Über den Pößneckersteig auf Piz Selva (2941m) und Piz Miara (2941m)


Publiziert von gero Pro , 9. Februar 2009 um 21:12.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:19 August 2008
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1070 m
Abstieg: 1070 m
Strecke:Sellapaß - Pößneckersteig - Sellaspitze - Piz Revis - Piz Gralba - Piz Miara - Val Lasties - Sellapaß
Kartennummer:Freytag&Berndt WKS 5 Cortina d'Ampezzo - Marmolada - St.Ulrich

Diese wunderbare Tagestour verbindet die Begehung eines hochalpinen Klettersteiges mit dem Reiz grandioser Felslandschaft; gleichzeitig ergibt die hier geschilderte Begehung eine recht lange Wegstrecke.

Man startet am Sellapaß und hat zunächst einmal knapp 1 Std. Zustieg unter den eindrucksvollen Westabstürzen des Sellastockes hin zum Beginn des Pößneckersteiges: in leichtem Auf und Ab hält man auf den deutlich schwarzen Teil dieser Wandflucht zu.

Es empfiehlt sich, möglichst früh am Sellapaß zu starten - dann hat man erstens noch kein Parkplatzproblem und zweitens ist man am Beginn der vielen Kletterer, die unvermeidlich an einem Schönwettertag den Steig begehen.

Der Klettersteig ist fast durchgehend bestens mit Fixseilen versehen und führt durch eine beeindruckende, hochalpine Landschaft. Wenige ungesicherte Bereiche können fast als Gehgelände eingestuft werden. Das Gelände wird nach oben hin immer einfacher.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß man alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und ein nicht unerhebliches Maß an Erfahrung mit Klettersteigen dieser Art mitbringt. Die Bewertung von Schwierigkeiten wird in gewisser Weise immer subjektiv bleiben; ich persönlich empfinde den Pisciadusteig teilweise ausgesetzter, den Trincee-Steig als technisch deutlich schwieriger. Die häufig beschriebene außerordentliche Ausgesetztheit des Pößneckersteiges erscheint mir hingegen etwas übertrieben, obwohl man natürlich vielfach recht luftig über der Sellapaßstraße herumturnt.

Gleich am Beginn wird man feststellen, ob man dem Steig gewachsen ist oder nicht: die ersten 100 Klettermeter sind etwas knifflig; als Normalbergsteiger hangelt man sich am Fixseil hinauf und hat schnell den "Point of no Return" erreicht. Hat man jedoch diesen Abschnitt gemeistert, erscheint eine Umkehr nicht nur sinnlos, sondern auch komplizierter als der restliche Durchstieg!

Nach Überwindung der ersten 100 Klettermeter geht es leicht nach rechts und über Wandstufen bis an den Anfang eines Kamins; dieser wird über viele Klammern bezwungen - ein zu großer Rucksack ist hier etwas hinderlich. Am oberen Ende des Kamins erreicht man ein Köpfl und steht nun wirklich kurzzeitig recht ausgesetzt hoch über dem Einstieg. Man klettert eine Leiter hinauf und in Folge - immer bestens gesichert - am meist straff gespannten Fixseil hinauf. Etwas anspruchsvollere Kletterstellen wechseln mit sehr leichtem Fels ab; ich würde die technischen Schwierigkeiten - frei geklettert - mit II einstufen (von kurzen Ausnahmen abgesehen) - aber der Fels ist fest und absolut zuverlässig, in diesem unteren ersten Abschnitt keinerlei Brüchigkeit.

Immer hinauf - es ist eine Wonne, dieses Turnen hoch über der Sellapaßstraße! Etwa 1 Std. ab Einstieg wird man bereits das obere Ende der Kletterei erreichen. Auf einem Band quert man, ab jetzt ungesichert, nordseitig wenige Meter hinaus in das Gehgelände, das nun unschwierig aufwärts zum charakteristischen Sellaband leitet (etliche Markierungen und Steinmandln) - und weiter zum oberen, wesentlich leichteren und kaum mehr ausgesetzten Teil des Klettersteiges. Man genieße ständig die urwüchsige, großartige Dolomitenlandschaft sowie die herrliche Aussicht zur nahen Langkofelgruppe, dem etwas weiteren Rosengarten sowie bei schönem Wetter weit hinaus ins Vinschgau mit den firnbedeckten Gipfeln der Ortlergruppe !

Der obere Teil des Klettersteiges ist zwar ebenfalls durchgehend drahtseilversichert, aber man wird das Seil nur noch sporadisch zum Festhalten benötigen. Der Fels ist hier etwas weniger fest als vorher, aber trotzdem wird man kaum noch Schwierigkeiten haben.

Schließlich erreicht man am Piz Selva (Sellaspitze, 2941m) den Ausstieg - und steht mit einem Mal oben auf der Sella-Hochfläche, dem Piz Boe, dem Piz Pordoi und der Marmolada gegenüber. Das Seil und der Helm werden eingepackt, der Rest der Tour ist nur noch Bergwanderung - allerdings eine lange!

Wir bestiegen auch die nun folgenden Gipfelkuppen der Hochfläche, obwohl man sie teilweise ostseitig über Steigspuren umgehen kann: als erstes den Piz Revis (2970 m) unmittelbar über der Sellaspitze, dann den Piz Gralba (2972 m) und zuletzt den Piz Miara 2964 m) mit seinem großen Holzkreuz. Unter dem Piz Beguz geht man ostseitig vorbei (er wäre der Höchste mit 2974 m), doch liegt er etwas abseits des Weges hinüber Richtung Bamberger Hütte, dem man nun folgt.

Der Weg ist nun weiterhin bestens beschildert, noch vor der Bamberger Hütte zweigt man nach Süden ab, hinunter ins Val Lasties, das abwärts leitet Richtung Pian Schiavaneis. Man sollte aber die Abzweigung Richtung Sellapaß nicht verpassen, die - noch hoch über Pian Schiavaneis -  Richtung Westen zum Sellapaß zurückführt, immer unter den Südwänden der Sellagruppe entlang und dann leider zusehends neben der südseitigen, stark befahrenen Sellapaßstraße aufwärts. Zum Schluß hat man vom tiefsten Punkt aus knapp 200 Hm Gegenanstieg zu bewältigen, bis man wieder am Sellapaß und damit am Ausgangspunkt der Tagestour ankommt. Die südlichwestliche Sellagruppe hat man damit auf abenteuerliche Weise umrundet !

Tourengänger: gero

Galerie


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Kommentare (1)


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Ursula hat gesagt: Schön!
Gesendet am 10. Februar 2009 um 06:11
Hallo Georg
Schön beschrieben und sehr animierend mit Bildern dokumentiert, vielen Dank!
Weckt das Fernweh noch mehr...
Herzliche Grüsse aus dem stürmischen Emmental,
Ursula


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