Mittellegigrat - Eiger - Eigerjöcher


Publiziert von D!nu , 27. August 2016 um 20:21.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:22 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: S
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 15:00

Ein über 4 Jahre immer wieder verschobenes, bestens geplantes Projekt wird wahr: Überstieg bzw. Besteigung des bekanntesten Dreigestirnes der Schweiz: Eiger, Mönch und Jungfrau. Inzwischen habe ich soviel Erfahrung mit Kursen und Hochtouren gesammelt, dass ich mich mit meinem besten & vertrauenswürdigsten Kletterpartner auf die abenteuerliche Reise mache.

Wir starten am Sonntag bei kühlen 5 Grad. In der kleinen Scheidegg planen wir eine längere Anklimatisierungspause und möchten den Halt nutzen, um den Rotstock Klettersteig zu absolvieren. Hier wollen wir uns am Stahlseil gesichert an das Gelände, die Temperaturen und die Höhe gewöhnen, bevor es in der zweiten Tageshälfte hinauf zur Mittellegihütte geht.

Der Zufall möchte es, dass genau seit Samstag der Klettersteig gesperrt ist. Ein 200 Meter breiter Gletscherabbruch rutscht mit 15-60 Zentimeter pro Tag ins Tal hinunter und droht abzubrechen. Insofern warten wir dann im Eigergletscher lediglich auf den nächsten Zug. Nur schade dass diese Info nicht schon am Schalter der Jungfraubahn kommuniziert wurde ;-) Die Natur ist stark und wir wollen nichts riskieren. Der Gletscherabbruch brach dann rund 4 Tage später ohne grosses Schauspiel in mehreren kleinen Stücken ab.

In der Station Eismeer steigen wir defintiv aus, das Wetter ist noch Trüb und die Sicht nicht optimal. Der Weg zur Mittellegihütte ist gegeben: Vom Ausstieg des Stollens auf selber Höhe den Gletscher traversieren und nach zwei grösseren Gletscherspalten in die Felswand wechseln. Mit zwei Seillängen gelangt man auf ein Felsband, wobei die erste Seillänge gleich die schwierigste vom Hüttenzustieg ist. Die nötigen Kletterpassagen sind bestens mit Winkeln für Expressen ausgerüstet. Auf der Hälfte zur Hütte muss man sich über ein ausgetrocknetes Bachbett abseilen. Kurz danach geht es direkt unterhalb der Hütte im Zick-Zack an Sicherungsstangen entlang, hinauf zur Mittellegihütte.

In der Mittellegihütte werden wir bestens bewartet. Heute sind nur drei Zweierseilschaften angekommen, insofern können wir den Mittellegigrat geniessen, ohne von hinten oder vorne gestresst zu werden. Wir starten als letzte Seilschaft, nachdem wir den Sonnenaufgang von der Hütte aus begutachtet hatten.

Der Grat ist zu Begin noch breit und flach. Stetig nimmt die Steilheit zu. Auch der Mittellegigrat ist bestens versehen mit Sicherungsmöglichkeiten, der Fels griffig und fest. Teilweise führen gar Fixseile die steilen Türme empor. Der Weg zieht sich in die Länge, auf jeden Turm folgt ein weiterer, bis wir endlich am Gipfelgrat angelangen. Überfordert waren wir nie. Da wir aber Schulbuchmässig gesichert haben und das eine oder andere Photo gemacht haben, haben wir die gegebenen Zeitangaben aus Büchern total übertroffen :-D Auch die anderen Seilschaften brauchten rund das doppelte von den angegebenen 6 Stunden über Mittellegigrat und Eigerjöcher :-/

Die Freude war riesig, als wir auf dem Gipfel ankamen. Inzwischen waren wir aber nicht die einzigen: Nebelschwaden bildeten sich über dem Eismeer und fingen an, uns die Sicht zu nehmen. Das Wetter hielt dann zum Glück bis am Abend. Beim Abstieg vom Eiger folgten wir dem Grat Richtung Eigerjöcher ca. 200 Meter, bis wir unter uns ein Metalkreuz sahen. Hier glänzte ein "Muniring" am Felsen, von welchem wir uns abseilten. Mit unserem 60 Meter Seil konnten wir so in cirka vier Etappen abseilen und gelangten so wiederum in begehbares, jedoch immer noch steiles Gelände. An dieser Stelle bedarf es um Aufmerksamkeit, ein ausrutschen könnte Fatale folgen haben. Dank Steigeisen und Pickel jedoch kein Problem.

Unten auf dem Sattel angekommen blicken wir auf die nächste Etappe: Die Eigerjöcher. Das erste Hindernis ist schnell überwunden, eine Felsbarriere im 2. Grad. Danach folgt eine kurze aber Steile Passage im Firn. Nun steht man vor dem eigentlichen Eigerjoch. Ein schmaler Spalt von mehreren Metern führt einem ums Eck direkt vor den grossen Turm. Hier bleibt man am besten auf der erreichten Höhe und umklettert den Turm zur Rechten. Hinter dem Turm befindet sich eine Felskette mit gut begehbaren Trasses. Hier steigt man 1-2 Trasses hoch. Am Ende dieser Felskette befindet man sich oben auf dem Grat des Eigerjoches. Von hier bis zum südlichen Ende bleibt man dann auch permanent auf dem Grat. Die letzten Schritte bis zur Mönchsjochhütte geht man über den Gletscher. Zuerst steigt man Richtung unteres Mönchsjoch ab um dann den Gegenaufstieg zur Mönchsjochhütte zu machen. Mit grosser Freude und ein "bisschen" Verspätung erreichen wir die ausgebuchte Mönchsjochhütte. 

Tourengänger: D!nu


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Kommentare (8)


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donalpi hat gesagt: Grossartige Tour!
Gesendet am 30. August 2016 um 18:53
Gratulation zu dieser einmaligen Tour und für die schönen Fotos!
Gruss
Roger

D!nu hat gesagt: RE:Grossartige Tour!
Gesendet am 31. August 2016 um 07:51
Danke Roger :-)

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. September 2016 um 23:47
Gratulation - und châpeau!

lg Felix

D!nu hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2016 um 10:32
Danke Felix :-)

AlexGlaub hat gesagt:
Gesendet am 21. Dezember 2016 um 21:23
Geniale Bilder & Respekt :-)

D!nu hat gesagt: Danke Alex
Gesendet am 22. Dezember 2016 um 12:18
Falls Du noch mehr Eindrücke vom Grat haben möchtest kann ich Dir "Jetzt oder nie – Lebe deinen Traum" vom SRF empfehlen, es gibt ein Podcast --> googeln :-)

roger_h Pro hat gesagt: Wow
Gesendet am 22. Dezember 2016 um 07:51
Erst heute habe ich deinen Bericht entdeckt. Herzliche Gratulation zu dieser Traumtour und weiterhin solch beglückende und unfallfreie Projekte :-)

Gruss
Roger

D!nu hat gesagt: Danke Roger
Gesendet am 22. Dezember 2016 um 12:19
...ja, die Pläne für 2017 sind am entstehen ;-) Auch Dir weiterhin beglückende und unfallfreie Projekte! Danke :-)
Gruss Dinu


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