Crappa da Tocf / Piz Neir Nordgipfel (2860 m)


Publiziert von rkroebl Pro , 22. August 2016 um 19:23.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:22 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 730 m
Abstieg: 730 m
Strecke:PP oberhalb La Veduta - Val d'Agnel - Fuorcla digl Leget - Crappa da Tocf retour (12,5 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW zum PP eine Kurve oberhalb La Veduta am Julierpass
Zufahrt zum Ankunftspunkt:PW zum PP eine Kurve oberhalb La Veduta am Julierpass
Kartennummer:LK 1256 Bivio / GPS Garmin extrex 30

Traumhafter, wenn auch streckenweise sehr kalter Wandertag. Perfekt, um sich in die Steinwüsten ums Val d'Agnel zu begeben - eine Gegend die ich wirklich liebe und inzwischen auch ein wenig kenne. Das Thermometer im Auto beim Start der Tour zeigte 4°C, die Wolken jagten um den Julierpass. Bei Abmarsch war ich noch gar nicht definitiv entschieden, ob und welchen Gipfel ich denn heute unter die Füsse kriegen wollte. Sicher war lediglich, dass ich mich zur Fuorcla digl Leget hinauf begeben wollte, weil ich vorher noch nie auf diesem Übergang war. Optionen waren der Piz Campagnung (2826 m) oder die Crappa da Tocf (2860 m), die den Nordgipfel des Piz Neir (2906 m) ausmacht.

Der Entscheid fiel dann ganz einfach auf die Crappa da Tocf, weil sie mich optisch anmachte und mir auch empfohlen wurde. Dazu nachher etwas.

Hinauf also durchs geliebte Val d'Agnel immer irgendwie auf der Flucht von Wollkenbänken, die das Tal hinauf jagten. Aber irgendwie passte das alles perfekt. Richtig eingenebelt war ich nur für ein paar (eiskalte, warum hatte ich keine Handschuhe dabei!?) Minuten. Beim Abzweiger der einen entweder zur Fuorcla digl Leget oder aber zur Fuorcla d'Agnel leitet (alles wrw und bestens markiert) dann links hinauf in mässiger Steigung, über den einen oder anderen Hügel, bis man den Übergang vom Val d'Agnel ins Val da Natons am Horizont vor sich sieht. Ein leichter Anstieg noch und man steht auf dem Übergang und hat den kleinen Bergsee Lej digl Leget vor sich liegen. Keine Badetemperaturen!

Was da im Aufstieg passierte, war dann wohl eine der angenehmsten, überraschendsten und sympathischsten Begegnungen, die ich je in den Bergen hatte: Ich mag 50 Hm unter der Fuorcla digl Leget gewesen sein, als ich oben am Grat einen Mann erkannte, der mit Telefon in der Hand einher ging (wohl nach Empfang suchend). Als ich beim Steinmann und der Tafel mit den Routenwegweisern ankam, war er gerade auch wieder dahin zurück, telefonierte nicht mehr. Seinen Rucksack hatte er am Steinmann deponiert. Gerade als wir beide da ankamen, realisierte ich, dass an dem Rucksack da ein ganzer Kopf eines offensichtlich kapitalen Steinbocks angeschnallt war. Der Rucksack wurde von einem wunderschönen Hund bewacht. Für einen kurzen Moment war ich verdutzt, wen wundert's?

Ein schlussendlich halbstündiges, wirklich angenehmes und interessantes Gespräch mit dem Mann, einem offensichtlich erdverbundenen Bündner, ergab, dass er der Wildhüter der Gemeinde Bivio im Auftrag des Kantons Graubünden ist - was aus der Nähe dann auch erkennbar war, er trug entsprechende Insignien an der Kleidung.

Offenbar hatten am Vortag andere Wanderer (er nannte sie "Gäste") den zehn- oder elfjährigen Bock am Fuss einer Felswand gefunden, das Tier war abgestürzt. Der mit den Koordinaten informierte Wildhüter stieg also an diesem Morgen auf, um das Tier zu finden, es nach Möglichkeit zu identifizieren und Kopf und Hörner für die Ewigkeit zu retten. Den Rest des Kadavers hat er, wie er sagte, "entsorgt", d.h. in diesem Fall, ihn von den oft begangenen Wegen entfernt und ihn dort der Natur, insbesondere den Bartgeiern, überlassen. Ein mir unglaublich sympathischer Mann, der mir in dem langen Gespräch da oben auf dem windigen Grat viel von seiner Tätigkeit erklärt hat, mir die ganze Umgebung detailliert (Gesteinsarten, von denen es gerade hier in dieser Gegend so einen verwirrlichen Mix gibt) näher gebracht hat. Als wir uns trennten, stand fest, dass es für mich heute die Crappa da Tocf - und nicht der Piz Campagnung sein würde, obwohl beide mit ähnlichem Aufwand erreichbar wären, von dort aus. 

Dass sich der einfache Aufstieg zu diesem klassischen Skiberg auch im Sommer ausserordentlich lohnt, zeigen die Fotos von Aufstieg und Gipfel.

Fotos: Da es sich bei der Tragödie um den Steinbock nicht um eine jägerliche Mörderszene handelt, sondern um einen Vorfall im täglichen Berufsleben eines Wildhüters im Bündnerland, schrecke ich nicht davor zurück, zwei Bilder von der Begegnung (ich hätte etliche mehr) mit diesem Bericht zu veröffentlichen. Da hat ein kompetenter Mann seinen Job getan, mir erlaubt, Fotos zu machen und mich mit seiner Art und seiner Denkweise über die Natur hier oben tief beeindruckt. Wer etwas zartbesaitet ist, muss halt schnell über die Fotos wegblättern. Ich danke für's Verständnis - da geht's um Natur und die müssen und dürfen wir integral bewundern, geniessen und respektieren.

Abstieg von der Crappa da Tocf hinunter zum Auto, das gleich oberhalb der Veduta parkiert war, dann mehr oder weniger auf der Aufstiegsroute.

Ein eindrücklicher, erinnerungswürdig schöner Wandertag im Oberhalbstein war das!

Tourengänger: rkroebl


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Geodaten
 31491.gpx Crappa da Tocf

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»