Dom - Schon ein zweiter Versuch war nötig


Publiziert von emely , 23. August 2016 um 17:04.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:29 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   4000er 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 3200 m

Dom – Schon ein zweiter Versuch war nötig
Unseren ersten Versuch starteten wir vor zwei Jahren: wohlgelaunt und hoch motiviert nahmen Eugen und ich damals gemeinsam die schlappen 1600 hm Hüttenweg  unter die Füße. Dort gerade angekommen überraschte uns ein Gewitter, das sich nicht an die Vorhersage von Meteo gehalten hatte. Überhaupt machte das Wetter in diesem Sommer, was es wollte. So regnete es auch munter weiter die ganze Nacht durch. Nach zwei ausgiebigen Frühstücken um 2.30 Uhr und dann noch mal um 7 Uhr zogen wir unverrichteter Dinge wieder nach Randa zurück.
War es dieses Erlebnis oder lag es daran, dass wir auch im letzten Jahr keine Hochtour machen konnten: Eugens Begeisterung auf meinen Vorschlag, den Dom zu besteigen, hielt sich doch schwer in Grenzen. Es wurde hin und her überlegt, verschiedene Wetterberichte studiert und schließlich einigten wir uns auf den 29.7.2016, denn da sollte das Wetter perfekt sein.
Damit auch nichts unser Vorhaben vereiteln konnte, wurden sämtliche Parameter geändert. Eugen wollte nicht mehr in der Hütte übernachten, sondern von Randa aus aufsteigen, begleitet von seinem Kollegen Elmar, während ich schon mit Seil am Vortag in die Hütte wollte.
Pünktlich um halb drei Uhr morgens kamen die Männer nach guten drei Stunden in der Hütte an und frühstückten erst einmal mit großem Appetit. Ich, die ich schon am Vorabend ein köstliches drei Gänge Menü zu mir genommen und dann im Lager mit mindestens 20 weiteren Personen, gefühlt, trocken und vor allem warm gelegen hatte, mümmelte etwas lustlos an meinem Müsli herum. Ich war froh, als wir um 3.20 Uhr endlich losgingen.
Zuerst ging es moderat auf einem Weglein die Randmoräne hoch. Eugen, der von den Touren vorher wusste, dass das Wandern in den frühen Morgenstunden nicht meinem Biorhythmus entspricht, schlug ein gemächliches Tempo an, für das ich ihm auch sehr dankbar war. Nach einer guten Stunde wurden die Steigeisen montiert und dann ging es weiter über dem Gletscher. Ein kurzer Aufstieg in den Felsen, gut abgesichert mit Bohrhaken und Ständen und schon standen wir auf dem Festijoch. Von den fixen Seilen, die in verschiedenen Führern wortreich beschrieben wurden, war weit und breit nichts zu sehen. Die Frage: „Festigrat oder Normalweg?“ war wohl eher rhetorisch zu bewerten, denn es sollten schon Stellen mit Blankeis oben bei der Querung geben und die vielen Kreuze mit Inschriften zeugten davon, dass der Festigrat durchaus heikel sein kann.
Nun wurden erst einmal mühsam erworbene Höhenmeter zunichte gemacht, indem wir eine Randkluft überwindend auf den Hohberggletscher abstiegen. Dann ging es auf breiten Pfaden selbigen hinauf. Kaum hatten wir wieder Höhe gewonnen und waren an dem imposanten Hängegletscher vorbei, lösten sich Teile dieses Gletschers und stürzten mit lautem Getöse herunter.  Die Seilschaft hinter uns nahm dieses Naturereignis als Motivationsschub, diese Passage in Windeseile hinter sich zu lassen. Einige Eisbrocken kamen auf wenige Meter an unserer Aufstiegsspur heran, aber Gott sei Dank kam an diesem Tag niemand zu schaden. 
Ein wunderschöner Sonnenaufgang ließ uns alle bisherigen Mühen vergessen und wir kamen zügig voran. Die Erinnerung an die Mühen  holten mich spätestens da ein, wo wir in die Flanke des Doms stiegen. Nach 1100 hm ist man bei anderen Bergen, auch im Wallis, schon nah dem Gipfel. Nicht so beim Dom. Jetzt wurde es stellenweise richtig steil, ein eiskalter Wind blies uns den Schnee ins Gesicht und ich fror doch trotz der Anstrengung erbärmlich an Händen und Füßen. Dass wir längere Passagen keinen Trittfirn hatten, sondern nur Pulverschnee, der uns jeden Schritt zurück rutschen ließ, machte die Sache auch nicht besser. Wenn man Eugens Statistik Glauben schenken will, standen wir in noch nicht einmal sechs Stunden auf dem Gipfel - ein schönes Ergebnis, wenn man den Dom als Einstiegs- und Akklimationstour nimmt.  Oben auf dem Gipfel blieben wir doch länger als erwartet, weil der Wind sich gelegt und die Wolke sich zum Glück auch noch verzogen hatte. So konnten wir die wirklich phänomenale Aussicht genießen.
Der Schluss ist schnell erzählt: Lockeren Beines konnten wir uns an den Abstieg machen,  und es durchflutet mich immer ein unglaubliches Glückgefühl, wenn ich auf dem Gipfel war und dann den Seilschaften begegne, die sich noch abmühen müssen. Aber nun ja, das hatten wahrscheinlich auch die Leute, die vor uns schon auf dem Gipfel waren. Für den Abstieg  nahmen wir uns jedenfalls noch reichlich Zeit, denn Eugen wollte seine Kamera nicht nur spazieren tragen, sondern auch benutzen. In der Hütte wurde wieder mit dem  obligatorischen Bier auf die gelungene Tour angestoßen und dann machten wir uns an den Abstieg nach Randa.
Danke Eugen und Elmar für die gelungene Tour und besonders Eugen, der uns wieder einmal kundig und souverän geführt hat.
 
 

Tourengänger: emely


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Kommentare (1)


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garaventa hat gesagt: Bravo
Gesendet am 23. August 2016 um 18:41
sage ich zur dieser Eurer Leistung, denn unter diesen Umstanden musste der Dom besonders hart "verdient" werden.

Hut ab vor Eugen und seinem Begleiter, die die 3150 Höhenmeter auf- und abwärts an einem Tag absolviert haben.

Wer einmal vom Dom oder vom Weisshorn abgestiegen ist, der kann ermessen was das bedeutet.

Ich freue mich sehr, dass Euch im zweiten Versuch dann so eine tolle Tour gelungen ist!!


Gruss garaventa


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