwei Mal mussten wir auf der Grandes Jorasses wegen extrem schlechter Bedingungen umkehren, diesmal versprach der Hüttenwirt uns bessere Chancen. Und auch die seit Jahren geschlossene Boccalatte-Hütte hat heuer erstmals wieder geöffnet. Mit großer Erwartung stiegen wir also den mühsamen Weg hinauf zur Hütte, leider wurden unsere Erwartungen nicht erfüllt: obwohl die Hütte bewartet ist, hat sich gegenüber den letzten unbewirtschafteten Jahren nichts verändert: kein Wasser, miserables WC, grausliges Lager. Schade, mit etwas mehr Liebe wäre hier rasch eine tolle Hochgebirgsunterkunft geschaffen, scheinbar gibt es dafür aber keine Energie. Und nach dem morgendlichen Frühstückschaos starteten wir direkt ober der Hütte im Firn unseren Aufstieg. Praktisch ohne Gletscherspalten überqueren zu müssen erreichten wir die Reposier-Felsen. Mit Steigeisen war die Kletterei mühsam, vermutlich der schwerste IIer im gesamten Sommer - im Führer steht ja auch "II bei idealer Wegfindung, sonst schnell schwerer" (Wer also bei Tageslicht gründlich sucht, der findet möglicherweise einen leichteren Weg, besser ist es aber, sich einfach auf einen IIIer einzustellen und sich nicht überraschen lassen.) Am Ende der Felsen folgt man kurz einem Firngrat, um anschließend einen steilen Gletscherarm zu überqueren. Man erreicht so die Whymperrippe, diese wird mit einem kurzen Fixseil und einer steilen sowie 2-3 leichten Seillängen erreicht. Es folgt ein leichter, jedoch vom Walker-Serac bedrohter Quergang im Firn, bevor man die letzte, ganz rechts verlaufende Rippe erreicht. Über diese in größter Ausgesetztheit und meist kombiniert zum Gipfel des Point Walker, dem Hauptgipfel der Grandes Jorasses. Und mit etwas Glück kann man Kletterer auf den letzten Metern des Walker-Pfeilers beobachten: beeindruckend! Obwohl wir unseren Gipfelaufstieg als eine der letzten Seilschaften starteten, erreichten wir, auch wegen dem Vorteil der leichteren Wegfindung nach Sonnenaufgang, als eine der ersten Gruppen den Gipfel. Beim Abstieg haben wir alle Felspassagen abgeseilt, wer ein gutes Auge hat, der findet im Abstand von max. 15 Metern Kettenstände dafür. 
Auch wenn es sich bei diesem Aufstieg "nur" um den Normalweg auf die Grandes Jorasses handelt, so ist dies eine hochalpine Bergfahrt der Superlative, mit dementsprechenden Anforderungen an seine Begeher. Ständiges Wechseln zwischen Fels und Eis, kräftige Kletterstellen, kurze, aber steile Eispassagen und oft schlechte Verhältnisse kennzeichnen diese Tour. Wer dem gewachsten ist, der kann hier für einen Tag in eine Traumwelt aus Fels und Eis eintauchen!
 
ZUSTIEG: Von Planpansier (großer Parkplatz) zwischen den Gasthäusern hindurch zu einer kleinen Kirche. Ab hier folgt man nun dem markierten Weg in gut 3 Stunden zum Rifugio Boccalatte. Anfangs folgt der Weg noch sanften Lärchenwäldern, bald aber gilt es, einige Bäche zu überqueren und anschließend eine Felsstufe zu überklettern. Von hier nun scheinbar nie enden wollend über die Moräne aufwärts. Zuletzt entlang von dicken Fixseilen mühsam hinauf zur sehr exponiert an einen Felsen geklebten Hütte.
 
ROUTE: Von der Hütte über das kurze Fixseil hinauf auf einen flachen Absatz. Von hier bei guten Verhältnissen im Firn, sonst über einen kleinen Weg rechtshaltend sehr steil hinauf zum Beginn des Gletschers. An dessen rechten Rand nun aufwärts, bis die rechts davon befindliche Felsrippe endet. Hier nun weiter gerade aufwärts und zuletzt von rechts her kommend über ein Firnband zu den Reposier-Felsen. Einige Meter in steilem Firn oder Eis hinauf unter eine markante Verschneidung (2 BH am linken unteren Rand). Nun entweder durch die Verschneidung hinauf (III) oder durch einen abweisenden Riss am rechten Ende der Platte aufwärts zum ersten Stand an Bohrhaken. Nun weiter, immer die schwächsten Wandpartien suchend, mehr oder weniger immer gerade aufwärts. Im unteren Teil findet man meist noch Kettenstände, weiter oben sind diese zum Abseilen optimal positioniert und daher nicht ideal für den Aufstieg verwendbar. Bald wird das Gelände leichter und man kann gemeinsam über das meist kombinierte Gelände aufsteigen. Am Ende geht der Felsen in einen schmalen Firngrat über, welchem man folgt. An dessen Ende nun, an einem Serac vorbei, nach rechts und in einer steilen, leicht fallenden Querung nach rechts unter eine große Verschneidung in der Whymper-Rippe (Es gibt zwei unmittelbar nebeneinander liegende Verschneidungen, die richtige ist die linke (obere).). In der Verschneidung nun einige Meter am Fixseil hinauf und dann eine Seillänge schwer (III-) hinauf. Nun legt sich die Verschneidung zurück und bildet ein ansteigend verlaufendes Band. Diesem folgt man nun in 2-3 Sl leichter Kletterei (II) auf die Whymper-Rippe. Jenseits quert man unter den großen Seracs (rasch) nach Osten, bis man über einen Firnbuckel zur östlichsten Begrenzungsrippe aufsteigen kann. Über diese klettert man nun nicht ganz einfach (II+) und meist kombiniert einige Längen hinauf. Ein kurzes Gehgelände leitet zum Gipfelaufschwung, welcher ohne Probleme im Firn zurückzulegen ist.
 
ABSTIEG: wie Aufstieg, im Felsteil gibt es Abseilstellen. An der Whymper-Rippe sind diese vom Aufstieg bekannt. Am Reposierfelsen steigt man, solang es möglich ist, direkt an der Schneid ab und trifft, unmittelbar nachdem das Gelände sich versteilt, auf den ersten Stand. Weiter wie Aufstieg.
 
SCHWIERIGKEIT: ZS+, im Fels II-III (bei Verhauern auch noch schwerer), im Eis bis ca. 45°
 
WETTER: Traumtagerl, genau bei unserer Gipfelankuft hat sich auch das Nebelfetzerl am Gipfel gelichtet.
 
MIT WAR: Tanja
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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